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Hochwasser in Dresden: Höchststand offenbar mit 8,76 Metern erreicht

Hochwasser in Dresden: Höchststand offenbar mit 8,76 Metern erreicht

Das Hochwasser hat in Dresden offenbar seinen Höhepunkt erreicht. Am Donnerstagmorgen sei in Schöna an der tschechischen Grenze ein Wasserstand von 10,64 Metern gemessen worden, sagte ein Sprecher des Landeshochwasserzentrums.

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Das Dresdner Zentrum aus der Luft

Quelle: dpa

In Dresden stagniert der Pegel am Mittag bei 8,76 Metern. Der Flutscheitel ist offenbar erreicht.

Es könnte dabei bleiben, aber es sei auch denkbar, dass noch zwei Zentimeter dazukommen, sagte eine Sprecherin des Landeshochwasserzentrums. „Jeder Zentimeter, den wir unter unserer Prognose ankommen, ist einer, der hilft“, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU) mit Verweis auf die Sandsackdeiche und Hochwasseranlagen. Die Behörden sind stets vom Maximum „um die neun Meter“ in der Landeshauptstadt ausgegangen. Ulbig betonte, dass der hohe Wasserstand vier bis fünf Tage verharren werde und die Sicherheit der Sandsackwälle entscheidend sei.

Mehrere Stadtteile Dresdens stehen unter Wasser, Tausende wurden evakuiert. Rund 9000 Haushalte in der Stadt sind ohne Strom. 13 Umspannstationen der Drewag sind außer Betrieb. Die Abwasserentsorgung funktioniert in einigen Stadtteilen nur eingeschränkt. Weiterhin kämpfen Feuerwehr, THW, Bundeswehr sowie unzählige Freiwillige gegen die Fluten.

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Auch wenn der Elbpegel langsam zurückgeht - Entspannung ist noch nicht in Sicht.

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Mit einem baldigen Rückgang des Wassers ist aber nicht zu rechnen. Die Experten erwarten, dass das Hochwasser längere Zeit anhält. Entsprechend steigt der Grundwasserspiegel, warnt die Stadt Dresden.

Mehr als 1000 Haushalte evakuiert

Am schlimmsten betroffen in Dresden sind Gohlis und Laubegast. Gohlis musste wegen zu niedriger Deiche bereits am Montag aufgegeben werden. Mehr als 1000 Anwohner mussten dort ihre Häuser verlassen. Die Polizei kämpft weiter darum, dass sich das Wasser nicht in die umliegenden Stadtteile ausbreitet. An manchen Stellen ist das nicht gelungen. Pillnitz oder Niederwartha stehen bereits im Wasser und sind teils kaum noch erreichbar.

Im Osten ist Laubegast wie schon 2002 zur Insel geworden. Am Mittwoch wurde die Leubener Straße als letzte Verbindung überspült. Eine Zwangsevakuierung gibt es nicht, die Behörden setzen auf Freiwilligkeit.

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Die Raddampfer liegen mitten in der Elbe

Quelle: Stephan Lohse

Im Zentrum ist die Lage vergleichsweise stabil. Das Terrassenufer ist meterhoch überspült, an Semperoper und Landtag wurden am Vormittag die Flutwände noch einmal erhöht. Allerdings arbeitete sich das Wasser seit Dienstagabend immer weiter das Terrassenufer in Richtung Sachsenplatz hinauf. Die Schule am Terrassenufer wurde mit einem fast zwei Meter hohen Sandsack-Damm geschützt. Auch die umliegenden Häuser wurden notdürftig mit Sandsäcken geschützt. Am Donnerstag stand das Wasser in der Kreuzung Rietschelstraße.

Auf Neustädter Seite flutete die Prießnitz, die sich zurückstaut, am Mittwoch die Keller der anliegenden Häuser. Zudem drückt die Elbe immer stärker in Richtung Romain-Rolland-Gymnasium und Diakonissenkrankenhaus.

Noch ernster ist die Lage in Pieschen. Seit Montag versuchen dort Helfer, die Leipziger Straße und die dahinter liegenden Wohnviertel zu schützen. Am Mittwochmorgen mussten erste Pumpen eingesetzt werden. Die Helfer kämpften fieberhaft mit Sandsäcken darum, das Wasser zu stoppen. Am Mittwochnachmittag drohten die Dämme jedoch an mehreren Stellen zu brechen. In der Nacht erreichte das Wasser dann die Straße, die "Leipziger" wurde am Morgen komplett für den Verkehr gesperrt, nachdem das Wasser zum einen durch die überweichten Dämme sickert und zum anderen ungebremst durch einen Hauseingang strömt.

