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Heftige Kritik an Verkaufsplänen der Dresdner VNG-Anteile

Heftige Kritik an Verkaufsplänen der Dresdner VNG-Anteile

Unruhe ist der Leipziger Erdgasgroßhändler VNG AG in jüngster Zeit gewohnt. Deshalb herrscht im Unternehmen auch Gelassenheit angesichts der Ankündigung der Stadt Dresden, ihren 6,5-Prozent-Anteil an VNG abstoßen zu wollen.

Leipzig/Dresden . Und es gibt die übliche Einsilbigkeit, was eine Veräußerung bedeuten könnte. "Das ist Sache unserer Anteileigner", heißt es lapidar. Unterdessen stößt der Dresdner Plan in der Politik auf harsche Kritik.

Von Ulrich Milde und Ralf Redemund

"Das ist ein folgenreicher Verrat an sächsischen Interessen", polterte Linke-Fraktionschef André Schollbach am Donnerstag in der Sitzung des Dresdner Stadtrates. Die Dresdner Stadtspitze setze auf das schnelle Geld, um ihre Haushaltslöcher zu stopfen. Doch wer jetzt die Anteile an der VNG verscheuern wolle, handele wirtschaftlich unvernünftig und stelle sich gegen sächsische Interessen. Außerdem versaue sich die Stadt die Ausschreibungspreise, wenn sie jetzt schon festlege, dass sie "nur" 40 Millionen Euro aus dem Verkauf erzielen wolle.

In der Tat scheinen 40 Millionen ein Spottpreis zu sein. VNG-Großaktionär EWE in Oldenburg hatte einst für 47,9 Prozent der Aktien rund eine Milliarde Euro gezahlt. Nach diesem Tarif wäre der Dresdner Anteil 136 Millionen Euro wert. Auf der anderen Seite rauschte VNG im vorigen Jahr mit einem Verlust von 260 Millionen Euro in die tiefroten Zahlen, was den Preis drückt. Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) gab denn vor den DNN auch zu, dass der Zeitpunkt für einen Anteilsverkauf im Moment kein günstiger sei. Doch die Stadt Dresden könne sowieso nicht vor 2014 verkaufen. Bis dahin werde der Markt wieder anziehen, hofft das Dresdner Stadtoberhaupt.

Schelte musste Orosz auch von FDP-Fraktionschef Holger Zastrow hinnehmen. Der brandmarkte im Stadtrat den beabsichtigten Verkauf als "friendly fire" an Leipzig. Heißt: Man vergrätze damit einen Verbündeten. Es drohe mittelfristig ganz praktisch, dass Leipzig bald nicht mehr Hauptsitz sein könnte. Außerdem sei es unprofessionell und fahrlässig, jetzt schon einen Preis genannt zu haben.

Die Kommunen, darunter neben Dresden auch Annaberg-Buchholz, Erfurt, Hoyerswerda, Rostock, Chemnitz und Leipzig, haben ihre Anteile in der Beteiligungsgesellschaft VUB mit Sitz in Erfurt gebündelt und kommen zusammen auf 25,79 Prozent, verfügen über die Sperrminorität. Damit können Beschlüsse der Hauptversammlung, die eine mindestens 75-prozentige Mehrheit erfordern, verhindert werden. Dazu zählen unter anderem Kapitalerhöhungen und Satzungsänderungen. Leipzig hält über die Stadtfirma LVV 7,02 Prozent der VNG-Aktien und hat natürlich ein elementares Interesse an einer vielschichtigen Aktionärsstruktur, damit der Sitz und der Großteil der 1343 Beschäftigten in der Stadt an der Pleiße bleiben. Auch wenn es für das vorige Jahr und sicherlich auch für 2012 keine Dividende geben wird und für 2011 auch keine Gewerbesteuer in die Kassen von Leipzigs Finanzbürgermeister Torsten Bonew (CDU) floss. 2008 hatte der Gasimporteur bei einem Gewinn von 140 Millionen Euro noch 33 Millionen Euro Gewerbesteuer gezahlt.

Die kommunalen Anteilseigner haben übrigens ein Vorkaufsrecht (DNN berichteten). Das hatten sie bereits ausgeübt, als Halle und Jena ihre Beteiligungen loswerden wollten. Branchenkenner schließen eine Wiederholung nicht aus. Auch, damit Unruhe ausbleibt. Ob sie die Finanzmittel für den Kauf von 6,5 Prozent der Anteile aufbringen können, ist fraglich.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.09.2012

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