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"Jetzt bin ich wieder ein Mensch": Die Dresdner Firma Hesse baut Autos für Menschen um, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind

"Jetzt bin ich wieder ein Mensch": Die Dresdner Firma Hesse baut Autos für Menschen um, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind

Tilo Hesse hat wohl einen der schwersten und zugleich einen der schönsten Berufe der Welt: Täglich wird er mit Krankheiten, Unfällen oder Behinderungen konfrontiert, täglich kann er die vom Schicksal Gebeutelten aber auch wieder zu glücklicheren Personen machen.

Dresden .

Dresden (DNN). Tilo Hesse hat wohl einen der schwersten und zugleich einen der schönsten Berufe der Welt: Täglich wird er mit Krankheiten, Unfällen oder Behinderungen konfrontiert, täglich kann er die vom Schicksal Gebeutelten aber auch wieder zu glücklicheren Personen machen. Tilo Hesse baut Autos für Menschen um, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind - durch eine Querschnittslähmung, Amputation oder Behinderung. Er bringt sie so wieder auf die Straße und damit in gewisser Weise auch ein Stückchen zurück ins Leben.

Von Christin Grödel

Seit 1996 gibt es die Firma Auto Spezial Hesse GmbH - zunächst in Dresden-Südvorstadt, ab 1998 in Dresden-Nickern, heute auf der Breitscheidstraße in Dresden-Dobritz. Zu Beginn hatte sich das Unternehmen auf den Einbau orthopädischer Sitze für jedermann spezialisiert. Vor allem Berufskraftfahrer gehörten zu den Kunden. Bald aber auch Personen, deren Wirbelsäule durch eine Behinderung oder einen Unfall geschädigt war und die einen, an ihre Bedürfnisse angepassten Sitz benötigten. Nach und nach wuchs bei diesen Kunden der Wunsch, auch spezielle Umbauten, etwa den Einbau eines Drehknaufs am Lenkrad oder eines Handbediengeräts, bei Auto-Spezial Hesse vornehmen zu lassen. Handbediengeräte machen es behinderten Menschen möglich, ihr Fahrzeug mit der Hand zu steuern, Gas zu geben, zu bremsen oder zu kuppeln. Also orientierte sich der 62-Jährige am Kundenwunsch und nahm Autoumbauten in seine Angebotspalette auf. "Wir sind da reingewachsen, die Kunden haben uns in diesen Bereich gezogen", erinnert er sich.

Oberstes Gebot bei den Arbeiten von Tilo Hesse und seinen sieben Mitarbeitern: Individualität. "Wenn zehn Leute in meinen Laden kommen, sind das zehn verschiedene Fälle, je nach Grad der Lähmung. Danach müssen wir uns richten", erklärt Hesse. Zu seinen Kunden zählen Menschen mit verschiedenen Krankheitsbildern: Sie sind von Geburt an behindert, entwickelten eine Lähmung im Laufe des Lebens oder aber sie sitzen durch einen Unfall im Rollstuhl, was das Hauptfeld darstellt, wie Hesse sagt. Mit jedem neuen Kunden muss sich der 62-Jährige deshalb genau beschäftigen.

Neben einem ärztlichen Gutachten benötigt er auch eines von der Dekra. "Die Dekra bestimmt, mit welchen Auflagen eine Person noch Autofahren darf. Dieses Gutachten ist für uns der Bauplan und die Voraussetzung dafür, was gemacht werden muss", beschreibt Hesse. Da die Bauteile aber normiert sind, jeder Kunde aber unterschiedliche Anforderungen hat, folgt dann die Feinarbeit, das Herstellen von spezifischen Teilen und danach die Anpassung an das Fahrzeug. Bis zu einem Vierteljahr kann ein Umbau deshalb dauern. Damit sich auch der Kunde an sein neues Fahrzeug gewöhnen kann, besitzt die Firma ein Fahrschulauto, das individuell umgebaut werden kann und für Probefahrten bereit steht. "Wem durch Diabetes das rechte Bein amputiert werden muss, der benötigt eben ein Pedal für Linksgas. Diese Umstellung muss geübt werden", so der 62-Jährige. Deshalb arbeitet er mit drei Fahrschulen zusammen, die Übungsfahrten anbieten.

Zu den meisten seiner Kunden hat Hesse ein besonderes Verhältnis entwickelt, nennt ihre Vornamen, wenn er von ihnen spricht. An eine junge Frau im Rollstuhl, deren Auto er als erstes umbaute, erinnert er sich besonders: "Eines Abends rief sie mich an und erzählte, sie sei das erste Mal ohne fremde Hilfe, ohne ihren Vater, in der Disco und bedankte sich. Dieses Gefühl ist das größte." So wird er sich wohl auch gefühlt haben, als ein Berufskraftfahrer dank Hesses Arbeit wieder seinen Beruf ausüben konnte und erklärte: "Jetzt bin ich wieder ein Mensch."

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