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Investorin Töberich lehnt Werkstattverfahren für "Marina Garden" ab

Stadtpolitik begrüßt Entwurf Investorin Töberich lehnt Werkstattverfahren für "Marina Garden" ab

Lösung noch nicht in Sicht: Auch nach Abschluss des Werkstattverfahrens für "Marina Garden" ist die Zukunft des Areals noch ungewiss. Grundsätzlich könnte die Investorin den Bau in Angriff nehmen. Sie will sich das Projekt aber nicht vorschreiben lassen.

Der Entwurf des Büros Barcode Architects/Lola Landscape Architects wird vielfach gelobt, über die Chancen auf eine Realisierung gehen die Ansichten aber auseinander.

Quelle: Büro Barcode/Lola Landscape Architects

Dresden. Lösung noch nicht in Sicht: Auch nach Abschluss des Werkstattverfahrens für "Marina Garden" ist die Zukunft des Areals noch ungewiss. Grundsätzlich könnte die Investorin den Bau in Angriff nehmen. Sie will sich das Projekt aber nicht vorschreiben lassen. "Ich bin nach wie vor fassungslos, mit welcher Unverfrorenheit Rot-Rot-Grün und die Verwaltung agieren", kommentiert Dresden Bau-Chefin Regine Töberich das Ergebnis des Werkstattverfahrens mit einem Siegerentwurf aus Rotterdam, über den die DNN berichtet hatten. Gegen die Stadt laufe bekanntlich eine Amtshaftungsklage in Millionenhöhe, "weil unsere Bauvoranfrage positiv zu beantworten gewesen wäre, aber monatelang liegen gelassen wurde, bis am 7. April eine Veränderungssperre erlassen wurde". Diese Klage werde sie nicht aufgeben, sondern "gewinnen", erklärte Töberich.

Laut Gutachtergremium wird der Entwurf des Büros Barcode Architects/Lola Landscape Architects "der gestellten Aufgabe zur Entwicklung eines gemischt genutzten, lebendigen Quartiers am weitesten gerecht", erläuterte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) den Abschluss des Werkstattverfahrens für das "Elbviertel am Alexander-Puschkin-Platz", wie das Projekt mittlerweile genannt wird. Der Entwurf lasse ein vielfältiges Nutzungspotenzial und eine hohe Aufenthaltsqualität für die künftigen Nutzer - Bewohner, Kreative, Kleingewerbetreibende und Besucher gleichermaßen - erwarten. Planungsstand und Werkstattverfahren würden Anfang 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt. Wenn der Stadtrat später den Bebauungsplan mit seinen Festsetzungen beschließt, sind sie für die Bauherren verbindlich. "Zwei der drei Privateigentümer haben sich aktiv in den Planungsprozess eingebracht und als Diskussionspartner wichtige Hinweise gegeben", sagte Schmidt-Lamontain.

Der Siegerentwurf "Elbviertel am Alexander-Puschkin-Platz".

Darstellung des siegreichen Entwurfs für das "Elbviertel am Alexander-Puschkin-Platz". Quelle: Büro Barcode/Lola Landscape Architects

Regine Töberich lehnte eine Beteiligung ab. Sie erneuerte gestern ihre Kritik am von der Stadt geforderten Flutschutz. Quintessenz: Entgegen den Behauptungen der Stadt habe das Hochwasser von 2013 kein höheres Bedrohungspotenzial zutage gebracht. Außerdem kann nach Töberichs Darstellung "eine sozio-kulturelle Nutzung auf einem privaten Grundstück nicht vorgeschrieben werden, ebenso wenig eine öffentliche Grünanlage". Stadtratsmehrheit und Verwaltung würden aber "stur an dem Verfahren festhalten, in dem Wissen, dass es nie umgesetzt werden kann und wird, sondern das lediglich Steuergelder verschwendet werden". Der Entwurf aus Rotterdam passt dagegen die Bebauung an eine größere Hochwassergefahr an, die Gebäude sind von der Elbe weiter entfernt. Das soll nun in den Bebauungsplan einfließen, den der Stadtrat dann beschließen müsste, damit Baurecht entsteht. "Die Veränderungssperre gilt bis Mai 2017", sagte der Baubürgermeister. Sie soll sicherstellen, dass die planerischen Ziele der Stadt nicht zwischenzeitlich unterlaufen werden und könnte vom Stadtrat um ein Jahr verlängert werden.

Thomas Löser von den Grünen begrüßte das Ergebnis des Werkstattverfahrens als "sehr gelungenen Entwurf", der viel intelligenter mit dem Gebiet umgehe, als das Projekt "Marina Garden", das ihn an "Stalin-Barock" erinnere. Wenn Frau Töberich wirklich bauen wolle, könnte sie es nach dem Rotterdamer Entwurf auch tun. Die annähernd gleiche Bruttogeschossfläche zeige, dass damit nichts "investorenfeindlich verengt" werde.

Auch Linken-Fraktionschef André Schollbach bezeichnete das Werkstattverfahren als "richtige Entscheidung", dessen Ergebnis nun zu prüfen sei. "Eine seriöse Einschätzung zur weiteren Entwicklung dieses Gebietes hängt von den Hochwasserlinien ab, die uns jedoch bislang nicht vorliegen", fügte er hinzu.

Mit dem Werkstattverfahren liege ein wirtschaftliches, stadtteilverträgliches und interessantes Konzept für eine Bebauung vor, erklärte Hendrik Stalmann-Fischer. Ob Töberich das Grundstück noch selbst entwickelt oder es weiterverkauft, sei ihre Entscheidung. "Wir würden uns freuen, wenn man nicht in den Kämpfen der Vergangenheit hängen bleibt, sondern eine Realisierung auf Grundlage des Bebauungsplans unterstützt", so der SPD-Stadtrat.

Kritisch äußerte sich der baupolitische Sprecher der FDP/FB-Fraktion Franz-Josef Fischer: "So schön der Entwurf der Architekten aus Rotterdam auch ist, und der ist wirklich sehr gelungen und durchdacht", das Ergebnis des Werkstattverfahrens sei trotzdem nur bedingt relevant. Solange Investoren aufgrund des rot-rot-grünen Machtgerangels im Stadtrat Knüppel zwischen die Beine geworfen werden, werde "in der Leipziger Vorstadt auf unabsehbare Zeit keine einzige Wohnung gebaut". Rot-Rot-Grün trete investorenfeindlich auf und habe jahrelange und kostenintensive Planungen über Bord geworfen.

Ingolf Pleil

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