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In der Dresdner Uniklinik werden immer mehr Babys von Crystal-süchtigen Müttern geboren

In der Dresdner Uniklinik werden immer mehr Babys von Crystal-süchtigen Müttern geboren

Im Dresdner Uniklinikum kommen immer mehr Kinder auf die Welt, deren Mütter Crystal-abhängig sind. „Da kommt ein richtiges Problem auf uns zu“, weiß Katharina Nitzsche, die als Oberärztin in der Frauenklinik direkt an der Quelle der Schwierigkeiten sitzt.

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Crystal macht extrem abhängig. Die Rückfallquote nach einem Entzug liegt bei 95 Prozent.

Quelle: dpa

Im Jahr 2011 musste die 41-Jährige elf Crystal-Schwangere betreuen, im vergangenen Jahr bereits 20 und bis Ende Mai 2013 wurden schon 13 Crystal-Kinder auf die Welt geholt.

Die Zahl dieser Neugeborenen steigt rasant. Zum einen, weil durch die Grenze zu Tschechien die Transportwege für die Droge minimal sind. Zum anderen, weil ein Gramm Crystal mittlerweile für unter 30 Euro zu kriegen ist. „Mütter, die andere Drogen nehmen, haben wir so gut wie nie. Nur Crystal macht uns Probleme“, so Nitzsche.

Eines ist diesen Müttern gemein, wie die Oberärztin erklärt: Sie negieren ihren Konsum. „Viele sagen mir, sie hätten die Droge in der 5. Schwangerschaftswoche abgesetzt. Wenn wir dann eine Urinprobe machen, um zu schauen, ob alle Stoffe aus dem Körper raus sind, sind alle positiv.“ Die meisten Schwangeren aber suchen erst gar keinen Frauenarzt auf, sondern treffen erst im Kreissaal auf einen Mediziner. Dort verhalten sich Crystal-Abhängige sehr auffällig: Sie sind aggressiv, extrem schmerzempfindlich, lehnen alles ab und reagieren infantil.

Schlimmer jedoch trifft es natürlich die Kinder. „Sie können Entzugserscheinungen haben, das hängt vom Konsum der Mütter ab. Dann müssen sie medikamentös therapiert werden, damit sie zur Ruhe kommen“, beschreibt Dr. Nitzsche. Crystal ist eine aufputschende Droge, die Kinder haben deshalb meist einen gestörten Tag-Nacht-Rhythmus. Sie wirken erregbar, schreckhaft oder aber auch schläfrig. Die Neugeborenen neigen zu Fehlbildungen, etwa am Herzen oder an den Nieren. Außerdem sind sie meist zu klein, haben Koordinationsschwierigkeiten, lernen später laufen und haben ein erhöhtes Risiko für plötzlichen Kindstod. „Das Hauptproblem ist jedoch, wenn die Eltern weiter Drogen konsumieren“, sagt die Oberärztin.

Dagegen tun kann sie allerdings wenig. Bei einem positiven Drogentest informieren die Mediziner einen Sozialarbeiter in der Kinderschutzgruppe der Uniklinik. Der fungiert dann als Mittler zum Jugendamt. Die schauen sich die Familien an, reagieren aber selten. „Es sind einfach zu viele“, weiß Dr. Nitzsche. Das wird auch in der Kinderklinik offenbar. Neugeborene von Crystal-Müttern werden zur Überwachung in die Klinik verlegt. „Dort bleiben sie Tage, manchmal sogar Wochen“, so Dr. Nitzsche. Das führe nicht nur zu einem Kapazitäts-, sondern auch zu einem finanziellen Problem.

Um diesem Herr zu werden, plant die Kinderklinik am Uniklinikum eine Nachbetreuungssprechstunde für Crystal-abhängige Mütter. „Die Frage ist aber, wer dann kommt. Diese Mütter nehmen kaum Hilfe an“, berichtet die 41-Jährige. Sie hält es für wichtig, das Problem in die Öffentlichkeit zu bringen. „Crystal macht extrem abhängig. 95 Prozent derer, die einen Entzug machen, erleiden einen Rückfall. Das muss bewusster werden.“

Christin Grödel

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