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Jeronimo: "In Dresden habe ich einfach viel mehr Lebensqualität"

Jeronimo: "In Dresden habe ich einfach viel mehr Lebensqualität"

Jeronimo ist Sprachdozent für Portugiesisch an der TU Dresden. Der 32-jährige kam vor rund eineinhalb Jahren mit all seinen Ersparnissen und ohne staatliche Förderung von São Paulo nach Dresden.

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Jeronimo stammt aus einer Favela in Sao Paulo. Mit all seinen Ersparnissen kam er nach Dresden, um als Portugiesisch-Lehrer an der Universität zu arbeiten.

Quelle: Carola Fritzsche

Von 2005 bis 2008 studierte Jeronimo an der Universidade Estadual Paulista in São Paulo Portugiesische Sprach- und Literaturwissenschaften sowie Germanistik. Nach seinem Studium arbeitete er als Lehrer an einer staatlichen Schule in einer Favela. Jeronimo selbst wuchs in einem solchen Armenviertel auf und weiß, wie wichtig es ist, den Kindern dort eine Perspektive zu bieten. "Als Lehrer bin ich wie ein Politiker. Die Kinder hören auf mich, wenn ich sie überzeugen kann und dann kann ich auch etwas in ihrem Leben verändern.", so Jeronimo. "In den Favelas gibt es keine Kultur. Dort gibt es keine Literatur oder Theater. Im Unterbewusstsein der Leute baut sich ein enormer Hass gegenüber dem Staat und der gesellschaftlichen Struktur auf." Brasilien ist ein Land der krassen Gegensätze, die Kluft zwischen Arm und Reich ist massiv.

"In Brasilien spielt Religion eine große Rolle, viel mehr als hier in Deutschland. Die Leute werden einer Gehirnwäsche unterzogen, dort wird mehr über den Teufel geredet als über Gott.", erklärt der 32-jährige.

Jeronimo und andere Dresdner Brasilianer wollen in naher Zukunft, wenn sie noch mehr Mitglieder finden, einen Bürgerrat für Brasilianer in Dresden gründen. Dieser soll als eine Art Anlaufstelle dienen. Brasilianische Familien sowie Studenten wird geholfen, Behördengänge zu meistern oder eine Wohnung zu finden. Zudem möchte er mit Hilfe anderer Brasilianer eine Gruppe für zweisprachig erzogene Kinder Deutsch-brasilianischer Eltern gründen.

Neben seinem Beruf als Lehrer arbeitet Jeronimo als Küchenhilfe im Raskolnikoff in der Neustadt. Sein Ziel ist es, Deutsch als Fremdsprache im Master in Leipzig zu studieren und wenn möglich, im gleichen Fach danach seinen Doktor zu machen.

Irgendwann möchte er wieder zurück in seine Heimat und dort als Deutschlehrer arbeiten.

Auf die Frage, was er an Dresden besonders schätzt, antwortet er: "Ich habe in Brasilien soviel Sch... erlebt, aber irgendwie habe ich es geschafft. Nun bin ich hier. Ich habe hier so viel mehr Lebensqualität. Ich kann an der Elbe spazieren gehen, ins Theater gehen und Kultur genießen, wann immer ich will."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.06.2014

Juliane Weigt

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