Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° wolkig

Navigation:
Google+
Insolvente Dresdner Schiffswerft hofft weiter auf Investor – nur noch geringe Chancen auf Rettung

Insolvente Dresdner Schiffswerft hofft weiter auf Investor – nur noch geringe Chancen auf Rettung

Wenn Michael Lohnherr aus den Fenstern seines Büros schaut, fällt sein Blick in diesen Tagen häufig auf ein verrostetes Seebäderschiff. Vielleicht weil die löchrige „Undine“ oder „Unding“, wie der 69-Jährige das Schiff nennt, ein Spiegelbild seiner Sorgen ist.

Voriger Artikel
Hochwasser-Alarmstufe für die Elbe aufgehoben - Pegel in Dresden bei 3,60 Meter
Nächster Artikel
Erster Fall von Meningitis im Jahr 2013 in Dresden aufgetreten

Die insolvente Schiffs- und Yachtwerft Dresden hofft noch auf einen Investor.

Quelle: dapd

Lohnherr ist Geschäftsführer der insolventen Schiffs- und Yachtwerft Dresden, und Ende März gehen auf dem Firmengelände voraussichtlich die Lichter aus.

php5869c7ffd5201301141235.jpg

Die Dresdner Schiffs- und Yachtwerft ist insolvent. Eine Rettung ist aber noch möglich.

Zur Bildergalerie

Kampflos aufgeben will Lohnherr aber nicht. „Ich habe schon einmal eine Firma in die schwarzen Zahlen geführt“, sagt er. Der technische Leiter Udo Rehm pflichtet ihm bei: „Die Toten werden erst nach der Schlacht gezählt.“ Noch ist in den Docks das Knistern von Schweißgeräten zu hören. Männer in wetterfesten Jacken spritzen einen Raddampfer mit Wasser ab. Dass die Traditionsfirma aus dem 19. Jahrhundert in Schieflage geraten ist, habe nicht am Kerngeschäft, der Wartung historischer Dampfschiffe, gelegen, sagt Lohnherr. „Es gab einen Auftrag zum Neubau zweier riesengroßer Schiffe für Kenia“, berichtet der Geschäftsführer. Die Werft habe sich dabei finanziell übernommen. Zudem versuchte die Firma, eine Luxusjacht mit 600 PS zu entwickeln und kaufte zehn Schiffe in der Hoffnung, dass Kunden sie abnehmen und reparieren lassen - sie liegen aber noch heute in der Werft.

„Wir können die Werft nicht unter Wert verschleudern“

Lohnherr selbst trifft an der Lage keine Schuld. Er kam erst vor zwei Jahren auf Bitten aus dem Ruhestand ins Unternehmen. „Ich hatte mich gerade an mein gemütliches Dasein gewöhnt“, erinnert sich der Mann, der 13 Jahre lang die Sächsische Dampfschifffahrt geleitet hatte. Seinen ersten Arbeitstag auf der Werft wird er nie vergessen: „Ich wurde am 7. Januar 2011 zum Geschäftsführer bestellt und bin noch am gleichen Tag zum Amtsgericht gedackelt, um Insolvenz anzumelden.“ Der Betrieb mit 20 Mitarbeitern läuft aber seitdem.

„Wir haben keine Verluste mehr gemacht“, versichert Lohnherr. Von dem „Quatsch jenseits der Reparaturen“ habe er die Finger gelassen. Einen Investor konnte er bislang aber nicht finden. „Wir können die Werft nicht unter Wert verschleudern“, sagt Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko mit Verweis auf die Gläubiger. Aus Verhandlungskreisen heißt es, der Preis liege unterhalb der Zwei-Millionen-Euro-Marke. Lohnherr lehnt sich in seinem Bürostuhl zurück, rückt dicht an ein dekoratives Steuerrad im Raum heran. Er hofft, dass sich das Ruder noch herumreißen lässt.

Heinrich Rönner, Eigentümer der Roßlauer Schiffswerft in Sachsen-Anhalt, „ist der ideale Kandidat“, sagt der Geschäftsführer. Bereits dreimal habe der Unternehmer die Dresdner Anlage besucht. Jetzt tage der Familienrat. Zur Unternehmensgruppe Rönner gehören 19 Betriebs- und Produktionsstätten, darunter von mehreren stahlverarbeitenden Firmen, die der Werft im Sommerloch Aufträge übertragen könnten. Sollte Rönner zusagen, könnte er viele Aufträge bekommen, prophezeit Lohnherr. Denn die Yachtwerft Dresden sei der einzige Reparaturbetrieb für größere Schiffe im Freistaat. Und die Sächsische Dampfschifffahrt wäre dann zu 100 Prozent von Rönner abhängig.

Die Sächsische Dampfschifffahrt, die ihre 13 Schiffe regelmäßig in der Yachtwerft Dresden warten lässt, will eigenen Angaben nach eher nicht in das Unternehmen investieren. „Das überrascht mich zwar, aber das ist von mir nicht zu beurteilen“, gibt sich Lohnherr diplomatisch.

Stadt und Freistaat schließen Finanzspritze aus

Auf der Slipanlage wird unterdessen „August der Starke“ für eine Lackierung vorbereitet. Der Bug des Schiffes ist fast gänzlich gesäubert. Noch vor Tagen hatten die Werftarbeiter auf der Straße demonstriert und mit Transparenten Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) zur Rettung des Unternehmens aufgefordert - ohne Erfolg. „Eine direkte finanzielle Hilfe durch die Stadt ist nicht möglich“, erklärt die CDU-Politikerin. Zugleich bekundet sie aber Interesse am Fortbestand der Werft.

Auch das sächsische Finanzministerium schließt eine Finanzspritze für das Unternehmen aus, dies würde der Haushaltsordnung widersprechen. Lediglich die Sächsische Dampfschifffahrt, an deren Komplementärgesellschaft ohne eigene Einlage der Freistaat 51 Prozent trage, könne investieren. Ob sich die Weiße Flotte noch dazu durchringt, bliebt aber offen.

Für die Yachtwerft ist der weitere Weg hin zur Schließung vorgezeichnet: Bis 31. März sollen die Dampfer auf dem Gelände repariert sein, notfalls müssen die Beschäftigten Überstunden machen. Auch für den Frühruhestand älterer Mitarbeiter gibt es bereits Pläne. Die Sächsische Dampfschifffahrt müsste bei künftigen Reparaturen an ihren Schiffen dann die knapp 200 Kilometer bis Roßlau in Kauf nehmen.

Und was ist mit Deutschlands ältestem Seebäderschiff „Undine“? Sie würde wohl verschrottet. Für das Schiff aus Rostock sind ohnehin nie Liegegebühren geflossen - der Verein, dem das Schiff gehört, ist auch insolvent.

dapd

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.