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Investor will Advanta-Riegel am Dresdner Zwinger mit 45 Millionen Euro neues Leben einhauchen

Investor will Advanta-Riegel am Dresdner Zwinger mit 45 Millionen Euro neues Leben einhauchen

"Wir sind ein Experte für hoffnungslose Fälle", erklärt Thomas Scherer, Geschäftsführer der denkmalneu GmbH mit Sitz in Bad Heilbrunn (Bayern).

Die Immobilien, die sein Unternehmen saniert und vermarktet, suche ein Mitarbeiter mit Spezialauftrag aus. "Er fährt mit dem Taxi durch eine Stadt und bittet den Fahrer, ihm alle leerstehenden Gebäude zu zeigen." Das kostet zwar rund 100 Euro, bringt das Unternehmen aber voran. "Es gibt viele Immobilien zu kaufen. Doch es gibt nur wenige, mit denen man ein Geschäft machen kann", sagt Scherer.

Im April 2014 klingelte das Handy des Geschäftsführers. Der Taxifahrer hatte den Mitarbeiter vor dem Advanta-Riegel gegenüber vom Zwinger abgesetzt. "Er stand auf der fantastischen Terrasse und sagte nur, dass ich mir das unbedingt ansehen müsse." Ein Blick habe gereicht, um den Daumen zu heben, erklärte Scherer. "Wir kaufen das Gebäude", habe er ohne große Bedenkzeit entschieden. Auch wenn der Rundgang durch den weitgehend leerstehenden Riegel schon etwas gespenstisch anmutete. "Da lagen an einigen Stellen tote Tauben herum", erinnert sich denkmalneu-Sprecherin Anna Roderus.

Am 1999 erbauten Advanta-Riegel haben sich schon mehrere Besitzer die Zähne ausgebissen. Erst war das Haus am Zwinger ein reines Bürogebäude, dann sollte es zum Hotel umgebaut werden. Vollendet wurden die Pläne nie. In einigen Etagen pfeift der Wind durch notdürftig zugenagelte Fensteröffnungen. Irgendjemand hat hunderte Lampen in der fünften Etage abgelegt, daneben lagern Badarmaturen. Im Fußboden klaffen tiefe Risse.

"Wir kümmern uns sonst um Objekte, die in einem noch schlimmeren Zustand sind", meint Scherer gelassen und betont die Potenziale, die in dem Gebäude schlummern: "Es befindet sich in bester Innenstadtlage. Mit dem richtigen Konzept kann es perfekt funktionieren." Eine Mischung aus Wohnen, Geschäften und Büros schwebt ihm vor. In der Spitze zum Zwinger soll im Erdgeschoss ein Gastronom ein Restaurant betreiben und gleichzeitig die Terrasse mit Zwingerblick bewirtschaften.

Für Wohnen und Büros lässt sich Scherer alle Optionen offen. 107 Apartments mit einer Größe von 26 bis 62 Quadratmetern sollen entstehen. Die Mieter können langfristige Verträge abschließen, die Wohnungen aber auch nur ein halbes oder ganzes Jahr nutzen. Oder nur wenige Tage. Möbliert werden sollen die Apartments von einem Ausstatter, der in der Ladenzeile des Advanta-Riegels ein Geschäft mietet. "Synergien ausnutzen" nennt Scherer sein Konzept, das das benachbarte Taschenbergpalais mit einbezieht. So sollen die Mieter der Wohnungen den Komfort des Hotels nutzen können. "Sie erhalten eine Karte und können ihre Wäsche waschen oder die Wohnung sauber machen lassen. Dafür müssen sie natürlich bezahlen."

In den Geschäften sollen nicht wahllos Anbieter untergebracht werden, so der Geschäftsführer. "Es muss zu uns passen." Ein Biodiscounter stehe ganz oben auf der Wunschliste, aber auch mit einer Fotogaleriekette werde verhandelt. "Ihr könnten wir Ausstellungsflächen im gesamten Gebäude anbieten", erklärt Scherer seine Vorstellungen. Ganz bestimmt passe der irische Pub "Shamrock" nicht ins Konzept. "Wir haben den Mietvertrag gekündigt." Grund seien die Raucher, die nachts außerhalb der Gaststube ihrem Laster frönen. "Das ist lärmintensiv und eine Zumutung für die Gäste des Kempinksi."

Rund 45 Millionen Euro will die denkmalneu GmbH in den Advanta-Riegel investieren. Problematisch sei der Umbau, der im April mit Abrissarbeiten beginnen soll, eigentlich nicht, sagt Scherer. Versorgungskanäle für Heizung, Sanitär und Elektro seien vorhanden. Zum Innenhof hin sollen Balkons angebracht werden. "Wir haben alle unseren Ideen mit dem Architekten Heinz Tesar abgestimmt", betont der Geschäftsführer.

Nicht nur das Gebäude selbst, sondern auch das Umfeld soll umgestaltet werden. "Wir werden den Innenhof mit Licht und Kunst zum Leben erwecken. Wir wollen die Isolation auflösen, in der sich das Gebäude befindet." Die Läden sollen schon zum Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr öffnen. Die Wohnungen und Büros könnten im ersten Quartal 2016 an ihre Nutzer übergeben werden, plant Scherer.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 29.01.2015

Thomas Baumann-Hartwig

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