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"Ich bin tief berührt" - Gerhard Richters Tante erhält in Dresden einen "Stolperstein"

"Ich bin tief berührt" - Gerhard Richters Tante erhält in Dresden einen "Stolperstein"

Ein hübsches Mädchen mit hellem Pagenkopf lächelt den Betrachter an. Fast scheint sie den Geruch des Säuglings vor ihr zu atmen, der angestrengt das Köpfchen hebt.

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Der Besitzer des Gemäldes «Tante Marianne» von Gerhard Richter aus dem Jahr 1965, Pierre T.M. Chen aus Taiwan.

Quelle: dpa

Der vier Monate alte Junge auf dem Gemälde ist Gerhard Richter, das 14 Jahre alte Mädchen dahinter seine Tante Marianne Schönfelder (1917-1945). Richter zählt heute zu den bedeutendsten Künstlern der Gegenwart. Seine Tante wurde kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs Opfer des Nazi-Rassenwahns.

Ein Stolperstein wird künftig an ihr Schicksal erinnern - an Marianne Schönfelders letzten selbst gewählten Wohnort in Dresden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig, der seit Jahren an die Opfer der NS-Zeit erinnert, lässt eine Gedenktafel aus Messing ins Trottoir ein. An diesem Sonntag ist es so weit an der Köpckestraße in Dresden.

Wenige Stunden zuvor wird Demnig für sein Engagement geehrt. Denn er verlegte seit 1997 mehr als 38.000 Stolpersteine, die es mittlerweile in zwölf europäischen Ländern gibt. Allein in Deutschland sind es fast 800 Orte. "Stolpersteine können zwar keinen Grabstein ersetzen, aber manche sehen es so, weil ein Ort zur Erinnerung gefunden wurde", sagt Demnig. Er erhält nun den mit 10.000 Euro dotierten Erich-Kästner-Preis des Presseclubs Dresden.

Marianne Schönfelder war 1939 als 21-Jährige mit der Diagnose Schizophrenie in die Psychiatrie eingewiesen und zwangssterilisiert worden. Insgesamt verbrachte sie sieben Jahre in nationalsozialistischen "Heil- und Pflegeanstalten", ehe sie im Februar 1945 starb: an Medikamentenüberdosierung, systematischer Mangelernährung und unzureichender Pflege. Sie war eines von fast 8.000 Euthanasie-Opfern in der Psychiatrischen Anstalt Großschweidnitz und wurde in einem Massengrab beerdigt.

Richter selbst hat nach eigenem Bekunden nichts vom Leidensweg seiner Tante gewusst, als das Bild 1965 entstand. An diese Zeit habe er leider keine Erinnerungen, sagt der heute 80-Jährige. Das Gerhard-Richter-Archiv bei den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Dokumente und Materialien aus dem Atelier des Malers verwahrt, regt den Stolperstein an und finanziert ihn. "Ich finde es ganz großartig, dass es so eine Initiative gibt und dass diese dann auch tatsächlich verwirklicht wird", betont Richter. "Ich bin tief berührt und gleichzeitig sehr erfreut darüber."

dpa

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