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In der Biogasanlage Klotzsche entstehen aus organischen Rohstoffen Fernwärme und Strom

In der Biogasanlage Klotzsche entstehen aus organischen Rohstoffen Fernwärme und Strom

Die braune Masse wabert durch den Behälter, in regelmäßigen Kreisen zieht sie ihre Bahnen, Blasen steigen auf. "Das ist das Gas", erklärt Tino Kuhnke.

Und darauf hat es der Gruppenleiter Produktion bei der Drewag - Stadtwerke Dresden GmbH abgesehen. In der Biogasanlage Dresden-Klotzsche entstehen Strom und Fernwärme aus organischen Rohstoffen. Genauer gesagt aus Maissilage und Rindergülle. Und wie das passiert, das erfahren die Besucher der "Langen Nacht der Industrie" aus erster Hand.

Der Kreislauf beginnt mit der Anlieferung der benötigten Substrate. An jedem Werktag bringt ein Landwirt aus der Region Mais, wöchentlich Gülle nach Klotzsche. Die Drewag kooperiert dafür mit der Agrargenossenschaft Radeburg e.G. Rund 9500 Tonnen Maissilage, was einem Feldertrag von etwa 200 Hektar entspricht, und rund 5000 Tonnen Rindergülle kommen so in einem Jahr zusammen. Vermengt werden beide Komponenten in dem so genannten Fermenter, einem sechs Meter hohen Gärbehälter mit einem Durchmesser von 24 Metern - das korrekte Mischungsverhältnis errechnet der Computer.

Nun beginnt der Job der wichtigsten Angestellten einer Biogasanlage: der Bakterien. Einen eigenen Stamm von Mikroorganismen hat die Drewag dafür gezüchtet. "Die Tierchen sind faul. Sie wollen ihr Essen geliefert bekommen", schmunzelt Kuhnke. Deshalb muss die Masse ständig in Bewegung gehalten, die Temperatur auf 38 bis 42 Grad reguliert werden, um Gas entstehen zu lassen. Sind die Bakterien aber erst einmal aktiv, sind sie das 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. Die permanente Gasproduktion setzt eine kontinuierliche Überwachung voraus, um Störungen und Gefährdungen zu verhindern. Sensible Kontrollelemente sorgen dafür.

Ist der Fermenter voll, laufen die vermischten Substrate in den Nachgärer und schließlich in ein Gärrestlager über. Dort wird dann kaum noch Gas produziert, die entstandene Masse geht als Wirtschaftsdünger wieder zurück auf das Feld. "Der Kreislauf ist geschlossen, der Landwirt erhält einen hochwertigen Dünger", so der Gruppenleiter.

Das entstandene Gas wiederum muss zunächst noch vom Schwefel befreit werden - auch das übernehmen spezielle Bakterien -, bevor es im benachbarten Blockheizkraftwerk in Strom und Fernwärme umgewandelt werden kann. Durchschnittlich etwa 4700 Megawattstunden Strom und rund 5000 Megawattstunden Fernwärme entstehen so im Jahr. Das so genannte Inselnetz Dresden-Klotzsche wird mit der Fernwärme beliefert.

Seit 2010 gibt es die Anlage in Klotzsche. Als erste Biogasanlage der Drewag wurde sie am 1. September in Betrieb genommen. Die Entscheidung für den Standort und die Investition von 3,5 Millionen Euro fiel den Verantwortlichen nicht schwer. "Die Lage am Stadtrand und damit die Nähe zur Landwirtschaft ist ein großer Standortvorteil. Es hat ja keinen Sinn, Biogas zu produzieren, und dann Rohstoffe bei weiten An- und Abfahrtswegen unserer Lieferanten zu verschleudern", sagt Kuhnke. Zudem gehörte der Drewag das Grundstück bereits, das Heizkraftwerk Dresden-Klotzsche mit seiner technischen Infrastruktur befindet sich in unmittelbarer Nähe.

Ganz vorurteilsfrei ging die Errichtung indes nicht vonstatten. Anwohner befürchteten Geruchsbelästigungen. Zu Unrecht, wie sich schnell zeigte. "Natürlich riecht man die Gülle, wenn man direkt an dem Behälter vorbei geht, in dem sie gelagert wird. Aber außerhalb des Geländes bekommt man davon nichts mit", versichert Kuhnke. Eigens eingesetzte Geruchsprobanden hätten dies während des Baus bestätigt. Spezielle Luftfilter sorgen für freies Durchatmen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.03.2014

Christin Grödel

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