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Im "Lindenhof" laufen die Vorbereitungen für die Unterbringung von 30 weiteren Flüchtlingen

Im "Lindenhof" laufen die Vorbereitungen für die Unterbringung von 30 weiteren Flüchtlingen

Es ist 9 Uhr. Für einen Journalisten früh. Sehr früh. Offensichtlich auch für die Asylsuchenden, die im ehemaligen Hotel "Lindenhof" in Dresden-Stetzsch ein vorübergehendes Zuhause gefunden haben.

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Heimleiter Daniel Molitor und seine Mitarbeiter sind damit beschäftigt, den Festsaal mit Betten und Schränken auszustatten.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.

In den Fluren herrscht gähnende Leere. Auch die Gemeinschaftsküche für die 40 Männer aus Syrien, Afghanistan, Indien oder dem Irak zeigt sich verwaist. "Sie starten ihren Tag selten vor 10 Uhr", sagt Daniel Molitor, der das von Human Care betriebene Haus leitet.

Nebenan ein anderes Bild: Im Festsaal laufen dieser Tage die Vorbereitungen für die Unterbringung von 30 weiteren Männern auf Hochtouren. Eigentlich sollten die Flüchtlinge bereits am Mittwoch ihr neues Übergangs-Zuhause beziehen. "Aber der Sanitärbereich ist noch nicht fertig. Das geben wir so nicht frei", sagt Molitor bestimmt. Ohnehin hat der gelernte Elektroinstallateur klare Vorstellungen, wenn es um die Unterbringung in "seinem" Haus geht. Von Sanitär-Containern wollte er nichts wissen, aneinandergereihte Feldbetten - das Bild, das aus der Dresdner Zeltstadt oder den TU-Turnhallen bekannt ist - gibt es im Übergangswohnheim an der Podemusstraße nicht. "Sie von einem unschönen Leben in das nächste zu transportieren, macht keinen Sinn. Die Männer sollen sich hier wohlfühlen", sagt Molitor.

Deshalb hat er für jeden einzelnen, der im Festsaal voraussichtlich ab kommender Woche unterkommt, richtige Betten besorgt. Kleiderschränke zwischen den Schlafplätzen sorgen für ein wenig Privatsphäre. Im ehemaligen Hotel selbst geht es komfortabler zu. Die Asylsuchenden sind in Ein- bis Vierbettzimmern untergebracht, samt Bad mit Dusche und WC. Verschlafen öffnen uns die Männer ihre Türen, bitten uns herein, lassen sich fotografieren. Und blicken dankbar drein, wenn auch etwas müde.

Tatsächlich scheinen die Flüchtlinge mit dem "Lindenhof" und dessen Leiter einen Glückstreffer gelandet zu haben. "Ich kann die Männer nicht einfach nur unterbringen, das wäre, als würde ich Gemüse einlagern", sagt Molitor. Also gibt er ihnen Aufgaben. Gemeinsam mit vielen Unterstützern bietet er sechs Mal die Woche Deutschkurse an, dazu unter anderem Gärtner-, Hauswirtschafts-, EDV- und Kochkurse. Geplant ist zudem ein Mathematikkurs, um den "Wissenshunger zu stillen", so der Heimleiter. "Integration geht nicht von jetzt auf gleich. Deshalb ist es wichtig, dass die Männer unheimlich schnell Deutsch lernen, um Praktikum und Ausbildung anfangen zu können", findet der 32-Jährige. Er selbst setzt sich für die Flüchtlinge ein, hat beispielsweise einen Tischler angesprochen und dort um eine Praktikumsstelle für einen seiner Männer gebeten.

Acht Stunden Arbeitszeit reichen Molitor selten aus. Eine Couch im Büro steht immer dann bereit, wenn der Tag zu wenig Stunden hatte. Auch deshalb, weil er den Asylsuchenden ein Gefühl von Sicherheit geben möchte. "Wenn ich da bin, passiert euch nichts", ist das Credo. Nachts schaut zudem ein Wachdienst nach dem Rechten. Unbegründet sind die Sorgen nicht. Noch vor dem Einzug der Flüchtlinge standen auch an der Podemusstraße Bürger, die mit der Unterbringung nicht einverstanden waren. Es gab einen Stinkbomben-Anschlag, sieben Scheiben sind zu Bruch gegangen.

Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt, wie Molitor erzählt. Anwohner, die zunächst um ihre Kleingärten besorgt waren, bringen mittlerweile überschüssiges Obst in den "Lindenhof". Auch den Rechtsradikalen hat sich Molitor in den Weg gestellt. "Die habe ich totgequatscht", wie er sagt. Ausschließen, dass in der kommenden Woche erneut "besorgte Bürger" vor dem Übergangswohnheim stehen werden, kann er aber nicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.09.2015

Christin Grödel

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