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Interview mit Jörg Schmidt, neuer Leiter des BSZ für Bau und Technik

Führungswechsel in Dresden Interview mit Jörg Schmidt, neuer Leiter des BSZ für Bau und Technik

Jörg Schmidt gehört zu den sieben Pädagogen, die im August die Leitung einer Dresdner Schule übernommen haben. Für ihn ist der Job am Beruflichen Schulzentrum für Bau und Technik am Güntzplatz mit mehr als 1000 Schülern allerdings nicht wirklich neu. Im Gespräch mit den DNN erklärt der 58-Jährige warum und auch, was er anders machen würde, wenn er Kultusminister wäre.

„Ich bin nicht der, der sagt, die jungen Leute von heute, die taugen nichts mehr“, meint Jörg Schmidt, neuer Leiter des BSZ für Bau und Technik.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Jörg Schmidt gehört zu den sieben Pädagogen, die im August die Leitung einer Dresdner Schule übernommen haben. Für ihn ist der Job am Beruflichen Schulzentrum für Bau und Technik am Güntzplatz mit mehr als 1000 Schülern allerdings nicht wirklich neu. Im Gespräch mit den DNN erklärt der 58-Jährige warum und auch, was er anders machen würde, wenn er Kultusminister wäre.

Wie wird man Leiter eines Beruflichen Schulzentrums mit über 1000 Schülern?

Ich stamme aus Dippoldiswalde und wohne noch immer dort. Erst habe ich das Abi gemacht, anschließend Berufskraftfahrer gelernt, dann an der TU Dresden, Sektion Berufspädagogik, Fachrichtung Bautechnik, studiert. Nach der Wende bin ich zunächst Stellvertreter am BSZ in Dipps gewesen, habe die Schule von 2006 bis ’11 geleitet, bin dann nach Dresden ans BSZ für Bau und Technik gewechselt, war hier erst Stellvertreter und bin nun seit August Schulleiter.

Sie fahren also jeden Tag von Dipps nach Dresden und wieder zurück?

Ja, ich brauche eine dreiviertel Stunde bis hierher. Aber sehen Sie, ich bin ein Landkind und seit der ersten Klasse mit dem Bus gefahren. Kein Problem also.

Welche Ausbildungsberufe sind am BSZ für Bau und Technik besonders begehrt, wo gibt es noch freie Plätze?

Begehrt ist der Beruf des Augenoptikers, da können wir jedes Jahr zwei Klassen aufmachen. Auch Vermessungstechniker wollen junge Leute häufig werden. An Interessenten für die typischen Bauberufe, also Straßenbauer, Beton- und Stahlbetonbauer, mangelt es hingegen seit einiger Zeit. Dafür gibt es mehrere Gründe: Zum einen haben Bauberufe immer diesen saisonalen Charakter, zum anderen arbeiten Bauleute fast immer im Freien, und körperlich schwer ist der Job auch. Das kann man nicht ewig machen.

Also hat die Schule am Güntzplatz noch Platz?

Nicht wirklich. Im Moment haben wir Schüler aus dem BSZ für Dienstleistung und Gestaltung bei uns im Haus, weil ihre Schule auch für Grundschüler gebraucht wird. Außerdem machen wir ein zweites Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) für junge Leute ohne Schulabschluss und gleich vier DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) auf – eine davon mit Flüchtlingen, die auch in ihrer Heimat kaum eine Schule von innen gesehen haben. Da wird’s räumlich gesehen schon wieder eng. Und unsere Sporthalle nutzen Schüler der 107. Oberschule und die Diakonissenanstalt mit.

Geht es geordnet zu in den DaZ-Klassen?

Sagen wir mal so: Es ist erst mal schwierig, die Flüchtlinge zu erfassen und zuzuordnen. Wir haben Minderjährige aus Afghanistan, Syrien, Pakistan, Somalia, aus dem Irak und dem Sudan, darunter auch Mädchen. Viele geben als Geburtsdatum den 1.1.1999 oder den 1.1.2000 an. Wenn die jungen Migranten aber erst mal da sind, wir’s besser. Wir haben eine gewisse Ordnung hineingebracht. Es gibt einen Stundenplan. Und wir haben speziell ausgebildete Lehrkräfte. Eine Kollegin spricht sogar arabisch. Das ist ein großes Glück.

