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"Hellerau hat Geschichte geschrieben"

"Hellerau hat Geschichte geschrieben"

Hellerau ist im Rennen um einen Weltkulturerbetitel einen großen Schritt weiter. Kurz nach Bekanntgabe des gestrigen Kabinettsbeschlusses hatten die DNN Gelegenheit zu einem Gespräch mit Eva Schläfer, der Sprecherin der Deutschen Werkstätten Hellerau.

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Eva Schläfer

Das Unternehmen mit Sitz am Moritzburger Weg hat die Bewerbung maßgeblich mit initiiert.

Frage: Frau Schläfer, herzlichen Glückwunsch zu diesem wichtigen Erfolg. Überwiegt nun die Freude über das bislang Erreichte oder eher die Anspannung bezüglich der Dinge, die sie im weiteren Bewerbungsprozess erwarten?

Eva Schläfer: Heute sind wir einfach nur glücklich, auch wenn wir wissen, dass die nächsten Schritte wieder einiges an Arbeit mit sich bringen werden. Es hat uns allen in den vergangenen Monaten aber wirklich unheimlich viel Spaß gemacht und wir blicken optimistisch auf die nächsten Schritte. Unser Konzept ist sechs Seiten stark, dies bleibt zunächst Grundlage für unsere Bewerbung und meines Wissens nach müssen wir das erst umfangreicher ausarbeiten, wenn wir wirklich dran sind, direkt bei der Unesco vorstellig zu werden.

Warum sollte Hellerau mit dem Weltkulturerbetitel ausgezeichnet werden?

Hellerau hat unter ganz verschiedenen Blickwinkeln Geschichte geschrieben. Es hat insgesamt zur Modernisierung Europas am Beginn des 20. Jahrhunderts beigetragen. Zum einen spielt die Architektur eine große Rolle. Denken Sie an das Festspielhaus als ersten bühnenlosen, offenen Theaterbau oder die Wohnhäuser, die damals auch neue Maßstäbe gesetzt haben. Hellerau soll ja einer der ersten Orte mit Zentralheizung gewesen sein. Zum anderen haben wir die Deutschen Werkstätten, die eine technische und ästhetisch-stilistische Revolution zu Beginn des Jahrhunderts reingebracht haben mit modernen Möbelformen und Herstellungsverfahren. Über all dem schweben wiederum Persönlichkeiten wie Émile Jaques-Dalcroze, der als Vater des modernen Tanzes mit einer internationalen Tanzkompanie hier wirkte und die kulturelle Elite Europas nach Hellerau lockte. Reformpädagogische Ansätze prägten diese kurze heftige Blütephase ebenso maßgeblich. Wir sind davon überzeugt, dass Hellerau ein ganz besonderer Ort ist.

Auf der Warteliste der Unesco stehen derzeit als potenzielle Welterbestätten unter anderem die Speicherstadt in Hamburg und das Heidelberger Schloss. Kann Dresden-Hellerau in dieser Liga wirklich mitspielen?

Um das abschätzen zu können, fehlt uns als Neulingen natürlich die Erfahrung. Bei der Bewerbung mit Rat und Tat zur Seite stand uns aber Dr. Britta Rudolff vom Lehrstuhl für Weltkulturerbe an der Universität Cottbus. Sie kennt die Anforderungen, die die Unesco an neue Welterbestätten stellt, sehr gut und war sogar mehrere Jahre lang Mitglied des Welterbekomitees. Frau Dr. Rudolff glaubte von Anfang an, dass die sächsische Hürde für uns eine sehr schwierige sein wird. Weil sie zum einen viele andere gute Kandidaten im Rennen sah, zum anderen für den Freistaat nicht hundertprozentig einschätzen konnte, nach welchen Kriterien hier die Entscheidung getroffen wird. Am Ende war sie allerdings sehr angetan von der einberufenen sächsischen Expertenkommission, die das Fachliche in den Mittelpunkt stellte. Nach fast den gleichen Kriterien urteilt laut Frau Dr. Rudolff zum Schluss die Unesco, weswegen wir jetzt einigermaßen entspannt dem weiteren Bewerbungsprozess entgegensehen.

Dresden hat 2009 schon einmal einen Weltkulturerbetitel verloren. Befürchten Sie, dass die Unesco sich bei der Endauswahl daran erinnert und Vorbehalte gegenüber dem Vorstoß aus Hellerau hat?

Nein, überhaupt nicht. Wir sind fest davon überzeugt, dass das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Im April hatte unsere Interessengemeinschaft einen Gesprächstermin bei Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) und dabei erzählte sie uns, dass Vertreter der Unesco unmittelbar nach der Aberkennung des Weltkulturerbetitels in Sevilla signalisiert haben, dass Dresden nun nicht automatisch eine schlechtere Chance hätte, wenn es sich mal wieder bewerben würde. Im Gegenteil, eine neue Initiative wurde damals ausdrücklich begrüßt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.06.2012

Interview: Christoph Stephan

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