Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Historiker Roman Töppel für den 13. Februar in Dresden: "Legenden von der unschuldigen Stadt"

Historiker Roman Töppel für den 13. Februar in Dresden: "Legenden von der unschuldigen Stadt"

Januar in Magdeburg oder der 5. März in Chemnitz: Jahrestage von Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg sind in vielen Städten ein Datum des Erinnerns, oft aber auch ein Aufmarschtermin der Rechten.

Voriger Artikel
Ausgekühlt und müde: Abschlusskundgebung des „Bündnis-Nazifrei“ am Postplatz in Dresden
Nächster Artikel
Überlebende des 13. Februar 1945 treffen sich in der Dresdner Dreikönigskirche

Roman Töppel

Ob der 16. Vor allem am 13. Februar in Dresden entzünden sich heftige Debatten. Der Münchner Historiker Roman Töppel hat an der TU Dresden promoviert und ist Autor des Dresden-Beitrags im Band "Sächsische Mythen".

DNN: In den vergangenen Jahren hat es immer wieder rechte Aufmärsche im Umfeld des 13. Februar gegeben. Was macht Dresden für Neonazis so attraktiv?

Roman Töppel: Wenn Neonazis an solchen Tagen demonstrieren, verfolgen sie damit ganz klar eine Aufrechnungsstrategie. Indem man das Leid der deutschen Zivilbevölkerung herausstellt, versucht man, die deutschen Verbrechen zu relativieren. Dresden kommt dabei noch einmal eine besondere Rolle zu. Tatsächlich handelt es sich um ein besonders traumatisches Kriegsereignis mit vielen Toten, mit viel Zerstörung und Leid. Gleichzeitig war die Bombardierung der Stadt aber von Beginn an mit einer starken Legendenbildung verknüpft. Diese Legenden von der "unschuldigen Stadt", der Einzigartigkeit der Zerstörung haben Dresden zum Symbol des Bombenkriegs schlechthin gemacht, und sie leben bis heute fort.

Forschungen zeigen, dass noch die Nazis mit der Legendenbildung begannen. Wie ging das?

Indem man zum Beispiel überhöhte Opferzahlen lancierte. Zum einen hatte man damit die Moral der Bevölkerung und der Soldaten an der Westfront im Blick. Ihnen sollte gezeigt werden, dass Amerikaner und Briten auch nicht besser seien als die Russen. Zum anderen wollte man von den eigenen Verbrechen ablenken, die gerade vor aller Welt zutage traten. Das zielte auf die Geschichtsbücher, die die Neonazis heute aufgreifen, etwa wenn sie das unerträgliche Schlagwort vom "Bomben-Holocaust" benutzen.

Warum benutzte auch die DDR drastische Schuldzuweisungen, die der NS-Propaganda oft ähnlich waren?

Weil es in Zeiten des Kalten Krieges opportun erschien. Dabei griff die DDR auf andere Übertreibungen zurück, etwa beim Thema Tieffliegerangriffe. Hinzu kam, dass man Westdeutschland als Hort der Altnazis diffamierte.

Welche Folgen hatte die Ideologisierung für das Erinnern, für jene, die die Bombennacht durchlitten?

Für die Zeitzeugen war und ist die Instrumentalisierung ein großes Problem. Erst wurde das Thema vom Staat propagandistisch vereinnahmt, und als sie dann endlich sprechen konnten, sahen sie sich dem Vorwurf ausgesetzt, sie würden nur einen Mythos pflegen oder gar NS-Vokabular benutzen. Oft wurde ihren Erinnerungen der Wahrheitsgehalt abgesprochen.

Wie könnte ein angemessenes Erinnern aussehen?

Wenn die Neonazis tatsächlich wegbleiben, ist das natürlich ein Grund zur Freude. Auffällig aber ist, wie stark die Debatte um den 13. Februar polarisiert. Auch wenn viel über die Zerstörung geredet wird, besteht meines Erachtens noch immer ein Defizit an Aufklärung.

Interview:

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.02.2012

Robert Schröpfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
25.09.2017 - 13:21 Uhr

30 bis 40 "Dynamo-Anhänger" sorgen für erneuten Eklat / Illegale Pyrotechnik sichergestellt

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.