Können die jungen Flüchtlinge problemlos in Lehrlingsklassen wechseln, wenn sie binnen eines Jahres Deutsch gelernt haben?

Die meisten geben sich zwar große Mühe. Es reicht aber nicht, die Sprache so recht und schlecht zu beherrschen. Wir müssen etwas tun, damit möglichst viele dieser jungen Leute einen Schulabschluss machen können. Eine Möglichkeit ist, ein Berufsvorbereitungsjahr speziell für jugendliche Flüchtlinge einzurichten. Im Moment bauen wir ein bisschen Mathe, ein paar Informationen über Land und Leute und ein Stündchen Sport in den Deutschunterricht mit ein. Wir haben im vergangenen Jahr einige Jugendliche probeweise in Lehrlingsklassen gegeben, um zu schauen, wie sie mitkommen. Das Problem war, dass sie die Fachsprache oft nicht verstanden haben.

Was ist mit den einheimischen Lehrlingen? Gibt es Abbrecher?

Ja, gibt es. Aber das sind verschwindend wenige.

Vermissen Sie manchmal Tugenden wie Höflichkeit und Pünktlichkeit?

Zunächst: Ich bin nicht der, der sagt: Die jungen Leute von heute, die taugen nichts mehr. Wir hatten damals lange Haare, das können Sie sich nicht vorstellen. Was sind wir gescholten worden. Trotzdem haben wir unsere Mähnen eisern weitergetragen. Grüne Haare und Piercings stören mich nicht. Auf Pünktlichkeit achten wir aber schon recht konsequent. Wer zu spät kommt, muss klopfen und an der Tür warten, bis er in den Unterricht geholt wird. Steht auch in der Hausordnung.

Gesetzt den Fall, Sie wären Kultusminister. Was würden Sie anders machen?

Ich würde den Beruflichen Schulzentren einen höheren Stellenwert einräumen, als sie jetzt haben. Sie müssen bedenken, dass unsere Schüler zwischen 15 und 40 Jahre alt sind. Das ist eine enorme Herausforderung für die Lehrer. Wir bräuchten ein Budget, um differenziertere Angebote machen zu können.

Haben Sie genügend Pädagogen?

Im Moment ja. Wir haben einige jüngere Lehrer dazubekommen. Die tragende Säule aber machen noch immer Kollegen aus, die in den 1950er Jahren geboren sind. Gemeinsam mit mir gehen allein vier Fachleiter in Rente, so dass mit einem Mal die gesamte Führungsriege wegfällt.

Unterrichten auch Seiteneinsteiger am BSZ?

Ja, ein junger Mann, der die künftigen Vermessungstechniker unterrichtet. Er ist selbst Diplomingenieur für Vermessungstechnik und hat auch an einer Hochschule schon gearbeitet. Ich glaube, da haben wir einen guten Fang gemacht.

Wie beschreiben Sie Ihren Führungsstil?

Ich bin kommunikativ und dafür, dass man in der Gemeinschaft zu Ergebnissen kommt. Aber ich weiß auch, dass man Entscheidungen treffen muss. Und das mache ich dann auch sehr schnell. Viele Leute haben viele Wünsche. Und nicht immer lässt sich vermitteln.

Unterrichten Sie noch?

Im Moment gebe ich Berufs- und Arbeitspädagogik an der Fachschule, habe aber auch schon im BVJ unterrichtet.

Was ist Ihre Lebensmaxime?

Ich erinnere mich an einen Spruch meines Vaters. Allemal und überhaupt kommt es anders, als man glaubt. Da ist was dran. Es ist nichts statisch. Wenn ich eins gelernt habe in den letzten Jahren, dann das.

BSZ für Bau und Technik, Güntzstraße 3, Tel.: 0351 / 44 72 90; www.bsz-bau-und-technik.de; 26. November: Tag der offenen Tür an der Fachoberschule; 4. März 2017: Tag der offenen Tür an der Fachoberschule, Fachschule und Berufsschule; 20.-22. Januar 2017: Messe Karriere-Start, Halle 4, Stand F 5

Von Katrin Richter

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