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Interesse der Dresdner an Stasiakten sinkt

Interesse der Dresdner an Stasiakten sinkt

Das Interesse der Dresdner an den Stasi-Akten lässt nach: Nur noch 4500 Anträge auf Akteneinsicht gingen im vergangenen Jahr in der Dresdner Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen (BStU) ein.

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Mit Hightech gehen Jugendliche auf Schatzsuche nach Geschichten.

Quelle: BStU Leipzig

Im Vergleich zum Vorjahr, als die Außenstelle noch 6217 Anträge zählte, entspricht dies einem Rückgang um mehr als ein Viertel - ähnliche Trends zeichnen sich bundesweit ab. Die Aktenhüter wollen nun mit modernen Spielen wie einer elektronischen Story-Schatzsuche mehr Jugendliche für die kleinen und großen Geschichten der Wendezeit entflammen.

"Ich glaube nicht, dass das Interesse an den Stasiakten generell erlahmt", schätzt der Dresdner BStU-Außenstellenleiter Konrad Felber ein. Dass 25 Jahre nach der friedlichen Revolution immer noch Tausende Akteneinträge gestellt werden - allein im Raum Dresden gab es 3305 Erstanträge - sei an für sich schon ein bemerkenswertes Phänomen. Interessant sei auch, dass es weiterhin einen hohen Bedarf der Bürger gebe, zu erfahren, wer sie zu DDR-Zeiten bespitzelt hat. So gingen im Jahr 2013 insgesamt 710 Anträge in der Außenstelle ein, Decknamen aus Akten zu Klarnamen entschlüsseln. Allerdings gab es auch hier einen Rückgang um ein knappes Viertel.

Die schrumpfende Antragsflut gebe den Behördenmitarbeitern aber auch eine wichtige Atempause, meint Felber: "Die Antragsteller müssen teilweise zweieinhalb bis drei Jahre warten, bis sie alle Akten haben. Diese Wartezeit können wir nun vielleicht abbauen." Zudem sei im Jubiläumsjahr 2014 mit einem wieder aufflammenden Interesse an den Stasi-Akten zu rechnen, insbesondere auch von Forschungsinstituten und der Presse, denn im Oktober jähren sich die Wendedemonstrationen zum 25. Mal. Zudem planen der BStU und die Landeszentrale für politische Bildung im Frühsommer auch eine größere öffentliche Fachtagung, die sich mit den gefälschten Kommunalwahlen vom Mai 1989 auseinandersetzt. Die Fälschungen wurden vor einem Vierteljahrhundert durch unabhängige Auszählungen von Bürgerrechtlern in den Wahllokalen offenbar und sorgten für viele Proteste. "Das war der Anfang vom Ende der DDR", sagt Felber.

Die Aktenbewahrer wollen mit dem Rückenwind dieser Jubiläen sowie der anstehenden Landtags- und Kommunalwahlen auch neue Wege gehen: Basierend auf einer in Leipzig entwickelten Idee und den beliebten "Geocaching"-Spielen sollen Jugendliche in Dresden und ganz Sachsen in diesem Jahr auf eine moderne elektronische Schatzsuche gehen. "Untold Stories" heißt das Projekt, das den Jungen und Mädchen auch vor Augen führen soll, wie hart sich die Sachsen freie Wahlen erkämpfen mussten - und wie wichtig es ist, heute von seinem Wahlrecht auch Gebrauch zu machen.

"Wir haben in unseren Akten kleine Geschichten aus der Wendezeit ausgegraben, die entweder nie erzählt wurden oder wieder in Vergessenheit geraten sind", berichtet die Leipziger BStU-Außenstellenleiterin Regina Schild. Als Beispiel nennt sie die Story von einem Straßenbahnfahrer, der Demonstranten im Wendeherbst half, aus einer Polizeisperre zu entkommen. Von April bis Juli erkunden zunächst kleine Kreise von Jugendlichen in Workshops in Dresden. Leipzig, Chemnitz und Bautzen diese Geschichten und verarbeiten sie künstlerisch- sei es nun in Form von Comics, Zeichnungen, Graffitis oder Musik. Diese Werke werden dann nebst geografischen Koordinaten und Internetadressen in Schatz-Filmbüchsen vergraben, die wiederum zu Logbüchern und den Originalschauplätzen der Ereignisse führen. Danach lassen die Stasiakten-Hüter die elektronischen Koordinaten der Verstecke nach und nach durchsickern, damit junge Leute diese mit den GPS-Empfängern ihrer iPhones und Android-Computertelefone aufspüren und auf eine satellitengestützte Schnitzeljagd gehen können. Ein erster Testlauf mit solch einem Aktencache sei bereits sehr gut angekommen, so Schild.

Aus dem Programm 2014 der Stasiaktenbehörde Dresden:

27. Februar, 18 Uhr: Das Wirtschaftsimperium des Schalck-Golodkowski, Vortrag von Dr. M. Judt, Historiker aus Potsdam, Ort: BStU Dresden, Riesaer Str. 7

27. März, 18 Uhr: "Das hats bei uns nicht gegeben", Ausstellung über Antisemitismus in der DDR, Ort: s. o.

23. Mai: Fachtagung "Kommunalwahl - Fälschung im Mai 1989", Ort: Landeszentrale für politische Bildung, Schützenhofstraße 36

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.01.2014

Heiko Weckbrodt

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