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Informatiker in Dresden gefragter denn je

Informatiker in Dresden gefragter denn je

"Informatikern bieten sich gegenwärtig hervorragende Jobchancen", schätzt Lars Fiehler, Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) , ein. So habe erst kürzlich eine Kammerumfrage unter rund 1600 sächsischen Unternehmen ergeben, dass zahlreiche Stellen für Informatiker und Programmierer nicht besetzt werden konnten - diese Spezialisten landeten auf Rang 2 der Berufe mit den meisten offenen Stellen.

"Die anhaltend hohe Nachfrage bestimmen dabei nicht nur Softwarehäuser, Computerhersteller oder Telekommunikationsdienstleister, die etwa vom Erfolg von Cloudcomputing und mobilen Lösungen für Smartphones und Tabletcomputer herrühren", betonte Fiehler. "Es ist verstärkt die technische Informatik, die die Nachfrage pusht."

"Der Bedarf ist groß", bestätigt auch der Dresdner T-Systems-Manager Frank Schönefeld, der im sächsischen Hightech-Verband "Silicon Saxony" den Fachbereich Software leitet und zugleich Honorarprofessor an der "Hochschule für Technik und Wirtschaft" (HTW) Dresden ist. Vor allem kleinere Firmen würden den Nachwuchs-Mangel in dieser Branche schmerzhaft spüren. Größere Unternehmen mit bundesweiten Rekrutierungs-Möglichkeiten können da zwar ganz anders operieren: In der 1000 Köpfe starken T-Systems Multimedia Solutions Dresden gehen jährlich über 3000 Bewerbungen ein - da können Schönefeld und seine Kollegen noch auswählen. "Aber man muss kein Prophet sein um vorauszusehen: Auch für die größeren Unternehmen wird sich die Bewerber-Lage verschlechtern", sagt der T-Systems-Manager.

Ein zentrales Problem aus seiner Sicht: "Die hiesigen Ausbildungseinrichtungen können nur etwa die Hälfte des Dresdner Informatiker-Bedarfs decken." Etwa 500 neue Informatiker werden in Dresden pro Jahr von der Wirtschaft gebraucht, meint er. Jährlich schließen aber nur etwa 160 Absolventen an der TU Dresden ein Informatikstudium erfolgreich ab, an der HTW seien es um die 65 Absolventen.

Erstsemestler-Zahl an Dresdner Hochschulen stagniert

Zum einen mag dies an der hohen Abbrecherquote liegen, die an manchen Unis in Deutschland um die 50 Prozent liegt - teils, weil die Studenten vor dem Abschluss in die Wirtschaft wechseln, teils, weil das Informatikstudium ziemlich anspruchsvoll ist. Zum anderen ist die Absolventenmenge natürlich abhängig davon, wieviele junge Menschen ein Informatikstudium überhaupt beginnen. Während bundesweit die Zahl der Studienanfänger in dieser Fachrichtung weiter gestiegen ist, wie jüngst eine Auswertung des deutschen Branchenverbandes "Bitkom" in Berlin erheben hat, stagniert der "Nachschub" ausgerechnet am Hochtechnologie-Standort Dresden. So stiegen an der TU im Wintersemester 2011/12 genau 320 Studenten in die Informatik ein, im Jahr darauf waren es nur noch 302. Ähnlich sieht es an der HTW aus: Dort gingen vor drei Jahren 206 Informatik-Anfänger an den Start, im Folgejahr waren es 201, 2012 schließlich 209.

Schönefeld führt dies auch auf karge Ressourcen zurück: Die schulische und universitäre Ausbildung in naturwissenschaftlichen und technischen Fächern sei gut, aber quantitativ "ausbaufähig". Und den Hochschulen fehle es an ausreichend Lehrstühlen und Professoren, um mehr Informatiker auszubilden.

Hinzu kommt: Die Informatik ist ausgesprochen männlich dominiert. Laut Bitkom ist der Frauenanteil unter den Informatik-Erstsemestlern bundesweit zwar gestiegen, liegt aber mit 22,5 Prozent noch viel zu niedrig. Und unter den informationstechnologischen Lehrlingen in der Wirtschaft sind sogar nur acht Prozent weiblich. "Die Einführung solcher Fächer wie Medieninformatik hat die Ausbildung für Frauen attraktiver gemacht und den Frauenanteil nach oben getrieben", sagt Schönefeld. "Aber diese Karte ist nun ausgespielt."

Auf der anderen Seite werden die Betätigungsfelder für Informatiker in der Wirtschaft immer breiter. Längst werden sie nicht nur als Programmierer in Software-Schmieden eingesetzt. Vielmehr digitalisieren immer mehr Unternehmen aus nahezu allen Branchen ihre Geschäftsprozesse, verkaufen ihre Produkte über das Internet, vernetzen sich elektronisch mit ihren Zulieferern, bauen überall Chips ein, die auch programmiert werden wollen.

Megatrend Industrie 4.0: Fabriken vernetzen ganze Ketten

"Die digitale Revolution ist in vollem Gange", ist Schönefeld überzeugt. "Unter dem Schlagwort ,Industrie 4.0' werden zum Beispiel ganze Produktionsketten automatisiert und dafür braucht man Informatiker. Waren bisher nur die Computer vernetzt, dehnt sich dieser Trend auf immer mehr Geräte und Gegenstände unseres Alltags aus. Bei den Fernsehern ist die Vernetzung schon im Gange, bei den Autos beginnt sie und das geht immer weiter", so Schönefeld. "Dieser Trend wird wohl erst aufhören, wenn auch der letzte Hosenknopf vernetzt ist - wie sinnvoll das auch immer in jedem Fall sein mag."

Der T-Systems-Manager sieht darin aber auch große Chancen für Deutschland und speziell auch Dresden und Sachsen: "Bei der Vernetzung der Computer haben die Amerikaner die Nase vorn behalten, da dominieren US-Unternehmen wie Google und eBay den Markt. Industrie war aber immer eine deutsche Stärke. Da sollten wir uns beim Megatrend ,Industrie 4.0' nicht die Butter vom Brot nehmen lassen."

iMehr Infos im Netz: computer-oiger.de

Heiko Weckbrodt

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