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Hoffnungen im Nano-Bereich - Grundstücksverkauf zur Rettung des Nanoelektronikzentrums Dresden vor Scheitern

Hoffnungen im Nano-Bereich - Grundstücksverkauf zur Rettung des Nanoelektronikzentrums Dresden vor Scheitern

Es sollte die Rettung sein: Mit dem Verkauf von Immobilien an die Fraunhofer-Gesellschaft wollte Dirk Hilbert das Nanoelektronikzentrum Dresden retten. Immer wieder war dies vor der OB-Wahl zu hören.

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Neuer OB mit alten Problemen: Für das Nanoelektronikzentrum Dresden (im Hintergrund Haus 5 und 7) fehlt weiter ein Rettungsplan.

Quelle: A. Schneider/Montage: A. Eylert

Das Gründerzentrum für Unternehmen mit Aktivitäten im Bereich winzigster Teilchen steckt in erheblicher Finanznot. Jetzt sind es Hilberts Hoffnungen auf den Grundstücksverkauf, die sich im Nano-Bereich bewegen. Ein Sanierungskonzept muss der designierte OB dem Stadtrat schuldig bleiben, womöglich wackelt das ganze Projekt.

2007 wurde das Zentrum vor allem auf Initiative des damaligen Wirtschaftsbürgermeisters Hilbert gegründet, um im Bereich Nanoelektronik Wirtschaftsförderung zu betreiben. Das Nano-Zentrum, dessen Gesellschafterin die Stadt inzwischen zu mehr als 90 Prozent ist, kaufte für 4,4 Millionen Euro vier Häuser vom Zentrum für Mikroelektronik Dresden (ZMD) auf der Maria-Reiche-Straße. In den vier Häusern des Halbleiterherstellers sollten sich junge Unternehmen der Nano-Branche ansiedeln.

Das war sicher nicht zum Schaden der ZMD-Bilanz, für das Nanozentrum sind die vier Häuser (Hausnummer 1 bis 7) bis heute ein Klotz am Bein. Im Haus sieben mietete sich das ZMD wieder ein. Aufgrund des maroden Zustands der Fenster kam es zu Mietminderungen. Für das Gesamtprojekt mit einem Umfang von 13,4 Millionen Euro hatte der Freistaat Sachsen Fördermittel in Höhe von 7,4 Millionen bewilligt, die Eigenmittel der Gesellschaft sollten bei knapp sechs Millionen Euro liegen. Weil es nach 2007 zunächst überhaupt nicht richtig losging, Förderanträge immer wieder nachgebessert werden mussten, Geschäftsführerwechsel nötig waren, liefen in den ersten Jahren bereits erhebliche Fehlbeträge auf, das Geld der Landeshauptstadt, das als Eigenmittel gedacht war, wurde komplett aufgebraucht.

Bis heute ist das Zentrum ein Sorgenkind der Stadt, war 2013 sogar bilanziell überschuldet. Es gab Unstimmigkeiten beim Umgang mit Fördergeldern. Schon im vergangenen Jahr musste die Stadt mit knapp einer Million Euro die Zahlungsfähigkeit retten. Mitte dieses Jahres waren erneut 336 000 Euro nötig, um die Insolvenz zu vermeiden (DNN berichteten). Die Landeshauptstadt hat bereits ein Darlehen als verzinsliche stille Einlage in Höhe von 1,5 Mio. Euro gewährt, die Stammeinlage um 245 000 Euro auf 270 000 Euro erhöht und 2009 rund 1,25 Millionen Euro in die Kapitalrücklage gesteckt - alles in allem mehr als vier Millionen Euro städtisches Geld. Zusätzlich nahm das Zentrum ein Darlehen von 5,5 Millionen Euro auf, wofür letztlich die Stadt geradestehen müsste.

Weitere Gelder werden aber notwendig sein. Bislang ist lediglich ein Zwischengutachten von externen Prüfern entstanden. Darin werden in zwei Szenarien 4,5 beziehungsweise 5,5 Millionen Euro für zusätzliche Investitionen in den Zustand der Häuser eins und drei errechnet. Diese beiden Häuser könnten langfristig positive Ergebnisse erzielen. Bei den Häusern fünf und sieben lasse sich "ein ordentlicher Wirtschaftsbetrieb nicht darstellen", heißt es ernüchternd.

Künftiger OB muss Stadtrat vertrösten

Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit (RGR) hatte Hilbert vor der Wahl eine Missbilligung ausgesprochen und damit dessen Missmanagement sowie die "damit verbundene Verschwendung öffentlicher Finanzmittel" angeprangert. Der FDP-Politiker ließ dies immer an sich abprallen und vermittelte den Eindruck: Alles wird gut. Für September hatte er dem Stadtrat einen Plan angekündigt, wie die weitere Finanzierung des Nanozentrums geklärt werden soll. Bislang ist davon nichts in Sicht. Nun hat Hilbert die Stadträte weiter vertröstet. In einem Schreiben an den Stadtrat teilt er mit, bis "spätestens Dezember" soll es eine "inhaltlich belastbare Entscheidungsvorlage" geben. Es seien Verzögerungen bei einem notwendigen externen Gutachten aufgetreten.

Einer der wichtigsten Punkte in Hilberts Argumentation war immer wieder der geplante Verkauf der Häuser fünf und sieben an die Fraunhofer-Gesellschaft, die dort auch Mieter ist. "Dieser Verkauf ist auch weiterhin strategisches Ziel", hieß es wiederholt.

Im Juni erklärte die Fraunhofer-Gesellschaft zwar ein grundsätzliches Interesse am Erwerb. Die notwendigen Gremienentscheidungen waren jedoch noch gar nicht auf den Weg gebracht, auch ein Wertgutachten fehlte damals noch. 2,9 Millionen Euro erhoffte sich Hilbert von einem Verkauf. In einem Schreiben an die Fraunhofer-Gesellschaft wollte Hilbert einen Termin setzen. Bis 31. August sollte sich Fraunhofer verbindlich zum Kauf äußern.

Dort hieß es jetzt auf Anfrage, es gebe keine neuen Erkenntnisse seit Juni. Bis kommenden Montag ist daher kaum noch eine feste Kaufzusage zu erwarten. Die Stadt würde für diesen Fall nach einem anderen Käufer suchen, hieß es in der Vergangenheit. Für dieses Szenario empfahlen die Wirtschaftsprüfer die Herauslösung der Häuer fünf und sieben aus dem Nano-Zentrum.

Damit könnte das Gründerzentrum vielleicht besser arbeiten, aber die Stadt hätte die Immobilien weiter am Hals. Ob es dafür eine rege Nachfrage auf dem Markt geben wird, bleibt abzuwarten, vielleicht bis zur nächsten Expo Real. Die Wirtschaftsprüfer machen schon jetzt auf die enormen Lasten aufmerksam. Die Sanierungskosten für die Häuser fünf und sieben schätzen sie auf ähnliche Summen wie bei den Häusern eins und drei. Es geht um Millionen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.08.2015

Ingolf Pleil

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