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IBAS lotst Zuwanderer durch den Ämterdschungel

IBAS lotst Zuwanderer durch den Ämterdschungel

Ahmad Ebadollahi aus Teheran oder Noelia Santana Rios aus Gran Canaria wollen nicht mehr öffentlich darüber reden, wie ihr langer Weg in Richtung deutscher Arbeitsmarkt verlaufen ist.

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Fragen über Fragen- vom Aufenthaltsstatus über Strategien zur Anerkennung, den Möglichkeiten der Sprachförderung bis hin zu ganz persönlichen Sorgen- gab es am Gemeinschaftsstand "Willkommen in Sachsen - Zuwanderung und Arbeitsmarkt" auf der Messe KarriereStart, die am Sonntag in Dresden zu Ende gegangen war.

Quelle: exis

"Anfragen gibt es ohne Ende", sagt Kay Tröger. Der Koordinator des Netzwerks IQ Sachsen verweist auf die aufgeheizte Stimmung in Dresden und bittet um Nachsicht.

Wir reden über Zuwanderer

"Wir reden übrigens von Zuwanderern", stellt er klar. Nicht von Asylbewerbern, nicht von Flüchtlingen, nicht von Ausländern. "Die Gruppenbildung ist völlig kontraproduktiv, wenn wir ein klar strukturiertes System wollen, das alle Neuankömmlinge durchlaufen. Egal ob sie mit oder ohne vorweisbare Zeugnisse in Sachsen auf Arbeitssuche sind." Das, so Tröger, treffe eben auf den Iraner ohne Papiere genauso zu wie auf den Lehrer aus Bayern, der schauen muss, ob sein Abschluss hier gilt.

Natürlich gibt es Unterschiede, und natürlich ist man von einem transparenten System noch himmelweit entfernt. Das weiß auch Tröger. Aber die gute Nachricht ist: "Endlich beginnen all die Anlaufstellen, - Arbeitsämter, Jobcenter, Kammern, Ausländerbehörden, Kommunen, Land und Bund - miteinander zu reden", fangen an, ihre Arbeit zu verzahnen, sich inhaltlich abzusprechen, Leerlauf abzubauen. Die Zuwanderer haben etwas davon: eine nachvollziehbare Ablaufstruktur für die nächsten Wochen, Monate, Jahre.

IBAS - die Informations- und Beratungsstelle Anerkennung Sachsen - betreibt seit Jahren unter dem Dach des IQ Netzwerks Grundlagenarbeit. Gegenwärtig mit mageren drei Beratern in Dresden und - noch magerer - jeweils anderthalb in Leipzig und Chemnitz besetzt, erfahren Zuwanderer hier genau, wer ihnen wo, wann, wie und womit genau weiterhelfen kann. "Egal, ob es um eine italienische Familie geht oder einen Asylsuchenden aus Syrien", so Tröger. Seit 2011 hat IBAS mehr als 2000 Anfragen bearbeitet, überwiegend melden sich Frauen, die meisten Anträge stellen russische Staatsangehörige (13 Prozent).

Allein in Sachsen gebe es 61 Anerkennungsstellen, die für jeden hier zugelassenen Beruf zuständig sind. Und es gibt 10 400 ausländische Bildungsabschlüsse, die im Freistaat nicht ohne weiteres anerkannt werden, aber als nutzbares Potenzial gelten. "An wen genau man sich im Behörden- und Förderdschungel wenden muss - das wissen die IBAS-Berater. Sie lotsen ihre Schützlinge da durch", sagt der Netzwerk-Koordinator. Sie sprechen Englisch, Französisch, Russisch, doch oft muss ein Dolmetscher ran.

Zuvor aber muss klar sein, welche Qualifikationen, welche Sprachkenntnisse, welche Besonderheiten die arbeitswilligen Zuzügler haben. Da ist es meistens nicht getan mit der Übersetzung von Urkunden, wenn denn überhaupt welche da sind. Für die allermeisten Hilfesuchenden steht ein Deutschkurs ganz oben auf der Liste.

Sprachkurse Mangelware

So einen Kurs belegen zu können, ist jedoch trotz vieler Erleichterungen seit dem vergangen Jahr nicht so einfach. Denn wegen der enorm gewachsenen Nachfrage war im zweiten Halbjahr 2014 die Bundeskasse für die Kurse leer. Extrem kontraproduktiv, denn die deutsche Sprache ist das A und O für die vielgerühmte Integration. Außerdem kann nicht jeder Deutsch lernen, der will. Zuwanderer, die schon ein bisschen Deutsch können (Level A1) und die als potenzielle Fachkraft für den Arbeitsmarkt gelten, dürfen sofort einen Kurs belegen und sich auf Level B1 hocharbeiten. Noch toller ist dann Level B2 - fachbezogenes Deutsch.

Wer nur andere Sprachen spricht, hat es schwer. Sollte er so toll qualifiziert sein, dass nach Fachkräften suchende hiesige Firmen ihn vom Fleck weg einstellen würden, darf er hoffen. Wenn nicht, muss er hoffen und beten. Das um so mehr, als der Bund jährlich zwar 60 Millionen Euro für Sprachkurse bereitstellt, aber absehbar ist, dass die Summe vorn und hinten nicht reicht. "Damit", so Christoph Sander vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), "ist eine Teilnahme für Bleibeberechtigte leider nur begrenzt möglich".

Neue Partner im Visier

"Da muss viel mehr parallel laufen", klagt Kay Tröger, obwohl er glücklich ist, dass sich gerade so viel bewegt. Er hofft, bei der derzeit fast ausschließlich bundesfinanzierten Arbeit des IQ Netzwerks zeitnah das Land Sachsen mit ins Boot holen zu können, Gespräche mit den Ministerien für Integration, Arbeit und Inneres seien angelaufen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.01.2015

Barbara Stock

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