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Hochwasser in Dresden: Ein junger Oberlausitzer ist „Abschnittsbevollmächtigter“ an der Leipziger Straße

Hochwasser in Dresden: Ein junger Oberlausitzer ist „Abschnittsbevollmächtigter“ an der Leipziger Straße

Kurze Hose, gestreifter Pullover, Turnschuhe. Dazu eine Bandage am linken Sprunggelenk und eine markante gelbe Unterarmgehstütze. Zwei Tage lang prägte ein junger Mann aus der Oberlausitz auf einem Abschnitt der Leipziger Straße das Geschehen.

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"Krücke" koordiniert seit Mittwoch zahlreiche Helfer.

Quelle: Stefan Schramm

Mit leichtem Oberlausitzer Dialekt und in einem entschlossenen, klaren Ton weist er rund 100 Helfer um ihn herum an, was zu tun ist: „Wir bauen jetzt hier entlang und dann weiter parallel zu dem Bauzaun dort!“

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Weiter wird auf der Leipziger Straße gearbeitet. Nach dem kritischen morgen war die Lage am Abend wieder besser unter Kontrolle.

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Es ist Hochwasser in Dresden. Und mittendrin im Geschehen befindet sich der Anfang-Dreißiger aus dem Raum Herrnhut in der Oberlausitz. „Meinen Spitznamen hier hab ich schnell bekommen, sie nennen mich Krücke“, sagt der junge Mann. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Er hat eine Fußverletzung, ist auf die Gehhilfe angewiesen und eigentlich krankgeschrieben. Helfen wollte er trotzdem. Nun fürchtet er Ärger von seinem Arbeitgeber. Dabei erweisen sich Leute wie er als ungemein wichtig für die Verteidigung der Sandsackwälle entlang der „Leipziger“.

Denn „Krücke“ verfügt über ein gewisses Knowhow in einem dieser Tage äußerst wichtigen Fachgebiet: dem möglichst wirkungsvollen Stapeln von Sandsäcken. „Ich bin in meiner Heimat bei der Freiwilligen Feuerwehr, habe schon 2002 in Dresden und 2010 in Zittau geholfen.“ Seit Montag ist er nun wieder in Sachsens Landeshauptstadt. „Da habe ich mich beim Einsatzleiter der Feuerwehr gemeldet, ihm von meinen Erfahrungen erzählt und gesagt, dass ich was tun möchte.“ So wurde er „Abschnittsbevollmächtigter“ an der Verteidigungslinie entlang der Leipziger Straße.

Das Gebiet, das unter der Ägide von „Krücke“ steht, liegt zwischen Alexander-Puschkin-Platz und der Moritzburger Straße. „Zeitweise rund 400 Meter“, schätzt er, und im Vergleich zu anderen Abschnitten der „Leipziger“ recht tief gelegen. Eigentlich kann man dort zum Wasser- und Schifffahrtsamt gelangen, das seinem ersten Namensteil derzeit mehr Ehre macht als nötig. Und die Eisenberger Straße dient normalerweise als Zufahrt zum Sportplatz des TSV Rotation Dresden und zum Kinder- und Jugendprojekt Eselnest.

„Der hat Ahnung, lasst ihn machen“, hatte er sich am Donnerstag bereits einen Ruf erworben. Im Vergleich zum Mittwoch habe sich auch die Zusammenarbeit mit der Dresdner Berufsfeuerwehr gebessert, berichtet er. „Am Mittwoch war das an der Leipziger Straße noch ganz schön chaotisch, nun hat die Feuerwehr ihre Leute in Abschnitte eingeteilt“, berichtet er.

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In Pieschen droht die Elbe die Leipziger Straße zu überschwemmen - Tausende Helfer kämpfen dagegen an.

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Hunderte Helfer haben in Pieschen versucht, die Leipziger Straße vor der Elbe zu schützen.

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„Chaotisch“ trifft es wirklich. Bei vollem Auto- und Straßenbahnverkehr sind seit Dienstag entlang der Verkehrsader schätzungsweise 3000 Menschen fast rund um die Uhr mit dem Sandsackstapeln beschäftigt. Wilde Szenen spielen sich ab. Dass es bisher wohl keine schweren Verkehrsunfälle gab, gleicht einem Wunder. Erst am Mittwochabend setzt die Polizei die Sperrung für den Durchgangsverkehr durch.

In seinem Bereich führt „Krücke“ das Kommando. „Unten müssen zuerst die Jutesäcke hin, weil die nicht so sehr wegrutschen wie die Plastesäcke“, erklärt „Krücke“. „Und immer schön flach nebeneinander hinlegen und festtreten“, weist er die unzähligen Helfer an, die Sack um Sack aufschichten.

Von 8 bis 17 Uhr war „Krücke“ am Mittwoch vor Ort, leitete dort die Hochwasserabwehr. „Es lief von Anfang an gut“, resümiert er. „Ich habe hier extrem viel Hilfsbereitschaft erlebt und auch oft ein Dankeschön dafür bekommen, dass sich jemand kümmert“, freut er sich. Natürlich musste er sich auch erst mal Gehör bei den ganzen freiwilligen Helfern verschaffen. „Man muss nur die Schnauze laut genug aufmachen und wissen, was man tut. Dann funktioniert das“, sagt „Krücke“.

Als er am Donnerstagmorgen wieder in „seinem Revier“ auftaucht, trifft er auf einige bekannte Gesichter vom Vortag. Wieder gibt er Anweisungen, die anderen stapeln und versuchen, die durchweichten Deiche zu stabilisieren. Am Donnerstagnachmittag ist die „Leipziger“ noch immer gesperrt. Der Höchstpegel von 8,76 Metern ist mittlerweile da, in diesem Bereich wird es wohl auch ein ganzes Weilchen bleiben.

Der Sandsackwall von „Krücke“, der sich gerade mit Anwohnern und Helfern berät, steht stabil. „Heute wird es wohl ein ganzes Stück länger gehen“, schätzt er seine Chancen auf einen baldigen Feierabend ein. Eigentlich möchte er am Freitag wieder den Heimweg antreten in die längst wieder hochwasserfreie Oberlausitz. Aber „Krücke“ bekräftigt: „Ich mache hier mit, so lange ich gebraucht werde!“

Stefan Schramm

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