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Heliatek baut in Dresden-Kaditz eine Fabrik für organische Solarzellen

Heliatek baut in Dresden-Kaditz eine Fabrik für organische Solarzellen

Die Firma Heliatek will Mitte März den ersten Teil einer neuen Fabrik für organische Solarzellen in Kaditz in Betrieb nehmen. Das kündigte Sprecherin Steffanie Rohr an.

Von Heiko Weckbrodt

"Diese Kombination aus neuen Fertigungstechnologien, Anlagen und Produkten wird weltweit einzigartig sein", sagte sie. Das Werk werde den Dresdnern einen Technologievorsprung vor der weltweiten Konkurrenz sichern.

Daher gilt die Baustelle als Geheimsache. Selbst innerhalb der Firma haben nur ausgewählte Mitarbeiter Zugang. Die Pilotanlage ist riesig, sie reicht fast bis zum Dach der großen PC-Montagehalle der ehemaligen Schäfer-IT-Werke an der Treidlerstraße, wo sich Heliatek neben der Computerfirma "Coool Case" eingemietet hat. Dabei handelt es sich um eine innovative "Rolle-zu-Rolle"-Maschine, die Folien im Endlosbetrieb mit organischen Solarzellen vakuumbeschichtet. Viele Komponenten wurden übrigens in der Region entwickelt, von FHR in Ottendorf-Okrilla zum Beispiel und CreaPhys in Dresden.

60-Millionen-Euro-Ausbau geplant

Besteht diese Pilotanlage ihre Bewährungsprobe, will Heliatek weitere 50 bis 60 Millionen Euro bei Investoren einwerben, um die Linie bis 2014 zur Großfertigung auszubauen. Während die Demonstrationslinie nur Organiksolarzellen mit einer Gesamtleistung von zwei bis drei Megawatt pro Jahr herstellen kann, soll die Fabrik dann auf eine Kapazität von 50 bis 60 Megawatt wachsen.

An die neue Technologie knüpfen sich große Erwartungen: Anders als Solarzellen aus kristallinem Silizium lassen sich die organischen Module aus Dresden biegsam und durchsichtig herstellen. Transparent auf Glasfassaden von Wolkenkratzern aufgetragen, sollen sie zu energieautarken Bürogebäuden führen. Mit organischen Solarzellen "Made in Dresden" beschichte Autos würden einen Teil ihres Energiebedarfs von der Sonne beziehen. Und wenn dem iPhone der Saft ausgeht, könnten organikbeschichtete Handy-Hüllen den Akku nachladen. In Hüttendörfern in Entwicklungsländern, weitab von jedem Stromnetz, könnten Dresdner Solarmatten vor dem Häuschen oder auf dem Dach ausgerollt werden, um für Energie in der Bude zu sorgen.

Klassische Photovoltaik ist dafür kaum geeignet: Kristalline Solarzellen aus starren Siliziumscheiben haben zwar einen guten Wirkungsgrad und wandeln 17 bis 19 Prozent des einfallenden Sonnenlichts in Strom um. Aber auf Fenster kann man sie nicht aufbringen, sonst wird es im Hause zappenduster. Auch wiegen Kristallinmodule zwölf bis 17 Kilogramm je Quadratmeter, dieser Traglast sind nicht nur afrikanische Hütten, sondern auch viele deutsche Industriehallen nicht gewachsen.

Auch der Afrikahitze gewachsen

Organische Solarmodule nach Dresdner Bauart werden dagegen mit Schichtdicken von gerade mal 100 bis 150 Nanometern (Millionstel Millimeter) auf flexible Plastikfolien aufgedampft und bringen nur ein halbes Kilo pro Quadratmeter auf die Waage. Sie können sich auch an geschwungene Flächen - wie etwa Autodächer oder Kotflügel - anschmiegen. Ihr Wirkungsgrad ist mit 8,8 bis 9,8 Prozent niedriger als bei den Kristallinkollegen. Dafür aber vertragen sie stärkere Temperaturschwankungen und liefern selbst bei 80 Grad Celsius unter der afrikanischen Sonne noch getreu Strom, wenn schon jedes herkömmliche Solar-Paneel ausgestiegen ist.

Technologie vor Markteintritt

Nun steht diese junge Technologie vor dem Markteintritt - nach vielen Jahren der Forschung und Entwicklung: Schon zu DDR-Zeiten gab es in Dresden erste Versuche, Elektronik auf organischer Basis zu konstruieren. In den 1990er Jahren forcierten TU-Forscher wie Prof. Karl Leo und der jetzige Heliatek-Technikchef Dr. Martin Pfeiffer diese Arbeiten. Daraus gingen Gründungen hervor wie Novaled - spezialisiert auf organische Leuchtdioden - oder CreaPhys, die den Spezialanlagenbau übernahmen. Und eben Heliatek mit ihren organischen Solarzellen, die 2006 von einer Handvoll Uniforscher gegründet wurde und heute 75 Mitarbeiter hat - zehn davon in Ulm, wo Heliatek seine Chemieforschung betreibt. Da bisher noch keine eigenen Gewinne fließen, finanziert sich die Firma bisher aus Investorenkapital.

Für Zukunftspreis nominiert

Mit ihrer Zuversicht, dass diese Unternehmung den langen Atem wert ist, stehen die Heliatek-Investoren nicht allein da: Zusammen mit Prof. Leo und Dr. Jan Blochwitz-Nimoth von Novaled ist Heliatek-Technikchef Pfeiffer für den "Deutschen Zukunftspreis" nominiert. Die Gewinner gibt Bundespräsident Christian Wulff (CDU) am 14. Dezember bekannt. Wer dem Dresdner Organik-Cluster seine Stimme geben will, kann dafür bis Sonntag im Internet unter der Adresse tinyurl.com/cbgq5fr votieren.

Mehr Infos im Netz: computer-oiger.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.12.2011

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