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In der Semperoper erinnert nun eine Gedenktafel an von den Nazis vertriebenen Künstler und Mitarbeiter

In der Semperoper erinnert nun eine Gedenktafel an von den Nazis vertriebenen Künstler und Mitarbeiter

Der Zeitpunkt hätte kaum passender gewählt werden können: Unmittelbar vor der Premiere der "Königskinder", die mit ihrem tragischen Ende aufgrund von menschlicher Intoleranz und unbarmherziger Geldgeilheit sehr zu Herzen geht, wurde in der Semperoper ein anderes Gedenken angeregt.

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Am 7. März 1933 vom Dirigentenpult vertrieben: Fritz Busch.

Quelle: "Die Sächsische Staatskapelle", Eberhard Steindorf, Henschel Verlag 1997

Lediglich der Einwand, dies hätte viel früher geschehen können, ist nicht von der Hand zu weisen.

Doch im Jahr 2011 gelang es dem Historiker Hannes Heer endlich, auch die NS-Vergangenheit der Dresdner Theater zu untersuchen und seine Ergebnisse der Öffentlichkeit in einer Ausstellung vorzustellen (DNN berichteten). Bislang war vor allem die Vertreibung von GMD Fritz Busch durch den Nazi-Mob bekannt, der am 7. März 1933 ohne nennenswerten Widerstand seiner Kollegen oder des Publikums erfolgte. Doch zahlreiche weitere Künstlerinnen und Künstler sowie Mitarbeiter anderer Gewerke in den Staats- und Privattheatern Dresdens waren betroffen und wurden wegen ihrer jüdischen Herkunft oder politischen Überzeugung vertrieben.

Einigen gelang die Flucht ins Ausland, wenigen die innere Emigration in der Heimat, zahlreiche wurden in den Konzentrationslagern des Hitler-Regimes ermordet. An all diese Schicksale erinnert nun auch in der Semperoper eine Gedenktafel, wie sie bereits seit einiger Zeit im Schauspielhaus hängt. Vor deren Enthüllung erinnerte Hannes Heer an die braunen Flecken der hiesigen Theatergeschichte. Frühzeitig gab es in Dresden eine sogenannte Theaterfachgruppe der NSDAP, im März 1933 zählte sie bereits 275 Mitglieder - nur zwei Jahre später habe es an den Sächsischen Staatstheatern keine Juden oder Halbjuden mehr gegeben. Diese Entwicklung sei durch die Wähler erfolgt, die Hitler an die Macht ließen; ein Ausdruck "millionenfachen Charaktersterbens", wie Heer formulierte, und "Voraussetzung für das Völkersterben" in den Jahren bis 1945.

Der unermüdliche Forscher machte zugleich deutlich, dass nicht der 30. Januar 1933 als "Machtergreifung" gelte - dies war das Datum der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler -, sondern der 7. März, an dem die Nazis in ganz Deutschland Rathäuser und eben auch Theater besetzten. Für Fritz Busch und viele andere trug dieser Tag zur fatalen Einsicht bei, das Kunst und Kultur keine hinlänglichen Barrieren gegen die Barbarei seien. Der 1941 geborene Hamburger Hannes Heer richtete daher den Ratschlag an Dresden, nicht nur des 13. Februar zu gedenken, sondern auch den 7. März als Ausgangspunkt von Verbrechen und Leid zu erkennen.

Eine Erinnerungsstütze dazu ist direkt neben dem Haupteingang der Semperoper in der Garderobenhalle zu finden - und zu den Vorstellungsterminen der "Königskinder" auch auf der Bühne (siehe obige Rezension). 48 Namen von Frauen und Männern sind auf der Tafel eingraviert, das sind 48 Einzelschicksale, die im Zusammenhang mit den "Verstummten Stimmen" erforscht wurden. Als der Sänger Gerald Hupach all diese Namen und die Lebensdaten dieser Menschen verlas, hieß es auffällig oft "Schicksal unbekannt".

Wie sehr heute die Chance, nein, die Verpflichtung besteht, vergleichbare Entwicklungen nie wieder zuzulassen, betonte Wolfgang Rothe als kommissarischer Intendant des Hauses. Dresden dürfe nicht nur für Touristen aus aller Welt offenstehen, sondern müsse auch jene willkommen heißen, die Not leiden und Hilfe brauchen. Die Programmatik der Semperoper stehe für humanistische Werte, damit sich ein ähnliches Szenario wie das des Musikers Arthur Chitz nicht wiederhole. Er war einer der aus Dresden vertriebenen Musiker und wurde ins Ghetto Riga deportiert, wo er 1944 starb.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.12.2014

Michael Ernst

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