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Holger Knutas aus Niederpoyritz hat die Flut zum zweiten Mal erwischt

Holger Knutas aus Niederpoyritz hat die Flut zum zweiten Mal erwischt

Bei der Flutkatastrophe 2002 stand die Elbe bei Holger Knutas in Niederpoyritz im Wohnzimmer. Diesmal sieht es so aus, als hätte die braune Brühe nur den Keller erwischt.

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Holger Knutas sammelt Treibgut rund um sein Anwesen ein. Er wohnt an der Laubegaster Straße in Niederpoyritz. In seinem Haus hat das Wasser fast die Kellerdecke erreicht. Noch anderthalb Treppenstufen, dann schwappt die Elbe ins Wohnzimmer. Knutas und seine Frau Kathrin sind in ihrer Wohnung geblieben. "Seit es keinen Strom und keine Heizung mehr gibt, ist es lausig kalt und nass", berichtet er.

Quelle: Dietrich Flechtner

Das ist immer noch schlimm genug.

Frage: Wie sieht es im Moment bei Ihnen zu Hause aus?

Holger Knutas: Ich komme gerade von dort. Wir können jetzt nichts mehr machen, sondern nur warten, dass der Pegel fällt. Noch anderthalb Treppenstufen im Haus, dann schwappt die Elbe ins Wohnzimmer. Das Wasser hat die Kellerdecke fast erreicht. Wir hoffen, dass das Erdgeschoss diesmal verschont bleibt und wir mit einem blauen Auge davonkommen.

Sie haben trotzdem zu Hause übernachtet...

Meine Frau wollte nicht weg. Es ist lausig kalt, wenn die Sonne nicht scheint. Und es ist nass. Ich komme nur noch mit nackten Beinen durch. Die Gummistiefel laufen schon voll. Der Strom ist abgeschaltet, die Heizung ausgebaut. Die Nachbarn, deren Häuser etwas höher liegen, die pumpen alle noch wie die Wilden, damit das Wasser nicht die Kellerdecke erreicht. Bei uns läuft die Elbe schneller herein, als ich sie jemals wieder hinausbefördern könnte.

Wie haben Sie sich auf die Flut vorbereitet?

Montag früh, als absehbar war, dass das Wasser hochkommen wird bis zu uns, haben wir den Keller komplett ausgeräumt und alles bei Freunden untergestellt - Waschmaschine, Trockner, Gefriertruhen, Tischtennisplatte. Der Heizungsmonteur ist gekommen und hat alles abgebaut, was an der Heizung kaputtgehen könnte. Am Dienstag dann haben wir das Erdgeschoss leer geräumt. Das komplette Lehrerkollegium der Hutbergschule Weißig ist angerückt. Das war irre. Meine Frau ist ja dort Lehrerin. Vor allem sind die Leute mit der entsprechenden Distanz an die Sache herangegangen. Haben Dinge einfach eingepackt und weggeräumt, wo wir noch überlegt haben, ob wir sie nicht drin lassen sollten. Meine aufwendig installierte Stereo-Anlage war weg aus dem Wohnzimmer, so schnell konnte ich gar nicht gucken.

Also sind die Leute ähnlich hilfsbereit wie vor elf Jahren?

Ja, auf jeden Fall! Die Anteilnahme ist groß. Bei uns waren inzwischen vielleicht 50 Helfer im Ganzen da, die die Möbel mit herausgeschleppt haben. Vorhin kam von unserem pensionierten Pastor die Frau vorbei und sagte: Also wir machen heute Abend einen riesigen Kessel Suppe, es ist Brot und Kaffee da, kommen Sie einfach rein. Die beiden haben noch Strom. 2002 bin ich ja bei der Diakonie gewesen und habe 700 Euro Soforthilfe bekommen - dank der Spenden der DNN-Leser. Der Schaden beim ersten Mal belief sich auf 240 000 Euro im Ganzen.

Wie fühlen Sie sich im Vergleich zur Hochwasserkatastrophe 2002?

Wir sind wesentlich organisierter und entspannter, weil wir eine Ahnung von dem hatten, was kommt. Nicht so toll war, dass bis zu uns nach Niederpoyritz so gut wie keine Informationen gelangt sind. Wir mussten uns aufs Radio verlassen. Das hörte schlagartig auf, als der Strom weg war. Das war Mittwoch früh kurz nach Mitternacht. Und sobald du nicht mehr auf Arbeit bist, bist du abgeschnitten von der Welt. Und dann kommen nur noch Gerüchte. Da wurde von 11,50 Metern gesprochen.

2002 stand das Wasser ja bereits im Wohnzimmer...

Ja, an der Unterkante der Heizung. Das haben wir damals nicht für möglich gehalten, weil unser Haus ja einige hundert Meter weg von der Elbe liegt. Drei Wochen zuvor hatten meine Frau und ich unseren Jahresurlaub darauf verwendet, um das Erdgeschoss komplett neu vor- und einzurichten. Als das Wasser schließlich weg war, haben wir Maulwürfe, Fische und selbst Ratten im Wohnzimmer gefunden.

Was haben Sie verändert in Ihrem Haus nach der Flut von 2002?

Wir haben den Keller gefliest, so dass wir nur noch mit dem Hochdruckreiniger durch müssen, wenn die Brühe wieder abgeflossen ist. Ansonsten gibt es nicht so viel, was du ändern kannst. Die Bodenplatte muss nach wie vor durchlässig bleiben, damit es das Haus nicht hochhebt.

Was steht Ihnen, Ihrer Familie diesmal bevor, wenn sich die Elbe zurückzieht?

Der Garten ist verwüstet. Wir haben ja etwa 300 Quadratmeter Garten am Haus mit Blumen und Gemüse. Das wird alles wieder eingehen. 2002 war es so, dass 80 Prozent der Blumenstauden das Hochwasser nicht überlebt haben. Ich hatte damals noch alte winterharte Sorten Chrysanthemen aus DDR-Zeiten mit großen Blüten und langen Stielen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 07.06.2013

Katrin Richter

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