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Heilpflanzen unter der Lupe - TU ist hormonartig wirkenden Inhaltsstoffen auf der Spur

Heilpflanzen unter der Lupe - TU ist hormonartig wirkenden Inhaltsstoffen auf der Spur

Immer mehr Menschen vertrauen wieder auf pflanzliche Arzneimittel, greifen bei Halsweh zu Salbeitee, bei Husten zum Saft aus dem Extrakt von Efeublättern oder des Purpursonnenhuts.

Zurück zur Natur.

Von Catrin Steinbach

Umckaloabo, gewonnen aus der Wurzel einer afrikanischen Geranienart, soll die Bakterienvermehrung hemmen, die Virenabwehr stärken und zähen Schleim lösen.

Isoflavonen (Pflanzenfarbstoffen) der Soja-Bohne schreiben Arzneimittelanbieter geradezu eine Wunderwirkung bei Wechseljahresbeschwerden zu. In Fachkreisen allerdings wird das kontrovers diskutiert. Auch hinsichtlich ihrer Wirkung auf hormonabhängig wachsende Tumoren wie Brustkrebs gibt es sehr widersprüchliche Angaben. Auf der einen Seite soll regelmäßiger Soja-Konsum das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, senken. Das kann man Studien aus dem asiatischen Raum entnehmen. Auf der anderen Seite wird vermutet, dass die Einnahme von hoch konzentrierten Isoflavonen (als Nahrungsergänzungsmittel erhältlich) das Wachstum bereits bestehender Tumore im Brustgewebe beschleunigen könnte. Lässt sich dieser scheinbare Widerspruch auflösen?

An der Technischen Universität Dresden beschäftigt sich in der Fachrichtung Biologie eine Arbeitsgruppe um Prof. Günter Vollmer u.a. mit Nahrungsergänzungsmitteln und Extrakten von Heilpflanzen. "Es gibt pflanzliche Inhaltsstoffe, die die Eigenschaft haben, sich an einen Rezeptor zu binden und eine Wirkung wie ein Hormon auszulösen. Das kann negative und positive Konsequenzen für den Organismus haben. Wir versuchen, die Mechanismen von hormonartig wirkenden Pflanzeninhaltsstoffen aufzuklären und Licht ins Dunkel zu bringen, welcher Inhaltsstoff oder welche Mischung für eine bestimmte Wirkung verantwortlich ist", so der Professor für Molekulare Zellphysiologie und Endokrinologie. So ist es seiner Arbeitsgruppe z.B. gelungen, beim Sibirischen Rhabarber Hydroxystilbene als die Inhaltsstoffe zu identifizieren, die über die körpereigenen Rezeptoren wirken und so zu einer Linderung von Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen führen können. Zu klären gilt es z.B. noch, ob möglicherweise Soja-Isoflavone nur zu weniger stark ausgeprägten Wechseljahresbeschwerden führen oder auch vor Brustkrebs schützen, wenn sich Menschen ein Leben lang oder gar über Generationen sojareich ernähren. Denn "vieles wirkt nicht mehr, nimmt man es erst, wenn das Symptom bereits eingetreten ist", weiß der Professor.

Eine weitere Untersuchung an der TU beschäftigt sich mit der Risikobewertung des Hopfens im Zusammenhang mit seiner Nutzung zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. "Zudem wollen wir für die Dopingkontrolle im Sport einen Test entwickeln, mit dem man unbekannten Substanzen, die ähnlich wie Testosteron wirken, auf die Spur kommt. Ein solch strukturunabhängiger Test ist bisher nicht möglich", erklärt der Wissenschaftler. Des Weiteren suchen er und seine Kollegen nach Stoffen in der Natur, die helfen können, die Osteoporose in den Griff zu bekommen. "Man kann diesen Prozess nicht rückgängig machen. Ziel ist es, ihn zu verlangsamen."

Die profunden Kenntnisse von Prof. Vollmer und seinem Team über das Rezeptorsystem für männliche und weibliche Geschlechtshormone und die an der TU entwickelten Untersuchungsmöglichkeiten ziehen Wissenschaftler auch aus anderen Ländern an. So untersucht zum Beispiel Dr. Bayala Balé aus Burkina Faso an der TU Substanzen einer Liane. "Denn in Westafrika kommt es immer wieder vor, dass Ziegen, Dromedare und Schafe, die von dieser Lianenart naschen, unfruchtbar werden. Das deutet darauf hin, dass dieser wirtschaftliche Schaden durch einen Naturstoff verursacht wird, der im Organismus dieser Tiere wie ein Hormon wirkt."

Eine enge Zusammenarbeit verbindet die Experten der Biologie und der Biochemie der TU Dresden auch mit Kamerun. "Anders als in China beispielsweise gibt es in Afrika keinerlei Aufzeichnungen über Heilpflanzen und ihre Wirkungen. Das jahrhundertealte Wissen traditioneller Heiler wird nur mündlich von einer Generation an die nächste weitergegeben und droht durch die Industrialisierung verloren zu gehen. In aufwendigen Befragungen versucht man dort deshalb seit geraumer Zeit, dieses uralte Erfahrungswissen zusammenzutragen und zu bewahren. Ein nächster Schritt ist, der Wirksamkeit dieser Heilpflanzen wissenschaftlich auf die Spur zu kommen", erklärt der Dresdner Professor. Das ist dann wieder der Part der TU. Die hält nach Kamerun u.a. Kontakt zu Germain Jean Magloire Ketcha Wanda. Der ehemalige Doktorand von Prof. Vollmer widmet sich seit geraumer Zeit in seiner Heimat der Erforschung pflanzlicher Naturstoffe.

Ein Hormon ist ein biochemischer Botenstoff, der einen Rezeptor braucht, um wirken zu können. "Ein Hormon ist der Schlüssel für eine Wirkung, der Rezeptor ist das Schloss", so Prof. Günter Vollmer. Nur wenn der Schlüssel ins Schloss passt, öffnet sich die Tür, das heißt, es entsteht eine Wirkung.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.10.2012

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