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Immer mehr Crystal-Opfer landen in der Psychiatrie der Dresdner Uniklinik

Immer mehr Crystal-Opfer landen in der Psychiatrie der Dresdner Uniklinik

Die Zahl der Notfälle in der Psychiatrie des Uniklinikums Dresden ist stark gestiegen. Wurden vor fünf Jahren noch 300 Menschen eingewiesen, sind es im vergangenen Jahr schon 700 Patienten gewesen.

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Diese Grafik zeigt die akuten Vergiftungen durch Stimulanzien - zu denen Crystal gehört - mit Psychosen (rote Säule) und ohne Psychosen (blaue Säule).

Quelle: Uniklinikum

"Wir kämpfen mit einem riesigen Kapazitätsproblem", sagt Wilfried Winzer, kaufmännischer Vorstand am Dresdner Uniklinikum. Besonders die räumliche Enge auf der Akutstation sei für die Patienten und auch das Personal sehr belastend. "Wir kommen ans Limit." Die Station mit seinen 15 Betten sei im Schnitt zu hundert Prozent belegt. Häufig müssten Patienten wegen Überfüllung ihre Zeit sogar im Flur zubringen.

Ein Grund für die hohe Zahl der Notfälle sieht Michael Bauer, Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Uniklinikum, auch darin, dass immer mehr Crystal-Konsumenten in einem völlig verwirrten Zustand in der Notaufnahme landen. Crystal gilt derzeit als gefährlichste Droge auf dem Markt. Die stimulierende Substanz wird in illegalen Laboren unter anderem durch Sauerstoff-Abspaltung von dem Stoff Ephedrin hergestellt und ist für wenig Geld zu haben. Crystal führt in kürzester Zeit zum enormen körperlichen Verfall und zu irreversiblen Schäden am Nervensystem. "Ein Drittel aller eingelieferten Crystal-Patienten leiden an einer Psychose", so Bauer. "Sie verlieren den Sinn für die Realität, fühlen sich bedroht und verfolgt, sie befinden sich im klassischen paranoiden Wahn."

Seit dem Jahr 2010 ist die Zahl der Crystal-Patienten in der Akut-Psychiatrie dramatisch gestiegen. Von 2011 bis 2013 hat sich die Zahl dann noch einmal quasi auf 70 verdoppelt. "Mittlerweile landet mindestens einmal pro Woche ein Crystal-Konsument mit massiven Vergiftungen im Krankenhaus", erklärt Bauer. Die Hälfte dieser Patienten würde über Zwangseinweisungen per Polizei, Krankenwagen oder Feuerwehr in die Notaufnahme gebracht. "Dort mischen sie nicht selten die ganze Station auf."

"Crystal-Patienten sind häufig speziell und aggressiv", sagt auch Maximilian Pilhatsch, Oberarzt auf der Akutstation. "Die Wahnvorstellungen führen zu akuter Verängstigung." Nicht selten komme es zu Übergriffen auf andere Patienten und auch auf das Personal. Manchmal eskaliere die Situation so, dass die Patienten fixiert werden müssten. Das geschehe jedoch nur mit richterlicher Verfügung und nach strengen Regeln. "Wenn das eigene oder das Leben anderer in Gefahr ist, müssen wir handeln", erklärt Direktor Bauer. "Manche Patienten wollen im Wahn zum Beispiel aus dem Fenster springen, davor müssen wir sie bewahren."

Als besonders problematisch beschreiben die Ärzte das Zusammentreffen mit anderen Patientengruppen. Neben den Crystal-Opfern liegen auch demente, schizophrene und depressive Patienten. Auch sie müssen versorgt werden. Für bessere Bedingungen steht das Uniklinikum gerade in Verhandlungen mit dem Freistaat. "Das Thema hat sich rasant entwickelt", sagt Winzer. "Wir denken, der Handlungsbedarf wurde erkannt." Zwar seien zusätzliche Betten wichtig, am Dringlichsten sei jedoch einfach mehr Platz. "Mit größeren Räumen und mehr Rückzugsmöglichkeiten könnten wir die Spannung enorm herausnehmen", erklärt Direktor Bauer. Ihm schwebt ein Garten für die Patienten vor. Bislang haben diese nur eine kleine Terrasse im 3. Stock.

Doch wer sind eigentlich diese Crystal-Opfer? Welche Schicksale verbergen sich hinter den bloßen Zahlen? "Der Konsum zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten", sagt Bauer. "Nicht nur Sozialhilfeempfänger, sondern auch Akademiker mit einem hohen Bildungsniveau setzen auf die gefährliche Droge." Sie wirke berauschend und kurzfristig leistungssteigernd, deswegen sei die Droge für viele Menschen attraktiv.

"Die Crystal-Problematik steht jedoch nur exemplarisch für eine viel größere Herausforderung", sagt Bauer. "Die Schwachen verlieren den Anschluss an die Gesellschaft, die Zahl vieler psychischen Krankheiten und Störungen ist enorm gestiegen." Psychische Krankheiten dürften nicht mehr länger an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.04.2014

Katrin Tominski

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