Stadt koordiniert Freiwillige

An vier Stellen in Dresden sind Sandsack-Abfüllstationen eingerichtet, wo auch Bürger Kleinstmengen abholen können:

Cossebaude, Bahnhofstraße

Hansastraße

Altlockwitz 2

Radeburger Straße/ Meinholdstraße

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Tausende Dresdner helfen im Kampf gegen das Hochwasser.

Quelle: Stefan Schramm

Die Stadt richtete am Mittwoch eine Koordnierungsstelle ein. Denn der Zulauf an Helfern ist riesig. Allein an der Leipziger Straße waren am Vormittag Menschenmassen im Einsatz. Wer wissen will, wo Helfer nötig sind, kann sich bei der Stadt unter den Telefonnummern (03 51) 4 88 10 60 und (01 72) 3 67 07 00 melden. „Wir bitten die freiwilligen Helfer um Verständnis, dass wir nicht jedes Hilfsangebot sofort und unmittelbar in Anspruch nehmen können“, so Rathaus-Sprecher Kai Schulz.

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Das Terrassenufer am Abend: An der Einmündung Steinstraße hat die Elbe die Straße überflutet. Die Feuerwehr versucht Schulen und Kitas zu rettten.

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Die Lage in Laubegast und am Blauen Wunder

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Am Abend stand die elbe bei mehr als 8,60 Metern.

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Lage an der Erbgerichtsklause am 5. Juni 2013 (Foto: rand OM via Google+)

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„Bei steigenden Pegeln verändert sich die Lage im Katastrophengebiet sehr schnell. Das bedeutet, wo gerade Hilfe nötig war, wird vielleicht schon eine halbe Stunde später keine mehr gebraucht. Aus diesem Grund entscheiden die professionellen Kräfte vor Ort über den Einsatz von freiwilligen Helfern.“

Zahlreiche Straßensperrungen

Wegen des Hochwassers sind neben dem Terrassenufer unter anderem die B6 und die Holzhofgasse dicht. Seit Montagabend ist auch das Blaue Wunder für Autos gesperrt. Für Fußgänger soll die Brücke aber entgegen früherer Ankündigungen geöffnet bleiben. Am Mittwochmorgen kam die Niederwarthaer Brücke hinzu, da hier die Zufahrtswege unter Wasser stehen. Die übrigen Elbbrücken sollen aber geöffnet bleiben, versichert Reinhard Koettnitz, der Leiter des Straßen- und Tiefbauamtes. Auch bei den Dresdner Verkehrsbetrieben und im Zugverkehr gibt es immer mehr Einschränkungen.

Die Stadt hat alle Sportstätten und Bäder bis einschließlich Sonntag gesperrt. Nach Amts- und Landgericht schloss am Dienstag auch das Oberlandesgericht seine Türen. Die Stadtverwaltung sagte alle Gremiensitzungen ab. Das Bürgerbüro in der Theaterstraße wurde geschlossen. Zahlreiche Schulen und Kitas sind ebenfalls geschlossen. Auch der Sächsische Landtag hat am Mittwoch seine reguläre Arbeit eingestellt. „Die Mitarbeiter verlassen das Haus“, sagte Sprecher Ivo Klatte.“ Ab einem Pegelstand von 8,50 Metern halte aus Sicherheitsgründen nur noch ein Mitarbeiter pro Bereich die Stellung. „20 bis 30 Menschen sind im Ernstfall schneller in Sicherheit zu bringen als 350.“

Kulturveranstaltungen fallen aus – Museen schließen

Auch die Dresdner Theater müssen auf die angespannte Hochwassersituation reagieren. Wie die Semperoper mitteilte, kommt es aufgrund der aktuellen Hochwassergefährdung zu Änderungen im Spielplan. Die für Donnerstag geplante Vorstellung von Orlando findet um 19 Uhr in einer eingeschränkten szenischen Variante statt, da die Anlieferung der benötigten Kulissenteile nicht gewährleistet ist. Der William Forsythe Ballettabend am Freitag sowie „Die Zauberflöte“ am Sonntag können wie geplant aufgeführt werden. Auch im Schauspielhaus wurde Dienstag und Mittwoch nicht gespielt. Die Staatsoperette in Leuben spielt hingegen weiter.

