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Interview mit Prof. Jabusch vom Institut für Musikermedizin

Interview mit Prof. Jabusch vom Institut für Musikermedizin

Schmerzen, Hörprobleme oder Angstzustände vor dem Konzert: Viele Musiker leiden unter Berufskrankheiten, machen daraus aber meist ein Geheimnis. Experten wie der Dresdner Professor Hans-Christian Jabusch sehen darin ein gesellschaftliches Problem und verlangen mehr Offenheit und Akzeptanz.

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Prof. Jabusch

Quelle: dpa

„Es gibt viele Analogien zwischen Sport- und Musikermedizin, aber einen großen Unterschied: Die eine heroisiert, die andere tabuisiert", sagte der 46 Jahre alte Mediziner und Pianist im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Wenn ein Boris Becker sich am Knie verletze oder Michael Ballack zur „Wade der Nation" avanciere, fiebere ein ganzes Volk mit. Ein erkrankter Musiker hingegen behalte sein Leiden lieber für sich und wolle in der Arztpraxis eher unerkannt bleiben. Als Grund für das Dilemma sieht Jabusch neben steigendem Konkurrenzdruck auch die stark wachsenden Ansprüche des Publikums. Die Gesellschaft sei fokussiert auf „Höher, Schneller, Weiter". Aber damit komme man in der Musik nicht voran. „Wir müssen feststellen, dass wir beim Musizieren an den Grenzen der menschlichen Physiologie angekommen sind." Musiker müssten beispielsweise in der Oper über Stunden ein Höchstmaß an Präzision beibehalten.

„Hier geht es um Millisekunden und Zehntelmillimeter. Bei einem Musiker kann schon eine sehr geringe gesundheitliche Störung zu einer sehr deutlichen Beeinträchtigung des Spiels führen", erläuterte der Professor. Deshalb gelte es mit Hilfe eines wissenschaftlichen Instrumentariums möglichst frühzeitig eine wirksame Prävention zu ermöglichen.

Als Leiter des Dresdner Institutes für Musikermedizin betreut Jabusch Betroffene auch ambulant. In den häufigsten Fällen würden sich Musiker mit akuten oder chronischen Schmerzen als Folge einer Überbelastung melden. Eine besondere Herausforderung seien die sogenannten Musikerdystonien. Hier führen Veränderungen in bestimmten Hirnarealen zum Kontrollverlust bei Bewegungen, die Jahrzehnte geübt wurden und viel Präzision verlangen. Als prominentes Beispiel gilt der Komponist Robert Schumann (1810-1856), dem schon relativ früh sein rechter Mittelfinger nicht mehr gehorchte und der deshalb auf die ersehnte Pianistenlaufbahn verzichten musste. Jabusch zufolge sind die Ursachen solcher fokalen Dystonien noch nicht geklärt. Männer seien viel häufiger betroffen als Frauen. Auch Vererbung spiele eine Rolle.

„Es gibt auch psychologische Probleme. Sehr viele Studenten kommen mit Auftrittsangst, Lampenfieber, zu uns", berichtete der Professor. In Gesprächen und auch in Vorlesungen versuche er klarzumachen, dass Angst ein grundsätzlich positiver Schutzmechanismus sei. Im besagten Fall könne sie als übersteigerte Angst dem Künstler aber schaden. „Es gibt eine Form von Anspannung, die für einige sogar leistungsfördernd wirkt. Wenn ein solches Optimum aber überschritten wird, kann das kippen und bis hin zum Blackout führen." Jabusch nennt Symptome wie schnellere Herzfrequenz und Atmung, steigenden Blutdruck und Schweißausbrüche. „Der Körper will fliehen. Das ging dem Urmenschen nicht anders, als er vor einem Raubtier stand." Aber auch Lampenfieber sei mit gezieltem Training zu überwinden.

Hörschäden bei Musikern können als Berufskrankheit anerkannt werden, EU-Normen sollen für Schutz sorgen. „Wir raten Musikern dringend, einen individuell angepassten Hörschutz zu tragen", sagte Jabusch. Messungen hätten ergeben, dass im 4. Satz von Rachmaninows 2. Sinfonie eine Lautstärke von 128 Dezibel erreicht werde - schon 85 Dezibel gelten über einen längeren Zeitraum als Gesundheitsrisiko. Die Fachleute raten zu Ruhepausen und möglichst großer Entfernung zu den Schallquellen - auch wenn das beim Orchester nur bedingt möglich ist.

Jabusch zufolge versucht die Musikphysiologie, effiziente Strategien für das Üben mit dem Instrument zu entwickeln. Hightech-Gerät hilft dabei, Abläufe zu optimieren und eine „Spielökonomie" zu erreichen. „Wir können mit Drucksensoren feststellen, mit welcher Kraft die Klappe der Klarinette gedrückt wird", brachte Jabusch ein Beispiel. „Es wird sehr viel geübt. Bei manchen steht der Zeitaufwand aber in keinem Verhältnis zum Ergebnis", betonte der Wissenschaftler. Deshalb versuche man genau wie beim Sport, mit „mentalem Training" - der gedanklichen Simulation eines Vorganges - und anderen Übe-Strategien effektiver zu werden.

dpa

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