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"Ich habe keine Angst vor Bomben, aber Respekt!" Thomas Lange entschärfte Dienstag die Dresdner Fliegerbombe

"Ich habe keine Angst vor Bomben, aber Respekt!" Thomas Lange entschärfte Dienstag die Dresdner Fliegerbombe

"Sprengen hält jung", sagt Thomas Lange. Und da muss was dran sein. Der Mann ist 62, doch das sieht man ihm nicht an. Sachsens bekanntester "Bombenexperte" ist meist entspannt und locker.

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"Sprengen hält jung", sagt Thomas Lange.

Quelle: Joern Haufe/dapd

Angst vor Bomben habe er nicht, aber Respekt, sagt er. Der Maschinenbauingenieur arbeitet seit 25 Jahren bei der Kampfmittelbeseitigung. "Ich war bei einem Polizeitransportunternehmen und wurde 1987 gefragt: ,Willst du das machen'? Ich habe zugesagt und dann von der Pike auf gelernt. Eigentlich mein Traumberuf. Ich habe schon als Kind alles auseinandergenommen und wieder zusammengebaut." Unzählige Bomben hat er seitdem entschärft - Nummer 299 vorgestern in Dresden. Dabei ist dies der geringste Teil der Arbeit, die er und sein Team leisten. Der tägliche Kleinkram ist unspektakulär, aber ebenso wichtig. 400 Tonnen Munition werden jährlich geborgen und müssen vernichtet werden. Das passiert in der Munitionsvernichtungsanlage Zeithain. Die Munition wird zersägt und danach umweltgerecht verbrannt - das ist fast schon "Bio". Natürlich geht dies nicht alles auf einmal, also muss zwischengelagert und ständig kontrolliert werden. "Da verbietet sich die Frage, was machen die, wenn keine Bombe gefunden wird, von selbst", findet Lange.

Rund 1000 Einsätze absolviert die Truppe pro Jahr. Überall gibt es noch Kriegshinterlassenschaften. Da muss man nicht nur die technischen Details kennen, sondern auch wissen, welche Kampfhandlungen es gab es und was wo abgeworfen wurde und von wem. "In Ostsachsen gibt es weniger Bomben, aber viel Munition, das hängt mit der Front zusammen", erklärt Lange. "Dafür finden sich in Großstädten wieder mehr Bomben". Dresden ist dafür ein Paradebeispiel. Die meisten werden bei Bauarbeiten entdeckt. Es gibt eine Belastungskarte, wo Sprengkörper liegen könnten. Gibt es Erkenntnisse, dass dieses Gebiet belastet ist, kontrollieren wir es. Wird etwas gefunden, wird immer versucht zu entschärfen, funktioniert das nicht, wird der "Findling" abtransportiert. Sprengungen vor Ort sind gefährlich und die absolute Ausnahme. "Ich musste mal in Leipzig sprengen. Daneben stand ein Autohaus voller neuer Autos. Ich bin hin und sagte dem Geschäftsführer: "Können Sie die mal schnell wegfahren, ich will jetzt sprengen. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen." Entstehen bei einer Sprengung Schäden, prüft übrigens der Staatsanwalt, ob diese vermeidbar gewesen wären. Da kann es auch mal Ärger geben. Lange hat sich daran gewöhnt. "Ich hab ein dickes Fell."

Andere offenbar nicht. In reichlich zwei Jahren geht er in Rente. Einen Nachfolger zu finden war schwierig. Ist uns zu kompliziert, hieß es immer. Mittlerweile arbeitet er einen Kandidaten ein. Dabei geht es nicht um die fachliche Qualifikation, die ist topp, sondern um das Drum und Dran. Wie weit wird abgesperrt? Wie setzt man sich durch? Wie erklärt man einem Geschäftsführer, dass seine Firma geräumt werden muss, wie dem Leiter eines Altenheimes, dass die Bewohner evakuiert werden müssen? "Das alles kostet Zeit, Geld und Nerven. Und man muss die eigenen Leute motivieren - wer schlechte Laune hat, arbeitet schlecht. Ich muss mich aber darauf verlassen können, dass meine Leute mitdenken", erklärt Lange.

Und man darf den Humor nicht verlieren. "Eine Oma in Glashütte hatte vor Jahren im Garten eine Mine gefunden. Die Anwohner standen alle am Zaun. Da kam bei mir schon Freude auf. Die Oma erklärte mir dann, das sei eine Panzermine. Das Teil war eine komische Halbkugel mit Drähten und Maschengitter. ,Ich weiß nicht, was das ist, aber auf keinen Fall eine Mine', habe ich gesagt. ,Was dann?', fragte die Oma. Zwei Stunden habe ich das Teil zerlegt. Es war ein Marinelautsprecher von einem Schiff. Ich habe keine Ahnung, wo der herkam. Aber ich sage nie wieder: ,Das weiß ich nicht'"!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.01.2013

Monika Löffler

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