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Infinus-Gruppe: Manager war von Zusammenbruch selbst überrascht

Betrugsprozess vorm Landgericht Dresden Infinus-Gruppe: Manager war von Zusammenbruch selbst überrascht

Wer hätte wohl etwas dagegen, wenn auf dem eigenen Konto jeden Monat 30.000 Euro eingehen. Keiner würde das Geld gern wieder hergeben wollen, auch wenn es sich zunächst nur um einen Vorschuss handelt. Dem früheren General Manager der Infinus-Gruppe, Jürgen K., der am Donnerstag vor dem Dresdner Landgericht als Zeuge aussagte, ging es da ähnlich.

Manager der Infinus-Gruppe sind vor dem Landgericht Dresden wegen Betruges angeklagt.

Quelle: DNN/Alexander Eylert

Dresden. Es hätte wohl niemand etwas dagegen, wenn auf dem eigenen Konto jeden Monat 30.000 Euro eingehen. Keiner würde das Geld gern wieder hergeben wollen, auch wenn es sich zunächst nur um einen Vorschuss handelt. Dem früheren General Manager der Infinus-Gruppe, Jürgen K., der am Donnerstag vor dem Dresdner Landgericht als Zeuge aussagte, ging es da ähnlich.

Allerdings scheint es nicht so einfach gewesen zu sein, den Vorschuss zu erwirtschaften. Im Laufe der Zeit habe man den Betrag schrittweise auf 20.000 Euro abgesenkt, sagte der 51-Jährige. Wie an den vorherigen Verhandlungstagen bereits deutlich geworden ist, war es zudem neben dem Verkauf von Versicherungen an externe Kunden auch ein beliebtes Mittel, Produkte an sich selbst zu verkaufen, um mit den daraus folgenden Provisionen die eigene Bilanz auszugleichen.

„Gemeinsam mit meiner Frau habe ich 500.000 Euro in Orderschuldverschreibungen und Aktien von Infinus investiert“, sagte K. Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters Hans Schlüter-Staats, ob ihn die Infinus-Führungsriege um Jörg Biehl darum gebeten habe, betonte er: „Ich habe es freiwillig getan, weil ich von den Produkten überzeugt war.“ Ähnlich ging es auch dem 2. Zeugen Armin H., der als Direktionsmanager für Infinus tätig war. „Ich habe drei Lebensversicherungsverträge für mich und meine Familie abgeschlossen“, sagte der 52-Jährige. Auch er wollte mit den Provisionen aus den Geschäften ein drohendes Defizit abwenden, bekräftigte aber wie Jürgen K.: „Es war meine Idee.“

Für die Policen habe er monatlich 10.000 Euro gezahlt, was auch angesichts eines Nettoeinkommens von 20.000 Euro im Monat, über das Armin H. damals laut eigenen Angaben verfügte, immer noch enorm erscheint. Hinzu kam ebenfalls eine Investition in Höhe von 175.000 Euro in Orderschuldverschreibungen und Aktien der Infinusgruppe.

Obwohl es bei der Höhe der Investments glaubhaft erscheint, dass sowohl Jürgen K. als auch Armin H. keine Zweifel an den Produkten hatten, drängte sich vor allem bei Jürgen K. in der Verhandlung die Frage auf, warum ein Versicherungsprofi wie er, kritischen Stimmen nicht auf den Grund gegangen ist. Bereits als Vorstand der zur Gothaer Versicherung gehörenden Fingro AG arbeitete er eng mit Infinus zusammen und bekam mit, wie Makler des Unternehmens ihre Eigenverträge nicht mehr bezahlen konnte. „Mich hat das nicht beunruhigt, weil die Probleme meistens schnell gelöst waren“, sagte er.

Als er ab 2010 selbst Teil der Infinus-Unternehmensgruppe war, hatten einige Makler Zweifel an den Infinus-Umsätzen. Sie fragten: Wo ist der Aufwand, wenn es sich um Differenzprovisionen handelt. „Es gab keinen Hinweis darauf, dass die Eigengeschäftsprovisionen über 50 Prozent liegen. Für mich waren die Erläuterungen unseres Vorstandes, Herrn Kadkhodai, schlüssig und überzeugend“, so K.

Ab 2012 wurde K. Vorstand der zu Infinus gehörenden Eco Consort AG. Dass zwischen den einzelnen Firmen der Unternehmensgruppe dreistellige Forderungen existierten, habe er trotz Teilnahme an den wöchentlichen Treffen des Führungszirkels nicht mitbekommen, so K, der zudem einräumte, als Aufsichtsrat der ebenfalls zu Infinus gehörenden Value Consort AG, keine Geschäftsberichte gelesen zu haben. Am Ende sei der Zusammenbruch der Firmengruppe für ihn sehr überraschend gewesen. „Es ist so, wie wenn man 30 Jahre verheiratet ist, und am 31. Hochzeitstag verlässt einen die Frau. Während man selbst aus allen Wolken fällt, haben es um einen herum angeblich alle gewusst.“

Von Stefan Hönigschmid

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