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Der Biergarten an der Augustusbrücke steht komplett unter Wasser.

Quelle: Julia Vollmer

In Dresden bleiben das Carl-Maria-von- Weber-Museum in Pillnitz und das Kraszewski-Museum in der Neustadt bis Ende der Woche geschlossen. Auch das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) bleibt voraussichtlich bis 16. Juni zu. Dessen Domizil Schloss Pillnitz liegt direkt an der Elbe. Das Finanzministerium rechnet dort ebenso wie an dem ebenfalls im Wasser stehenden Theater Meißen mit Schäden am Gebäude. Kunstschätze seien aber nicht betroffen, sagte eine Sprecherin des Kunstministeriums. „Wir gehen davon aus, dass alle staatlichen Kultureinrichtungen trocken bleiben.“

Sie seien auch gut vorbereitet. Der Freistaat hat nach der Flutkatastrophe vor elf Jahren Millionen in den Hochwasserschutz in diesem Bereich investiert, nachdem damals Museen, Semperoper und Schauspielhaus überflutet wurden. Die meisten Kunstschätze konnten damals aber gerettet werden. Mit der Sanierung des Albertinums bekam die SKD ein hochwassersicheres Depot.

Bürgermeister Sittel appelliert an Schaulustige

Dresdens Ordnungsbürgermeister Detlef Sittel (CDU) appellierte am Dienstag noch einmal an die vielen Schaulustigen. Man sollte keinesfalls die Einsatzkräfte behindern und betroffene Einwohner in Ruhe lassen. "Sie sind zum Teil schon genervt", stellte Sittel fest. Am Mittwoch veröffentlichte die Stadt eine Polizeiverordnung. Wer Helfer behindert oder auf Deiche klettert, muss mit Strafen bis zu 1000 Euro rechnen.

Entspannung an Weißeritz und Lockwitz

Am Lockwitzbach und an der Weißeritz hat sich die Lage hingegen wieder entspannt. Die Weißeritz, die 2002 verheerende Schäden verursacht hatte, blieb dieses Mal in ihrem Flussbett und wurde am Dienstag auf Warnstufe zwei heruntergestuft. "Da sieht man, dass die 36 Millionen Euro Hochwasserschutz in die Weißeritz gut investiert waren", kommentierte Christian Korndörfer, der Leiter des Umweltamtes.

Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) sprach am Dienstag von einer "beherrschbaren Gefährdungslage". Unsicherheit und Angst hat sie bei den Menschen gesehen, die ihr Hab und Gut bereits 2002 verloren haben. "Es gibt eine hohe Emotionalität in der Bevölkerung", sagte Orosz und sprach damit auch die Hilfsbereitschaft an, die zu spüren sei, wenn Hilfe gefragt ist. Die OB selbst hat inzwischen auch Flutvorsorge getroffen. Sie wohnt in Loschwitz nahe der Elbe, hat ihren Keller leer geräumt und die Waschmaschine in Sicherheit gebracht.

Schutzmaßnahmen beim Aufräumen beachten

Das Gesundheitsministerium hat vor hygienischen Risiken nach dem Rückzug des Hochwassers gewarnt. Gefährdet seien vor allem Bürger, die bei Aufräumarbeiten in Häusern, Kellern und Gärten intensiven Kontakt zu Schlamm und Überschwemmungswasser haben, teilte das Ministerium in Dresden mit.

Bei der Reinigung von Gebäuden und Wohnungen sollten sie sich mit Gummistiefeln, wasserdichten Handschuhen und wasserabweisender Kleidung vor Kontakt damit schützen und sich vor dem Essen und auch Rauchen sorgfältig die Hände waschen. Lebensmittel, die mit Flutwasser in Berührung waren, dürften nicht verzehrt werden. Auch der Impfschutz gegen Tetanus sollte wegen der hohen Verletzungsgefahr bei Aufräumarbeiten überprüft werden. Kinder und Immungeschwächte sollten daran gar nicht teilnehmen. Sachsen hebt Sonntagsfahrverbot für Lkw wegen Hochwassers auf

sl / dpa

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