Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Google+
Immer weniger preisgünstige Wohnungen - Engpass für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte

Immer weniger preisgünstige Wohnungen - Engpass für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte

Das renommierte Pestel-Institut aus Hannover schlug vor einigen Tagen Alarm: Gemessen an der Zahl der Bedürftigen fehlen in Sachsen aktuell rund 342 000 Sozialwohnungen, also Wohnungen für Menschen mit geringem Einkommen.

Da im Freistaat gleichzeitig pro Jahr reichlich 6000 solcher Wohnungen vom Markt verschwinden, verschärft sich das Problem laut Institutschef Matthias Günther dramatisch. Die DNN analysieren, wie sich die Situation in Dresden darstellt.

Von christoph stephan

m

Gibt es in Dresden ein ausreichendes Wohnungsangebot?

In einem aktuellen Bericht, der den DNN vorliegt, benennt die Stadtverwaltung erstmals ganz deutlich, dass sich der hiesige Wohnungsmarkt von einem Mieter- zu einem Vermietermarkt entwickelt. Verantwortlich dafür ist der sinkende Leerstand, der 2006 noch bei etwa 14 Prozent lag und inzwischen unter die Zehn-Prozent-Marke gerutscht ist. Dies führt logischerweise zu steigenden Mieten. Lag die durchschnittliche Netto-Kalt-Miete in Dresden 2008 noch bei 5,01 Euro pro Quadratmeter, betrug sie 2010 bereits 5,28 Euro. Es ist sicherlich noch nicht zutreffend, von einer Wohnungsnot zu sprechen, aber das Angebot wird spürbar knapper.

m

Wie viele Dresdner benötigen eine preisgünstige Wohnung?

Im Jahr 2010 - aktuellere Zahlen liegen der Stadt leider noch nicht vor - gab es in Dresden 37 100 einkommensschwache Haushalte (Studenten nicht mit eingerechnet), was einem Anteil von rund 13 Prozent entspricht. Ein Haushalt gilt als einkommensschwach, wenn sein Einkommen weniger als 60 Prozent des Nettoäquivalenzeinkommens beträgt, also weniger als 856 Euro monatlich bzw. 10 274 Euro jährlich. Unter diese Gruppe fallen Geringverdiener, Arbeitslose und Hartz-IV-Empfänger. Während die Zahl der einkommensschwachen Haushalte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist, ging das Angebot an preisgünstigen Wohnungen zurück.

m

Wo gibt es Wohnungen für Einkommensschwache?

In dem Bericht der Stadt heißt es, dass sich diese inzwischen auf Gebiete in einfacheren Wohnlagen mit gering- oder teilsanierten Wohnungen konzentrieren, vorrangig in Prohlis und Gorbitz. Hans-Jürgen Muskulus von den Linken hält das für gefährlich: "Die soziale Segregation in Dresden hat in den letzten beiden Jahrzehnten rasch zugenommen", sagt er. Der Mieterverein Dresden warnt davor, dass aus einzelnen Stadtteilen ohne Fördermaßnahmen soziale Brennpunkte werden.

m

Reichen die Wohnungen aus, um den Bedarf zu decken?

Im Oktober 2010 führte das Sozialamt eine Befragung unter den großen Dresdner Wohnungsunternehmen durch und kam zu dem Ergebnis, dass diese im Bestand reichlich 91 000 Wohnungen im "angemessenen Mietpreissegment" haben. Zudem verfügt die Stadt über soziale Belegungsrechte in knapp 11 000 Wohnungen, vorrangig solchen der Gagfah. "Statistisch betrachtet stehen folglich für alle einkommensschwachen Haushalte in Dresden angemessene Wohnungen zur Verfügung", betont die Stadt.

An diesem Punkt kommt allerdings ein dickes Aber. Denn es sei zu berücksichtigen, dass ein Großteil dieser Wohnungen bewohnt ist - unter anderem auch von einkommensstärkeren Haushalten - und somit nur im Rahmen von Fluktuation am Wohnungsmarkt zur Verfügung steht. Ein Engpass zeichne sich zum Beispiel bei kleinen Wohnungen für Ein- und Zwei-Personen-Haushalte ab. Die Stadt spricht in diesem Zusammenhang ein grundsätzliches Problem an, nämlich dass "viele der verfügbaren Wohnungen in diesem Segment nicht der nachgefragten Wohnqualität entsprechen".

m

Muss aber nicht derjenige, der kaum oder sogar gar keine Miete zahlt, mit einer einfacheren Wohnung vorlieb nehmen?

Genauso sieht es Axel Viehweger, der Chef des Verbandes der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften. In einem jüngst geführten Interview mit den DNN erklärte er: "Ich halte dieses Anspruchsdenken, was vor allem in größeren Städten zunehmend die Oberhand gewinnt, für bedenklich. Jeder will eine ganz tolle Wohnung in einer guten Lage haben, aber nur die wenigsten sind am Ende bereit, dafür auch acht Euro Kaltmiete zu zahlen. Es wird sich niemals jeder jede Wohnung leisten können."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 01.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
22.08.2017 - 14:50 Uhr

Der aktuelle Mannschaftsausflug führte die Zweitliga-Mannschaft von Dynamo Dresden in die Gläserne Manufaktur.

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.