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Hitze-Stresstest: Welche Bäume säumen künftig Dresdens Straßen?

Hitze-Stresstest: Welche Bäume säumen künftig Dresdens Straßen?

Die Roßkastanie wird ausgemustert. In den Zukunftsplänen fürs Dresdner Stadtgrün spielt sie vorerst keine Rolle, sagen Fachleute. Das hat auch mit dem Klimawandel zu tun, denn die Anfälligkeit des Baums für die berüchtigte Miniermotte wächst mit dem Hitzestress.

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Werden wir künftig nur noch unter Gingko-Alleen entlangschlendern, wie hier auf der Hans-Sachs-Straße? Nein, sagen die Stadtplaner, aber der Gingkobaum hat viel Potenzial, wenn es um das Stadtgrün von morgen geht. Denn er ist sowohl hitzebeständig wie winterhart. Auch wenn die Dresdner über ihre Allee fluchen. Denn hier stehen überwiegend weibliche Bäume, deren Früchte ätzend riechen.

Quelle: Anja Schneider

Weshalb das beliebte Gewächs in hiesigen Baumschulen fast nirgendwo mehr angeboten wird.

Gluthitze wirkt wie ein großangelegter Labortest

Was klimatechnisch auf uns zukommt, erleben wir seit zwei Wochen wie in einem großen Labortest: Viel häufiger nämlich werden uns künftig Saharahitze und Trockenheit heimsuchen, sagen die Klimaforscher. So ein Wetter stresst nicht nur uns, sondern auch unsere altbekannten Bäume.

Linde, Ahorn, Esche, Birke - sie alle leiden. Und als Straßenbäume, sagt Professor Andreas Roloff, der Chef des Forstbotanischen Instituts in Tharandt, gelangen gerade viele von ihnen allmählich an ihre Grenzen. Salz, Bodenverdichtung, wenig Wurzelraum - das alles setzt ihnen ohnehin schon zu. Doch während sich Bäume in Wald und Parks gegenseitig vor der Sonne schützen können, werden die Einzelkämpfer an den Straßenrändern nun auch noch den ganzen Tag über gnadenlos angestrahlt. "Seit sechs Jahren sagen wir: Trockenstress ist das wichtigste Problem, das kommt", so Roloff. Dieser Sommer bietet einmal mehr Anstoß dafür, über das Grün der Zukunft nachzudenken.

Beim Dresdner Amt für Stadtgrün tut man das ständig, zumal es seit 2009 ein vom Stadtrat beschlossenes Straßenbaumkonzept gibt, das die Weichen stellt für künftige Standorte wie auch für die Auswahl an Arten.

127 Arten von Bäumen wachsen an Dresdens Straßenrändern

Amtsleiter Detlef Thiel zufolge wachsen in Dresden gegenwärtig 127 verschiedene Baumarten an Straßenrändern in den Himmel. Was zeigt: Vielfalt wird an der Elbe großgeschrieben. Die letzte verfügbare Statistik vom Dezember 2014 führt 52 611 Straßenbäume auf, weitere 60 000, so Thiel, gedeihen auf kommunalen Grünflächen.

Die extreme Trockenheit der vergangenen Wochen im Blick, stellt sich die Frage: Wie gelangen 52 600 Straßenbäume an Wasser? Die Antwort gibt Detlef Thiel: Keineswegs alle werden zusätzlich mit dem lebensnotwendigen Nass versorgt, vor allem ältere Bäume müssen allein zurechtkommen. Im Auftrag des Stadtgrün-Amtes werden gegenwärtig rund 7000 Bäume durch Fremdfirmen gewässert, weitere 2400 versorgt der städtische Regiebetrieb. Und der fährt mit seinen Wasserwagen vor allem zu Jungbäumen, die dann im Schnitt bei jeder Runde etwa 100 Liter tanken dürfen.

Thiel sieht die Zukunft für Linde, Esche, Kastanie, Berg- und Spitzahorn sowie Birke keineswegs so schwarz, wie man bei den Nachrichten über massenhaftes Eschensterben und beim Anblick braunblättriger Roßkastanien glauben könnte. Grund: "Es gibt sehr viele Sorten der Arten." Und von denen seien durchaus einige resistent genug, um auch langfristig im Stadtbild eine Rolle zu spielen - wenn denn "der optimale Standort für die jeweilige Baumart" gewählt werde.

Natürlich beharren die Dresdner Stadtgrünplaner nicht ausschließlich auf traditionellen Bäumen. Den Klimawandel im Nacken, nehmen sie weltweit geeignet scheinende Straßenbäume ins Visier. "Besonders Gehölze aus dem nordamerikanischem Raum und aus Asien stehen im Fokus von Straßenbaumtests", erklärt Thiel. Als infrage kommende Kandidaten nennt er die Blasenesche, die Kobus-Magnolie und die Zelkovie aus dem asiatischen Raum.

GALK: Bundesweit testen Städte die Bäume der Zukunft

Dresden ist zudem Mitglied im Arbeitskreis "Stadtbäume" der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz im Deutschen Städtetag (GALK). Dort wird seit 20 Jahren getestet, welche Bäume sich an welchen Standorten wie entwickeln.

Professor Roloff aus Tharandt, dessen Institut sich ebenfalls an solchen Forschungen beteiligt, bringt noch den asiatischen Schnurbaum, den nordamerikanischen Amberbaum und sogar den Mammutbaum ins Spiel. Wobei letztere als Straßenbäume eher Wackelkandiaten seien, denn der Amberbaum komme mit hohen ph-Werten schlecht zurecht, und der Mammutbaum bekäme Stress, weil die mehrjährigen Nadeln das viele Salz im Winter nicht abkönnen. "Es sei denn, wir richten den Fokus auf den Urwaldmammutbaum", sagt Roloff, "der wirft seine Nadeln im Herbst einfach ab."

Beide Baumspezialisten nicken, wenn die Sprache auf den Gingko kommt. Der sei bestens geeignet für die Stadt, meint Thiel. Das wird Bewohner der Dresdner Hans-Sachs-Straße aufhorchen lassen, die nämlich eine in der Bundesrepublik einmalige Allee aus überwiegend weiblichen Ginkgo-Bäumen bewohnen. In den 1920er Jahren angelegt, bringt die Allee heute nicht nur Freude. Zwar gedeihen die Bäume prächtig, doch die kleinen runden Früchte der weiblichen Gingkos verbreiten einen ätzenden Gestank. Das Problem: Man versucht zwar, männliche Gingkos zu pflanzen, doch das Geschlecht kann erst mit der Blüte ermittelt werden - und bis dahin vergehen in der Regel Jahre.

Plädoyer auch für Feldahorn und Platane

Neben dem etwas schwächelnden Berg- und Spitzahorn bricht Professor Roloff auch eine Lanze für den Feld-ahorn. Der komme total gut mit dem Trockenstress zurecht, könne aber auch harte Frostperioden überleben. Und er werde nicht so groß, müsse also nicht so oft zurückgeschnitten werden. Gute Chancen werden auch der Platane eingeräumt. "Die ist relativ gut angepasst", sagt Roloff, auch wenn ihr in Dresden im zurückliegenden Frühjahr der Blattbräunepilz übel zugesetzt habe.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.08.2015

Stock, Barbara

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