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"Hast du auch den Amorino?" - Die Geschichte der Sexspielzeuge

"Hast du auch den Amorino?" - Die Geschichte der Sexspielzeuge

Donnerstagabend, 20.15 Uhr. Die Schokolade steht in Armlängenentfernung, die dicken Kissen liegen am Rücken. Es ist Zeit für "Germany's Next Topmodel". Nach etwa einer halben Stunde die erste Werbepause.

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Beate Uhse versuchte in den 50er Jahren das Thema Sexspielzeuge wieder in die deutschen Schlafzimmer zu bringen.

Quelle: Archiv

Und da passiert's: Kam da gerade Werbung für Vibratoren? Im deutschen Fernsehen zur Primetime? Kann nicht sein. Denn der Werbespot des Onlineshops amorelie.de wirkt nicht gerade abschreckend. Und so drängt sich die Frage auf: Wie salonfähig sind Sexspielzeuge eigentlich heute?

Seit "Sex and the City" und "Shades of Grey" sprechen Frauen offener darüber, was in ihren Schlafzimmern passiert. Aber wie oft fragt eine Freundin: "Sag mal, hast Du auch den Amorino-Vibrator? Welches Programm nimmst Du denn immer? Und wie hält man den?" Nie? Eben. Dabei hat die Befriedigung von Frauen eine lange Tradition. Schon Kleopatra ließ angeblich Papyrustüten mit Bienen befüllen, um sich damit zu stimulieren. Im antiken Griechenland wurden phallische Tonstäbe mit warmem Wasser darin als Spielzeug verwendet. Das Wort Dildo leitet sich später aus dem italienischen "Diletto" ab, das für Freude oder Vergnügen steht.

Im Mittelalter werden Hilfsmittel aus Ton, Holz und Glas erstmals gezielt gegen Bauchschmerzen, Hysterie oder Schlaflosigkeit eingesetzt. Um 1880 erfindet schließlich der britische Arzt Joseph Mortimer Granville den ersten batteriebetriebenen Vibrator gegen allerlei Schmerzen. Fortan werden Massagestäbe, ob hand- oder elektrobetrieben, als medizinisches Gerät in Handarbeits- und Frauenzeitschriften beworben - bis in die 20er Jahre hinein ist das völlig normal. Doch plötzlich: Ende. Die amerikanische Historikerin Rachel Maines vermutet, dass vor allem die Filmindustrie und Aufklärer wie Sigmund Freud schuld sind. Die ersten Porno-Streifen zeigen des Öfteren Szenen mit Vibratoren, den Menschen wird zu deutlich vorgeführt: Das hat nicht nur mit Medizin zu tun. Der Vibrator muss in die Schmuddel-Ecke.

In den 50er Jahren versucht eine Pilotin, die Themen Verhütung und Ehehygiene wieder in deutsche Schlafzimmer zu tragen. Beate Uhse hat Erfolg mit ihrem Konzept, das sich aber ebenfalls immer weiter in die geheime, verbotene Schmuddelzone bugsiert. In Videokabinen laufen die Pornos, die Männer nicht zu Hause sehen dürfen. Mit den 70er Jahren und der Entdeckung des Silikons kommt Bewegung in den Erotikmarkt. Aber letztlich hat das Internet zum Wandel in den deutschen Schlafzimmern geführt. Pornos gibt es heute en masse zur kostenlosen Durchsicht und um sich Erotik-Toys anzusehen, muss keiner mehr zu Beate Uhse gehen.

Aber wo eine Tür zugeht, gehen bekanntlich viele andere auf. In den 90ern gründen sich die ersten Hersteller von Vibratoren, Dildos und Hygienezubehör. Es geht nicht um Schweinereien, sondern um Qualität, Premiumprodukte, himmlische Momente und wie in den Anfängen um medizinische Aspekte. Gleitgel ist jetzt bio - CO2-neutral hergestellt und mit Stoffen aus der Rotalge soll es sogar vor Gebärmutterhalskrebs schützen. Und die sogenannten Liebeskugeln trägt Frau vor allem, um den Beckenboden zu trainieren.

Doch hinter den Kulissen geht es im Sexspielzeugmarkt manchmal noch immer schmuddelig zu, zumindest wenn es um das Material geht. Billigkopien aus China überschwemmen mittlerweile auch den deutschen Markt. Wer eine Verpackung öffnet und von Plastikgeruch benebelt wird, sollte das Produkt lieber liegen lassen. In billigen Kopien ist kein medizinisches Silikon verbaut, sie enthalten Weichmacher, die krebserregend sein sollen. Deutsche Onlinehändler versprechen zwar strikte Qualitätskontrollen, aber die eigene Vorsicht schützt immer noch am besten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.07.2014

Alexa von Busse

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