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Hightech-Nachrüstung für Oldtimer

Dresdner Unternehmen plant Sensorpaket Hightech-Nachrüstung für Oldtimer

Damit Oldtimer länger halten, entwickeln Ingenieure der TU Dresden derzeit ein Nachrüstpaket aus Sensoren und Diagnose-Software. Die passionierten Oldtimer-Schrauber haben nun ein Stipendium bekommen, um ihren Prototypen zur Serienreife zu bringen.

Henry Kutz (Mitte) und Frank Hermsdorf (vorn) restaurieren schon seit Jahren gemeinsam in Dresden Oldtimer wie hier diesen Opel Commodore A.

Quelle: Heiko Weckbrodt

Dresden. „Lass an!... Und Gas...!“ Die Bastlerwerkstatt im alten Industriegelände Dresden-Nord ist verwinkelt, vollgestellt mit Ölkannen, Getriebekomponenten, Mauschlüsseln und angerosteten Motorhauben. Draußen knattert ein Simson-Zweitakter, drinnen riecht es nach Schmierfett, Holz und Leder. Wenn sich Henry Kutz und Frank Hermsdorf mit Schraubenzieher und Blitzpistole über den Motorblock eines 87 Jahre alten Ford-Automobils beugen, sieht man ihnen ihre Passion sofort an: Seit Jahren schon schrauben die beiden TU-Absolventen an Oldtimern herum, restaurieren sie, ergötzen sich an der schönen alten Technik. Nun aber wollen sie ihr Hobby zum Beruf machen und ein Sensor-Software-Paket auf den Markt bringen, das die automobile Lebensdauer der Liebhaberstücke deutlich verlängern könnte.

Gemeinsam mit ihrem Kollegen, dem Betriebswirt Patrick Hohnetz, möchten sie im kommenden Jahr an der Meschwitzstraße ein Unternehmen „Classic OBD“ gründen, das diese Oldtimer-Hightech-Aufrüstungen herstellt und vertreibt. “Während des Studiums hatten wir viel mit Fahrzeugdiagnose zu tun“, erzählt Henry Kutz. „Andererseits restaurieren wir nun seit 16 Jahren alte Autos. Da erkennt man, welche Probleme in der Oldtimer-Welt bis heute ungelöst sind.“

Eines davon ist der übermäßige Verschleiß an Motor, Getriebe und anderen Teilen, der entsteht, weil viele Oldtimer in ihrer „Geburtstagzeit“ eben all die Überwachungsinstrumente nicht verpasst bekamen, die in heutigen Autos Standard sind: Drehzahlmesser, Öldruck- und Benzinstands-Anzeige und dergleichen mehr. Auch sind Reparatur und Fehlersuche an Oldtimern ohne Diagnose-Computer nun mal recht aufwendig.

Deshalb hat das dynamische Trio aus Dresden ein Diagnosesystem entwickelt, das nachträglich in Oldtimer eingebaut wird. Der Besitzer kann die Kennwerte dann über das Smartphone oder den Tablett-Rechner analysieren.

Die „Classic OBD“-Gründer in spe rechnen mit einer hohen Nachfrage für ihre Diagnose-Nachrüstpakete: „Wir sehen großes Potenzial“, erklärte Henry Kutz. Der Markt wachse jedes Jahr um ein Zehntel, gemessen an den zugelassenen Oldtimern. Die einen legen sich solche alten Fahrzeuge als Wertanlage zu, für die nächsten ist der Oldtimer ein Lifesstyle-Symbol und dann gibt es noch die ganzen Technikenthusiasten. Gerade die „Selberschrauber“ seien eine wichtige potenzielle Klientel für das Diagnose-Paket von „Classic OBD“, denken die drei Akademiker.

Bisher haben sie erst einen Prototypen, aber mit ihrem Konzept bereits die Gründerinitiative „dresden exists“ der TU Dresden überzeugt. Die vermittelte dem Trio nun ein „EXIST“-Gründerstipendium vom Bundeswirtschaftsministerium. Das Stipendium umfasst den Lebensunterhalt der Gründer für ein Jahr sowie Sach- und Schulungshilfe für bis zu 23.000 Euro, damit „Classic OBD“ sein Oldtimer-Nachrüst-Paket bis Mitte 2017 zur Serienreife führen kann.

In Deutschland waren Anfang 2016 rund 542.000 zugelassene Autos mindestens 30 Jahre alt, sie galten damit als Oldtimer. Deren Zahl wächst in der Bundesrepublik seit langem. Im Jahr 2012 waren beispielsweise erst reichlich 390.000 Oldtimer beim Kraftfahrtbundesamt registriert. Heiko Weckbrodt

Von heiko Weckbrodt

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