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Jeder Zweite Dresdner gegen den Bau einer Moschee in der Stadt

DNN-Barometer Jeder Zweite Dresdner gegen den Bau einer Moschee in der Stadt

46 Prozent der Dresdner sprechen sich gegen Moschee-Bauten in der Stadt aus, nur 31 Prozent wären „grundsätzlich für den Bau einer Moschee“. Fast jedem vierten Befragten ist es egal. Das geht aus dem DNN-Barometer hervor, für das 506 Dresdner vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU repräsentativ befragt worden sind.

Gläubige Muslime beten im Gebetsraum eine Moschee.

Quelle: dpa

Dresden.  Die Dresdner Yenidze ist ein Wahrzeichen der Stadt. Vor reichlich 100 Jahren ließ sie Hugo Zietz im Stile einer Moschee errichten. Er war Eigentümer der Tabak- und Cigarettenfabrik, die ebenfalls Yenidze hieß. Sie war nach der Herkunftsregion des Tabaks benannt, einem Gebiet im nördlichen Teil des heutigen Griechenlands. 1908/09 gehörte es noch zum Osmanischen Reich. Die „Tabakmoschee“ stieß bei den Dresdnern wohl lange Zeit auf wenig Begeisterung. Dabei war sie nie ein Gotteshaus, das Minarett ist ein Schornstein. Es war wohl das Neue, das Fremde, das den Menschen missfiel. Herausfordernd hässlich soll die Yenidze damals gewirkt haben. Heute ist sie Heimat für Büros und Gastronomie und mit ihrer leuchtenden Kuppel beliebtes Fotomotiv.

Moscheen haben es in Dresden aber immer noch schwer. 46 Prozent der Dresdner sprechen sich klar dagegen aus, nur 31 Prozent wären „grundsätzlich für den Bau einer Moschee“. Fast jedem vierten Befragten ist es egal. Das sind die Zahlen aus dem DNN-Barometer, für das im Juni vom Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden repräsentativ 506 Dresdner befragt worden sind. Bislang gibt es drei Moscheen in Dresden. Während Zietz vor 100 Jahren in exponierter Lage in der Stadtsilhouette sein Fabrikgebäude im orientalischen Bau verstecken wollte, ist es heute eher anders herum. Äußerlich sind die Moscheen kaum zu erkennen, sie stecken meist in schlichten Bauten, die den wenigen Muslimen in Dresden als Gebetsstätte und Gemeindezentrum dienen. Auf etwa 3000 Menschen sei die Zahl der Moslems in der sächsischen Landeshauptstadt vom Islamischen Zentrum Dresden vor einem Jahr geschätzt worden, teilte die Stadtverwaltung auf Anfrage mit. Aktuellere Zahlen gibt es nicht. Selbst wenn es durch die Flüchtlingszuwanderung mehr geworden sind, dürfte ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung (rund 550 000 Einwohner) nicht viel größter als ein Prozent sein. Mehr als 100 000 Menschen bekennen sich in Dresden zu ihrer evangelischen oder katholischen Konfession – aber auch das ist nicht einmal jeder fünfte Dresdner.

Vor einem Viertel Jahr hieß es, eine muslimische Gemeinde würde in Dresden eine traditionelle Moschee errichten wollen. Bei der Stadtverwaltung ist bislang aber niemand vorstellig geworden. „Weder die Ahmadiyya Muslim Jamaat Gemeinde noch andere muslimische Gemeinden haben aktuell Anfragen gestellt oder Informationen für den Bau einer Moschee vorgelegt“, teilte die Stadtverwaltung auf DNN-Anfrage mit.

Aus einer weiteren Frage im DNN-Barometer lässt sich erkennen, dass es den Gegnern des Moscheebaus wohl nicht um Architekturkritik geht. Je zur Hälfte wurden die Befragten mit bekannten Aussagen zum Islam konfrontiert. Da ist die Aussage des früheren Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU) „Der Islam gehört zu Deutschland“. Er löste nach der Rede des Staatsoberhauptes 2010 zum Tag der Deutschen Einheit heftige Diskussionen aus, vor allem bei den Christdemokraten. Dabei war der Satz nicht einmal neu. Vier Jahre zuvor hatte ihn schon der damalige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (beide CDU) zum Besten gegeben, der sich heute als Bundesfinanzminister noch immer bester Reputation erfreut.

62 Prozent der Dresdner widersprechen Wulff ganz klar: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, sagen sie. Lediglich 22 Prozent sind gegenteiliger Meinung. Das korrespondiert ziemlich exakt mit den Angaben zu einer weiteren Politiker-Aussage: Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich hatte Anfang 2015 zur Hoch-Zeit der Pegida-Demonstrationen erklärt, Muslime seien in Deutschland willkommen und könnten ihre Religion hier ausüben. „Das bedeutet aber nicht, dass der Islam zu Sachsen gehört.“ 23 Prozent der Dresdner widersprechen dem CDU-Politiker da, 64 Prozent und damit fast zwei Drittel sehen es jedoch ganz genauso wie Tillich. Hugo Zietz hätte es heute wohl nicht gerade leichter.

Von Ingolf Pleil

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