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„Ich habe darauf vertraut, dass es heilbar ist“

Wolfgang Schaller „Ich habe darauf vertraut, dass es heilbar ist“

Nein, sagt Wolfgang Schaller. Er habe keine schlechte Stunde gehabt. Sich auch nie gefragt: „Warum gerade ich?“ „Ich konnte diese Zuversicht leben. Es ist so wichtig, welche Haltung man dazu einnimmt.“ Noch ist der Intendant der Staatsoperette Dresden gezeichnet von den Folgen der Chemotherapie.

Wolfgang Schaller auf dem Gelände der Staatsoperette in Leuben. Auch eine Baracke gehört zu den Altbauten.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Nein, sagt Wolfgang Schaller. Er habe keine schlechte Stunde gehabt. Sich auch nie gefragt: „Warum gerade ich?“ „Ich konnte diese Zuversicht leben. Es ist so wichtig, welche Haltung man dazu einnimmt.“ Noch ist der Intendant der Staatsoperette Dresden gezeichnet von den Folgen der Chemotherapie. Seine Wangen sind glatt wie bei einem Jungen, die Augenbrauen fehlen. Er trägt Mütze. „Ich will nicht als Kojak herumlaufen“, spielt er auf den glatzköpfigen Polizisten aus einer amerikanischen Serie an, „außerdem ist es ziemlich kalt am Kopf.“

Er wollte sich nicht von der Krankheit in die Knie zwingen lassen, er wollte sich nicht seinen Lebensablauf diktieren lassen. „Ich bin die ganze Zeit spazieren gegangen im Großen Garten“, sagt er, und in seinem Büro in Leuben schaute er sowieso regelmäßig vorbei. „Montag war ich arbeiten, Dienstag hatte ich Chemo, danach brauchte ich etwas Erholung, aber dann bin ich wieder auf Arbeit gegangen“, schildert er den Ablauf. Seine Ärztin habe ihm gesagt, dass er alles machen dürfe, was Spaß macht, begründet er verschmitzt, warum er von der Arbeit nicht lassen konnte.

Dezember 2015. Die Staatsoperette steckt mitten in den Vorbereitungen für den Umzug in ihren Neubau im Kraftwerk Mitte. „Es war ein geschwollener Lymphknoten. Als ich ihn entdeckt habe, bin ich sofort zu meiner Hausärztin gegangen“, schildert der 64-Jährige. „Sie hat mich in die Klinik geschickt, weil sie etwas geahnt hat.“ Non-Hodgkin-Lymphom lautete die Diagnose: Krebs. „Es hätte auch zu jedem anderen Zeitpunkt kommen können. Ich fühlte mich nicht überarbeitet oder gestresst“, schätzt Schaller ein. Die Hälfte bis zwei Drittel seiner Arbeitszeit habe er mit dem Einzug in den Neubau verbracht.

Er sei gelassen und optimistisch mit der Krankheit umgegangen, sagt Schaller. „Ich habe darauf vertraut, dass es heilbar ist und ich zu den Patienten gehöre, die geheilt werden.“ Eigentlich habe es keinen Moment gegeben, in dem er sein bisheriges Leben in Frage stellen musste, sagt der Intendant nachdenklich. „Es gab für mich keinen Grund, etwas anders zu machen. Ich spüre so viel Vorfreude auf die neuen Aufgaben in dem neuen Haus.“

Er sei nicht Intendant geworden, um Häuser zu bauen, so Schaller, sondern um mit dem Ensemble schöne Inszenierungen auf die Bühne zu bringen. Doch nach Görlitz erlebt er nun schon zum zweiten Mal den Einzug in etwas Neues. „Das Haus ist die Hülle, um Kunst machen zu können“, sagt er. „Jetzt haben wir bald ganz andere Möglichkeiten, unser Publikum zu überzeugen.“

Zum ersten Mal in seinem Leben habe er während der Chemotherapie die Erfahrung machen müssen, dass die Kraft nicht in dem Maß vorhanden ist, wie er es gerne gehabt hätte, sagt er. Zu Ostern sei es gewesen, da sei er Treppen lieber herunter- als heraufgestiegen. Er habe sich gut betreut gefühlt in der Onkologischen Gemeinschaftspraxis in der Arnoldstraße. „Fachlich kann ich ja nicht einschätzen, was mit mir gemacht wird. Doch es ist ganz wichtig für einen Patienten, wie die Praxis auf ihn wirkt.“ Der Arzt habe ihm gesagt, dass es eine 90-prozentige Heilungschance gibt dank moderner Medikamente. „Darauf habe ich vertraut. Ich hatte wohl Glück im Unglück.“

Er sei offen mit der Erkrankung umgegangen, habe sich nicht zurückgezogen. „Ich war hier im Haus, in der Oper. Ich habe frühzeitig darüber gesprochen. Sonst schießen nur die Gerüchte ins Kraut und dann ist man für die Öffentlichkeit schneller tot, als man schauen kann“, sagt der Intendant. Viele liebenswürdige Botschaften hätten ihn erreicht, viele Menschen hätten ihm Mut gemacht. Er bedankte sich bei allen – standesgemäß mit einem Operettenzitat aus „La Périchole“ von Jacques Offenbach auf einer Karte: „Mein Arzt ist guter Dinge – und ich auch“.

Sein Kraftniveau sei noch nicht bei 100 Prozent, sagt Schaller. „Meine Ärztin meint immer, sie hätte noch nie einen Patienten erlebt, der eine Chemotherapie so gut weggewettert hat“, so der gebürtige Schweriner. Jetzt stehen drei Wochen Kur an und damit Neuland für den Intendanten. „Das werde ich ganz bewusst nutzen, um wieder auf den alten Stand zu kommen.“ Viel Zeit für Kontakte mit der Staatsoperette werde er in Bad Collmberg in Thüringen wohl nicht haben, ahnt er. „Aber ich habe ein tolles Team. Es hat mir so viel Mut gemacht, zu spüren, wie gut die Mannschaft funktioniert.“ Die Operette sei bestens vorbereitet auf das neue Haus, und einen Termin gibt es noch vor Antritt der Kur: Am 18. Mai stellt Schaller mit seinen Kollegen den neuen Spielplan vor. Auf einer Pressekonferenz, natürlich im Kraftwerk Mitte.

„Ich habe die Dinge angenommen und mich darauf eingestellt“, sagt Schaller. Das habe ihm geholfen, den Krebs zu besiegen. „Vielleicht kann mein Schicksal anderen Betroffenen etwas Mut machen.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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