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Ingrid Blankenburg kümmert sich in Dresden um 200 Asylbewerber

Ingrid Blankenburg kümmert sich in Dresden um 200 Asylbewerber

Seit 25 Jahren arbeitet Ingrid Blankenburg im Dresdner Verein für soziale Integration von Ausländern und Aussiedlern. Seit 2011 kümmert sie sich im Rahmen des Projektes "Orientierungshilfe für Asylbewerber" um etwa 200 Flüchtlinge.

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Hilft Asylbewerbern bei Behördengängen und versucht, ihnen ihr Selbstwertgefühl wiederzugeben: Sozialarbeiterin Ingrid Blankenburg.

Quelle: Anja Schneider

Für welche Heime sind Sie zuständig?

Ingrid Blankenburg: Für die Heime auf der Trachauer, der Großenhainer und der Pillnitzer Landstraße und Asylbewerber in einigen Wohnungen. Ich betreue insgesamt etwa 200 Flüchtlinge.

Wer wohnt in den drei Heimen?

Sowohl Familien mit Kindern als auch junge Männer, die allein gekommen sind.

Halten Sie die Mischung für gut?

Ja. Die jungen Männer sind ja von ihrer Kultur her gewohnt, Mütter und Ältere zu respektieren. Das klappt ganz gut. Sie bekommen ab und zu gesagt, seid mal nicht ganz so laut, hier gibt es Kinder. Auf der anderen Seite sind die jungen Männer auch sehr kinderlieb. Sie freuen sich, wenn Kinder um sie herumspringen. Die meisten haben ja zu Hause auch kleinere Geschwister.

Aus welchen Ländern kommen die Asylbewerber?

Wir haben Leute u.a. aus dem Iran und dem Irak, aus Serbien, Afghanistan, Somalia, Eritrea, Indien, Pakistan, Tschetschenien, Tunesien und dem Libanon.

Dürfen Asylbewerber das Heim oder die Wohnung wechseln, wenn sie sich mit ihren Nachbarn nicht verstehen?

In der Regel schon. Das Sozialamt muss das aber wissen. Oft versuche ich zunächst zu moderieren. Die jungen Männer müssen lernen, dass man sich auch streiten kann, ohne sich gegenseitig weh zu tun. Sie staunen dann, dass das geht und genießen es als eine wunderbare neue Erfahrung. Immer wieder betonen muss ich, dass die meisten Männer in ihrer Kultur sehr zu Respekt erzogen werden. Sie wollen respektiert werden, geben aber auch Respekt zurück.

Wie lange bleiben die Asylbewerber hier?

Das ist ganz unterschiedlich. Da gibt es keinen Durchschnittswert. Die Leute aus Syrien und dem Irak z.B. sind schnell wieder weg, weil sie eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen.

Wieviele Asylbewerber werden denn wieder zurückgeschickt?

Ich weiß, dass sehr viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen abgelehnt werden. Wenn jemand abgeschoben wird, muss das nicht unbedingt heißen, dass er ein Wirtschaftsflüchtling ist. Und selbst für die plädiere ich, weil es unter ihnen auch Leute gibt, die sich gut integrieren, hier arbeiten und unsere Gesellschaft bereichern könnten.

Warum kommen Asylbewerber hierher? Was sind Ihre Erfahrungen?

Da gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Viele fürchten um ihr Leben und vor allem das ihrer Kinder. Sie sind erpresst worden oder sollten für die Armee rekrutiert werden wie in Somalia. Manche sind diskriminiert worden, einfach weil sie eine Frau sind oder sehr krank.

Wie helfen Sie den Asylbewerbern?

Vor allem helfe ich ihnen, Anträge auszufüllen. Selbst wenn jemand einigermaßen Deutsch spricht, kann er noch lange nicht so gut schreiben, dass die Behörden das dann auch akzeptieren. Wir vereinbaren gemeinsam Arzttermine, suchen Kindergartenplätze, kommunizieren mit den Lehrern an den Schulen, beantragen Deutschkurse. Und mancher Flüchtling will auch nur reden über seine Situation, sein traumatisches Erlebnis. Dann weinen wir auch mal gemeinsam. Es ist oft erschütternd, was die Leute durchgemacht haben. Und ich staune immer wieder, wie tapfer sie sind. Sie haben oft einen weiten Weg hinter sich mit so vielen Ungewissheiten. Und dann haben sie es hier noch mal schwer - andere Sprache, andere Kultur. Da bleibt sehr wenig übrig von ihrer Persönlichkeit. Ihnen ihr Selbstwertgefühl wiederzugeben, ist sehr wichtig. Die allermeisten Asylbewerber sind hochmotiviert, wollen Deutsch lernen, sich schnell integrieren. Und sie möchten kein Sozialgeld, sondern arbeiten gehen. Nur ein ganz geringer Prozentsatz der Asylbewerber ist kriminell.

Wieviel Zeit haben Sie für die Flüchtlinge zur Verfügung?

Jeweils vier bis fünf Stunden pro Woche bin ich in den beiden Heimen an der Trachauer und der Großenhainer Straße. Das Heim an der Pillnitzer Landstraße ist größer. Da halte ich mich zweimal vier Stunden pro Woche auf. Die andere Zeit bin ich in den Wohnungen oder begleite die Flüchtlinge zu Behördengängen.

Reicht die Zahl der Sozialarbeiter aus Ihrer Sicht aus?

Wir brauchen deutlich mehr Mitarbeiter. Ich bin mit meinen 200 Asylbewerbern auch schon fast überfordert. Mancher Flüchtling bräuchte mehr Betreuung, als ich ihm geben kann. Der Schlüssel sollte 1:100, maximal 1:150 sein.

Wie verständigen Sie sich mit den Asylbewerbern?

Ich kann mich in Russisch, Französisch und Englisch so unterhalten, das wir gegenseitig verstehen, was wir voneinander wollen.

Was machen die Asylbewerber den ganzen Tag, wenn sie erst nach neun Monaten arbeiten dürfen?

Sie haben ganz viele Behördengänge. Man kann sich gar nicht vorstellen, was sie alles zu erledigen haben - im Sozialamt, auf der Ausländerbehörde. Außerdem bietet das Sozialamt ja auch gemeinnützige Arbeit an - u.a. beim sozialen Möbeldienst in Prohlis. Das wird gut angenommen. Und viele fahren so gern Fahrrad, die Leute aus Somalia zum Beispiel. Wenn jemand sein verkehrstüchtiges Fahrrad abgeben möchte, sind wir dankbare Abnehmer.

Können allen Asylbewerbern Deutschkurse angeboten werden?

Nein. Ich habe eine lange Warteliste. Die Leute wollen Deutsch lernen. Da muss schnell gehandelt werden.

In Pappritz soll ein Asylbewerberheim für 60 junge Männer entstehen. Das Dorf hat keine Infrastruktur. Kann das gutgehen?

Da braucht es eine sehr gute soziale Betreuung. Und einen Wachdienst zum Schutz der Asylbewerber selber. Auch hier an der Trachauer Straße sagen die Flüchtlinge, wir möchten gern einen Wachdienst zum Schutz vor Leuten von draußen. Es kommen ja auch Deutsche oder Tschechen, die Drogen anbieten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2015

Katrin Richter

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