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Interview mit Joachim Klose von der AG 13. Februar zum Gedenken 2016

Menschenkette als Symbol Interview mit Joachim Klose von der AG 13. Februar zum Gedenken 2016

Die Arbeitsgruppe "13. Februar" bereitet die Aktivitäten zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg vor. Die Menschenkette ist dabei ein ganz wichtiges Symbol, bekräftigt Joachim Klose. Klose leitet die städtische Arbeitsgruppe 13. Februar.

Auch 2016 soll es wieder eine Menschenkette geben.

Quelle: dpa

Dresden. Die Arbeitsgruppe "13. Februar" bereitet die Aktivitäten zum Gedenken an die Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg vor. Die Menschenkette ist dabei ein ganz wichtiges Symbol, bekräftigt Joachim Klose im DNN-Gespräch. Klose ist Landesbeauftragter der Konrad-Adenauer-Stiftung für Sachsen und leitet die städtische Arbeitsgruppe 13. Februar.

Frage: Flüchtlingskrise und Pegida-Aufmärsche - haben wir überhaupt noch Zeit für den 13. Februar?

Joachim Klose: Das Gedenken ist dringender und notwendiger denn je. Wir müssen mit den Erfahrungen der Vergangenheit die Zukunft gestalten. Der 13. Februar weist in die Zukunft, denn er zeigt, was uns prägt und was uns eint. Hinter die Erfahrungen des 13. Februar 1945 wollen wir nicht mehr zurückgehen, er ist Ausgangspunkt unseres gesellschaftlichen Handelns.

Es wird wieder eine Menschenkette geben?

Wir werden wieder mit einem Aufruf zur Menschenkette starten. Er soll für etwas stehen, das unseren Konsens zum Ausdruck bringt. Die Menschenkette steht nicht gegen etwas, sie grenzt nicht aus, sondern sie verbindet. Es geht um unsere Gesellschaft, um gesellschaftlichen Zusammenhalt. Das ist immanent wichtig. Deshalb werben wir für die Menschenkette und laden die Dresdner dazu ein.

Warum ist die Botschaft des 13. Februar für Sie so aktuell?

Der 13. Februar zeigt, was passieren kann, wenn Menschen einer Ideologie hinterherlaufen und falsche Vorbilder haben. Die Konsequenz war die Zerstörung unserer Stadt, unseres Gemeinwesens. Der 13. Februar hat aber auch ganz viel mit dem Leid zu tun, das den Menschen zugefügt wurde. Wir Deutschen haben Leid über die Welt gebracht und dafür einen hohen Preis gezahlt. Der 13. Februar fordert uns dazu auf, das Leiden des anderen zu sehen und darauf zu reagieren.

Befürchten Sie nicht angesichts der vielen Aufmärsche und Protestkundgebungen, dass die Dresdner demonstrationsmüde werden?

Wir dürfen die Menschenkette nicht in die Kontinuität von Pegida und den Protesten dagegen stellen. Die Menschenkette profiliert sich nicht am Rechtsextremismus. Sie verweist auf eine Tiefenschicht unseres Gemeinwesens und eröffnet eine ganz andere Perspektive. Sie ist nicht aggressiv und nicht ausgrenzend, sondern friedfertig und einladend.

In diesem Jahr zum 70. Jahrestag hat die Welt auf Dresden geschaut. Fehlt dem 71. Jahrestag nicht etwas das Besondere?

Uns geht es um Kontinuität und nicht um runde Jahrestage. Mit unserer Haltung am 13. Februar wird ein wichtiger Resonanzraum unserer Gesellschaft sichtbar. Es ist nicht der Tag der Gestrigen und Ängstlichen und derer, die die friedliche Revolution von 1989 als Verlust erlebt haben.

Sind die drei Personengruppen, die Sie genannt haben, die typischen Pegida-Demonstranten?

Pegida lebt von ausgrenzenden Begriffen, die eine Gesellschaft kaputt machen können: Angst, Neid, Vorbehalte. Wenn wir kein Vertrauen haben, können wir die Gesellschaft nicht gestalten. Angst muss man überwinden und Neid abmildern, indem man den Menschen zeigt, dass es ihnen nicht schlechter gehen wird und sie die Chance haben, sich zu entwickeln. Vorbehalten gegenüber Asylbewerbern kann man nur begegnen, indem man sie aus ihrer Anonymität herausholt. Wir werden diese Aufgabe nur bewältigen, wenn wir aufeinander zugehen und das Leid des anderen ernst nehmen. Jetzt suchen Tausende Menschen, denen Leid zugefügt wurde, bei uns Schutz. Das ist die Brücke zum 13. Februar. Wenn wir über unser Leid reflektieren, sehen wir die Flüchtlingsproblematik aus einem anderen Blickwinkel.

Welches Signal soll von der Menschenkette ausgehen?

Wir wollen zeigen, dass es in Dresden viele Menschen gibt, die sich um den gesellschaftlichen Zusammenhalt sorgen. Die Menschenkette steht für ein friedfertiges, offenes, demokratisches Gemeinwesen. Wir brauchen Orte und Ereignisse, an denen wir diese Haltung über das Tagesgeschäft hinaus sichtbar machen können.

Wie weit sind Sie mit den Vorbereitungen für den 13. Februar?

Die Arbeitsgruppe trifft sich seit September und die Unterarbeitsgruppen sind wieder aktiv. Wir diskutieren über den Aufruf zur Menschenkette. Ich bin den vielen Helfern und Unterstützern dankbar, dass sie Verantwortung übernehmen.

Was ist über die Menschenkette hinaus zum 13. Februar geplant?

Wir wollen das Gedenken nicht auf diesen einen Tag fokussieren, sondern ein Zeitfenster öffnen, das vom 27. Januar bis zum 15. Februar reicht. Es wird wieder einen Veranstaltungskalender geben, wir wollen Diskussionsräume öffnen. Wir haben zu oft einen Tunnelblick, der auf die aktuellen Prozesse gerichtet ist. Der 13. Februar hat eine starke Integrationskraft und kann unseren Blick weiten.

Wie ist die Zusammenarbeit mit der Verwaltung?

Sehr gut. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) bringt sich sehr stark mit ein, ihm ist die Arbeit der Arbeitsgruppe ein persönliches Anliegen. Es gibt auch Überlegungen darüber, wie die Arbeitsgruppe stärker legitimiert werden kann. Vielleicht gibt es dazu ja mal einen Stadtratsbeschluss. Die größte Legitimation ist aber die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre.

Thomas Baumann-Hartwig

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