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Heilungschancen aus dem Scanner

Heilungschancen aus dem Scanner

Kinderarzt Wolfram Burkhardt konzentriert sich. Mit der Maus fährt er über den Bildschirm. Dreht und wendet das geometrisch vermessene Bild und kontrolliert, wie stark das Köpfchen der kleinen Ida gewachsen ist.

Ida ist kein normales Baby. Ida ist ein Frühchen, das acht Wochen vor dem Geburtstermin das Licht der Welt erblickt hat - mit einem viel zu geringen Gewicht und hohem Risiko. Deswegen ist ihre Mutter extra von Döbeln in das Dresdner Uniklinikum gekommen. Dort wurde der winzige Körper versorgt mit allem medizinischen Gerät, was zur Verfügung stand.

Dazu gehört auch der schwarze Kasten mit den lila aufgeklebten Sternchen. Was unspektakulär anmutet, ist hochentwickelte Medizintechnik. Denn mit diesem Gerät ist es erstmals möglich, den Kopf der Säuglinge genau zu vermessen. "Das Kopfwachstum ist ein wichtiger Parameter dafür, wie sich Kinder neurologisch entwickeln", erklärt Prof. Dr. Mario Rüdiger, Leiter der Neonatologie am Universitätsklinikum Dresden. Mario Rüdiger wurde erst vor wenigen Wochen für sein Frühchenprojekt FamilieNetz mit der Goldenen Henne geehrt. Jetzt geht es ihm aber um den neuen Scanner, der gerade probeweise in der Kinderklinik steht. Er ist der einzige in Sachsen, der einzige in Ostdeutschland und der vierte im gesamten Bundesgebiet. Weil die herkömmlichen Messmethoden ungenau waren, hatte sich die Kinderklinik im Februar entschlossen, den Scanner probeweise auszuleihen. Bislang hätten Einschätzungen der Kopfform subjektiven Kriterien unterlegen, erklärt Experte Rüdiger. "Die Scanner-Analyse ermöglicht jetzt exakte Daten. Diese wiederum ließen auch Rückschlüsse auf die neurologische Entwicklung des Kindes zu", erläutert der Neonatologe. Defizite könnten schneller erkannt und abgewendet werden.

Den größten Gewinn erhoffen sich die Ärzte jedoch bei Babys, die an Verformungen des Schädels, wie zum Beispiel an Kraniosynostose leiden. Darunter verstehen Mediziner die vorzeitige Verknöcherung der Schädelnähte, die zum Teil schon beim ungeborenen Kind beginnt. Das übliche Wachstum des Schädels ist dadurch nicht möglich, es kommt zu ungewöhnliche Schädelformen. Oft müssen die Säuglinge operiert werden, um dem Hirn Platz zum Wachstum zu schaffen. Auch können die Verformungen zu einer gestörten akustischen und optischen Wahrnehmung führen. Etwa 12 Prozent aller Neugeborenen leiden unter Fehlstellungen der Schädelknochen.

Mit dem Kopfscanner kann nun exakt vermessen und berechnet werden, um wie viel und in welche Richtung der Kopf noch wachsen wird. "Mit dem Scanner ist es möglich, bessere Entscheidungen über die Therapie zu treffen", sagt Rüdiger. Eine Operation am Kopf berge immer Risiken. Rüdiger hofft, dass mit dem Scanner Operationen verhindert werden können. Die Alternative ist ein "Helm", der den Säuglingen aufgesetzt wird, damit sich die Schädelkochen im Wachstum anpassen. Für die Herstellung dieser Helm-Orthesen ist der Scanner ideal. Die vermessenen Daten werden in die USA geschickt, wo Experten die Helm-Orthese direkt aus dem Material fräsen. "Früher mussten wir den Kopf der Kinder in Gips legen, um einen Abdruck anzufertigen. Sie können sich vorstellen, wie sehr ihnen das gefallen hat", erzählt Kinderarzt Burkhardt. Immer wieder dreht er das kleine geometrische Köpfchen von Ida auf dem Bildschirm. Er kontrolliert es von oben und von unten. Doch er kann keine Unregelmäßigkeiten erkennen.

Seit Anfang Februar steht das Gerät in der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums. Seitdem wurden allein 56 Kinder für die Chirurgie vermessen. Zwei Babys konnten "Helme" angepasst werden. Die Sprechstunden sind ausgebucht, die Nachfrage ist groß. "Wir haben in der Woche zwei Sprechstunden, die von früh bis abends besucht werden", konstatiert Rüdiger. Eltern, die früher mit ihren Kindern nach Bayern oder Berlin fahren mussten, haben jetzt einen kürzeren Weg. "Wir könnten ein Zentrum für die neuen Bundesländer werden", hofft Rüdiger. Ziel sei, die Operationen zu zentralisieren. Das würde die medizinische Versorgung in Sachsen entscheidend verbessern. Ginge es nach Guido Fitze, dem Direktor der Klinik für Kinderchirurgie, könnte er mit dem Scanner allen Säuglingen helfen, die im Uniklinikum behandelt werden. Das Gerät kostet jedoch 55 000 Euro. Mit den Spenden der Aktion "Dresdner helfen Dresdnern" möchte der Verein Dresdner Kinderhilfe die Kinder-Klinik bei der Anschaffung des Kopfscanners unterstützen.

Ida jedenfalls hat sich nicht gestört gefühlt im Scanner. Gemütlich schlummerte sie weiter. Weil ihre Werte so gut waren, genießt sie heute den ersten Tag mit Mama und Papa zu Hause.

Der Verein Dresdner Kinderhilfe unterstützte 2010 mit den Spenden die Anschaffung dreier CPAP-Geräte für das Krankenhaus Dresden-Neustadt. Mit den Geräten können Babys mit Atemproblemen behandelt werden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2011

Katrin Tominski

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