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Im Angesicht des Elends - "Arche Nova" verhilft Millionen Menschen zu Trinkwasser

Im Angesicht des Elends - "Arche Nova" verhilft Millionen Menschen zu Trinkwasser

Die Dresdner "Arche Nova" gilt als größte ostdeutsche Hilfsorganisation und als Spezialist für Wasserversorgung. Nach Einsätzen in 15 Ländern hat die Initiative bislang 1,2 Millionen Menschen mit Wasser versorgt.

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Sven Seifert

Quelle: Christian Juppe

Selbst die größten internationalen Organisationen greifen gern auf die Hilfe der Dresdner zurück. DNN sprachen anlässlich des heutigen Weltwassertages mit Arche-Nova-Geschäftsführer Sven Seifert über Krisen, Idealismus und menschliches Leid.

Frage: Herr Seifert, morgen fügen die Dresdner auf dem Altmarkt 780 Papiertropfen zusammen. Sie stehen für 780 Millionen Menschen ohne ausreichende Trinkwasserversorgung. Was will die Arche Nova erreichen?

Sven Seifert: Unser Motto lautet: Jeder Tropfen zählt. Genau das wollen wir dieses Jahr zum Weltwassertag sichtbar machen. Dass aus vielen kleinen Beiträgen etwas Großes entsteht, gilt auch für unsere Arbeit in den Projektgebieten, die ohne die Unterstützung vieler Menschen hierzulande nicht möglich wäre.

Im Jahr 1992 sind Sie mit Freunden und einem 30 Jahre alten NVA-Tatra-Sattelschlepper in das irakische Kurdistan aufgebrochen, um Hilfsgüter zu verteilen. Heute ist die "Arche Nova" ein weltweit gefragter Spezialist. Traum oder Selbstverständlichkeit?

Selbstverständlich ist das für uns nicht. Als wir den Verein gegründet haben, war nicht abzusehen, dass wir zu einer internationalen Organisation erwachsen. Eigentlich wollten wir ehrenamtlich arbeiten, nur wenige hatten die Vision, dass Projekt zu einem Lebenswerk werden zu lassen. Abgesehen davon gab es große Krisen. Im Jahr 1997 waren wir fast zahlungsunfähig. Die langfristige Finanzierung war schwierig, eine Spezialisierung überfällig.

Wo lagen und liegen die Schwierigkeiten?

Naturkatastrophen lassen sich nicht planen. Ebenso wenig sind Spendenbereitschaft und mögliche Förderungen genau kalkulierbar. Die finanzielle Basis ist also - positiv ausgedrückt - flexibel. Deswegen sind die Löhne, die wir bieten können, gering. Unsere Arbeit erfordert ein großes Maß an Idealismus und äußere Flexibilität von unseren Mitarbeitern. Abgesehen davon mussten wir lernen, Selbstbewusstsein zu entwickeln, um im Wettbewerb gegen andere renommierte Organisationen zu bestehen.

Vom Idealistenprojekt zur internationalen Organisation. Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir haben uns in einem ständigen Veränderungsprozess immer wieder angepasst, ohne unseren Idealismus zu verlieren. Ein Stück des Erfolgs ist vielleicht auch eine gewisse ostdeutsche Improvisationsfähigkeit. Hier hat uns vielleicht die politische Wende 1989 mit ihren Nachwehen geholfen. Wir sind es gewöhnt, keine Sicherheit zu haben.

Trotz aller Professionalisierung ist Arche Nova eine kleine Organisation. Wie gehen Sie mit der starken Konkurrenz um?

In den 1990er Jahren wurden wir von Kollegen großer Hilfsorganisationen belächelt, als wir mit alten Lkws und selbst gesammelten Hilfsgütern in die Kriegsgebiete des ehemaligen Jugoslawien fuhren. Mittlerweile betrachtet man uns als gleichberechtigte Partner. Als Spezialisten für Wasser sind wir gefragte internationale Experten. Schwieriger ist es, bei der Spenden-Akquise mit den großen Hilfeorganisationen mithalten zu können. Wo diese ganze Straßenzüge plakatieren können, bleibt uns nur Geld für wenige Poster. Das macht den Kampf um Spender schwierig. Ohnehin stehen immer mehr Organisationen einer etwa gleichbleibenden jährlichen Spendensumme von sechs Milliarden Euro gegenüber. Wir freuen uns über die Spender aus Dresden und die ideelle Unterstützung durch die Stadt im Rahmen des bundesweiten Bündnisses "Dresden hilft". Überregional müssen wir jedoch zukünftig mehr Spender gewinnen.

Sie bewegen sich seit Jahren in den Krisengebieten der Welt. Wie können Sie das ertragen?

Natürlich gibt es gibt immer wieder Momente, in denen es mir schwerfällt, mit der Not und Ungerechtigkeit zurecht zu kommen. Momente, in denen ich das Elend nur schwer ertragen kann. Nicht nur bei Naturkatastrophen, sondern speziell bei Kriegen - wie in Syrien - die verhindert werden können. Doch wenn man spürt, dass man nur einer Familie das Überleben ermöglichen kann, dann lohnt es sich wieder.

Was war das Schlimmste, was sie je erlebt haben?

Die Katastrophe in Haiti hat mich am meisten erschüttert. Noch nie habe ich so viele Leichen auf solch engem Raum gesehen. Noch nie habe ich eine Gesellschaft erlebt, die so schwach war, mit der Katastrophe klarzukommen.

Verändert sich durch dieses immerwährende Elend das Weltbild? Sind Tod, Krankheit, Gewalt, Ausbeutung und Armut nicht genug Gründe, zum Misanthropen zu werden?

Man kann diesen Job nur machen, wenn man optimistisch bleibt. Für mich gibt es nicht das Böse im Menschen, wie es Hobbes mit dem Satz "Der Mensch ist dem Mensch ein Wolf" postuliert. Die Verhältnisse machen die Menschen böse. Ändert man sie - wenn auch mit den kleinsten Mitteln - legt man einen Baustein für das Gute, das Bessere, das Leben. Katrin Tominski

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.03.2013

Katrin Tominski

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