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Immer mehr Müll in Dresden - Rathaus plant Dreck-weg-Notruf und Putzaktionen

Immer mehr Müll in Dresden - Rathaus plant Dreck-weg-Notruf und Putzaktionen

Die Dresdner werfen mehr und mehr Müll achtlos am Wegesrand weg. Allein in den ersten beiden Monaten 2012 gab es 100 Meldungen über illegale Entsorgungen - 17,6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum, wie das Abfallamt mitteilte.

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Ein LKW der Müllabfuhr in Dresden.

Quelle: Dominik Brüggemann

Das Rathaus will daher Ende März ein Dreckecken-Meldetelefon unter der Nummer 115 einrichten und die Dresdner zu einem stadtweiten freiwilligen Frühjahrsputz aufrufen.

„Unsere Stadt ist an vielen Ecken vermüllt", ärgert sich Hausmeisterin Anja Serak, die seit Jahren freiwillige Säuberungsaktionen in Cotta mitorganisiert. „Leider sind die Bürger viel zu gleichgültig. Ich habe den Eindruck, dass sich vor allem Jugendliche keinen Kopf machen und ihre Pizza-Schachteln und Kaffeebecher immer achtloser wegwerfen. Kaum hat man irgendwo sauber gemacht, sieht es nach wenigen Tagen rings um Skater-Anlagen und andere Jugendtreffpunkte schon wieder wüst aus." Vielleicht, so sagt sie, sollte man „die Schulen nicht nur mit modernen Computerkabinetten ausstatten, sondern auch die Müllvermeidung im Unterricht behandeln".

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Einige Hundehalter haben am Wochenende die Elbwiesen vor allem vom tierischen Unrat befreit.

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Anscheinend ist dies nicht nur eine subjektive Einzelbeobachtung. So hat das Abfallamt 2011 insgesamt rund 663 Tonnen illegale Müllablagerungen festgestellt, etwa 23 Tonnen mehr als im Vorjahr. Die Stadt musste 2011 insgesamt 183.293 Euro aufwenden, um illegalen Müll zu entsorgen, 63 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zwar ist die Situation längst nicht mehr so dramatisch wie in der unmittelbaren Nachwendezeit, in der viele Dresdner ihre ausgemusterten DDR-Haushaltsgeräte und Trabbis einfach am Wegesrand abstellten. Der jüngste Anstieg ist aber nicht zu übersehen.

Auch die Zahl der Müll-Meldungen steigt: Musste das Abfallamt im 2010 genau 495 Aufträge an 750 Orten zur Beseitigung illegaler Ablagerungen auslösen, waren es 2011 bereits 573 Aufträge an etwa 850 Stellen. Im Januar und Februar 2012 kamen noch mal 100 Entsorgungsaufträge hinzu.

Als wahre Dreckecken erwiesen sich unter anderen der Seidnitzer Weg, die Fußwege der Inneren Neustadt und viele Winkel in Luga, auf der Jochhöh in Roßthal, in Rähnitz und im Gewerbegebiet Coschütz-Gittersee. Aber auch die Radwege am Weißeritz-Grünzug und zwischen Ostragehege und Cotta werden immer wieder vermüllt, ergänzt Serak. „Am Weißeritzgrünzug haben wir bei unserer letzten Sammelaktion sieben oder acht große Säcke rausgetragen", erzählt sie. „Es würde sicher schon helfen, wenn man mehr Papierkörbe aufstellen würde."

Allerdings kann man Stadt und Bürgern nicht vorwerfen, es geschehe nichts: So haben Abfallamtsleiter Detlef Thiel, City-Managerin Tanja Terrulli und der Stadtreinigungs-Chef Peter Hofinger eine Arbeitsgruppe gegründet, die die Müllsammelaktionen Freiwilliger in den Ortsämtern koordiniert. So werden sich vom 24. bis zum 31. März diesmal 18 Initiativen zum Frühjahrsputz „Sauber ist schöner!" zusammentun. In dieser Putzwoche will die Stadt auch ein neues Dreck-weg-Telefon unter der Behördennummer 115 freischalten, über das Bürger illegale Abfallecken melden können.

Noch nicht ihre Soll-Stärke erreicht hat derweil die Saubermann-Brigade der Ortsämter: Der Stadtrat hatte 2011 beschlossen, Beauftragte für Ordnung und Sauberkeit in den Stadtteilen einzusetzen. Da der Rat kein Geld für Extrapersonal bewilligte, wurden verwaltungsintern fünf Stellen umgewidmet: je ein Saubermann für zwei Ortsämter. Besetzt sind erst vier der fünf Stellen. „Für Cotta und Plauen fanden sich nicht genug geeignete Bewerber", erklärt Jörg Lämmerhirt, Ortsamtsleiter für Prohlis und Leuben, der den Restrukturierungsprozess begleitet. „Die Stelle wird aber noch besetzt."

Lämmerhirt hat keinen Zweifel, dass diese „Mitarbeiter für Ordnung und Sauberkeit" eine sinnvolle Lösung sind: „Das sind Leute mit Ortskenntnis", sagt er. „Sie haben zwar keine Vollstreckungsbefugnisse, können aber manches Problem im Gütlichen regeln, wo der formale Rechtsweg sehr lange dauern würde." Einerseits gehen diese Männer Bürgerhinweisen nach - und da ist alles dabei von der Dreckecke über Giftpflanzenwuchs am Spielplatz bis hin zu lärmenden Baustellen. Andererseits schauen die Saubermänner auch in eigener Initiative, wo sich Ärgernisse im Stadtteil auftun. Sind kleinere Müll-Ecken zu beseitigen, können sie auf die Hilfe von zwei Multicar-gerüsteten Kollegen pro Ortsamt zurückgreifen, größere Probleme werden an externe Firmen vergeben.

Sind private Grundstücke verwahrlost oder vermüllt, ist oft der Verhandlungsweg der schnellste, so Jürgen Schwager, der „Mitarbeiter Ordnung/Sauberkeit" für Prohlis und Leuben. „Vieles kann man auf der Gesprächsebene klären", sagt er. Beim Bahnhof Niedersedlitz zum Beispiel war der Zaun eines Grundstücks nahe am Lockwitzbach zusammengebrochen. Da keine „Gefahr im Verzug" war, hatten die Behörden keine Handhabe, den Eigentümer zur Eilreparatur zu zwingen. Deshalb redete Schwager mit dem Besitzer - nun wird der Zaun geflickt.

In einem anderen Fall hatten sich Radler beschwert, dass ein Weg von der Wilhelm-Weitling-Straße zur Elbe von den Anrainern her zuwucherte - auch hier vermied ein gütliches Gespräch einen langen Rechtsstreit über Anliegerpflichten und der Grundstückseigner stutzte die störende Hecke.

Allerdings geht es nicht immer friedlich und freundlich ab, das hat auch Schwager gemerkt: „Manchmal lassen die Leute ihren ganzen Dampf an mir ab, oft genug wird man nur angemotzt - da ist es schwer, ins Gespräch zu kommen", sagt er. „Ich will es mal so sagen: Ich lerne in meiner Arbeit den Menschen von all seinen Seiten her kennen."

Heiko Weckbrodt

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