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Harte Jahre, die sich lohnen: Johannes Schmidt tanzt in der Premiere "Bella Figura" des Semperoper Balletts Dresden

Harte Jahre, die sich lohnen: Johannes Schmidt tanzt in der Premiere "Bella Figura" des Semperoper Balletts Dresden

"Bella Figura" heißt der neue Abend in drei Teilen des Semperoper Balletts. "Bella Figura" ist ein Stück von Jirí Kylián, das sicher zum Kanon wichtiger Werke des Balletts im 20. Jahrhundert gehört.

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Johannes Schmidt

Im Rahmen der Hommage für den Komponisten Hans Werner Henze kreiert erstmals die Amerikanerin Helen Pickett eine Uraufführung für Dresden zu dessen Komposition "Das Vokaltuch der Kammersängerin Rosa Silber" aus dem Jahre 1951. Und der rasante Abschluss ist, noch ein Debüt in Dresden, Ohad Naharin, Chef der weltberühmten Batsheva Dance Company aus Tel Aviv, mit seiner Arbeit "MINUS 16", die sich aus verschiedenen Stücken zusammensetzt, klassische und moderne Klänge, etwa Cha-Cha-Rhythmen und Einflüsse der Folklore aus Israel, vereint. In diesem Stück wird der junge Tänzer Johannes Schmidt mitwirken und ganz sicher alles daran setzen, im Sinne des Titels eine gute Figur zu machen.

Der Weg Johannes Schmidts ist erstaunlich. Als er vor fünf Jahren, damals noch Student an der Palucca Hochschule, im Schauspielhaus anlässlich einer Gala zum Welttag des Tanzes ein Solo von David Dawson tanzte, bescheinigte ihm die Berliner Tanzkritikerin Elisabeth Nehring eine hoffnungsvolle Ausstrahlung und verblüffend gute Technik. Vergegenwärtigt man sich den Weg des Tänzers von damals bis heute, dann war dies alles andere als ein Irrtum.

Johannes Schmidt wurde 1990 in Chemnitz geboren und wuchs in Limbach-Oberfrohna auf. Ans Tanzen dachte er noch nicht, aber in die Bewegung drängte es ihn, so lange er sich erinnern kann. Er wollte sich austoben. Er versuchte es mit Judo, das war's aber nicht. Und dann fand er, was er suchte, wusste, dass er tanzen wollte. Erste Erfahrungen im Ballett & Tanzstudio in Limbach Oberfrohna, dann Aufnahmeprüfung an der Palucca Hochschule in Dresden, es folgten elf harte Jahre mit Internat und Knochenarbeit in den unterschiedlichen Sparten der Tanzausbildung. Ja, so erinnert sich Johannes Schmidt, der Anfang war schwer, aber dann wurde es besser, wenn auch nicht unbedingt leichter, und so mit 16 oder 17 Jahren war klar, das ist meine Sache, das wird mein Beruf, ich will nicht nur, ich muss tanzen. Die Eltern fanden das in Ordnung, der Großvater hat ein wenig geschmunzelt und sich gefragt, woher denn ein solches Talent plötzlich komme, aber jetzt sind alle glücklich, wenn sie ihren Tänzer auf der Bühne der Semperoper gemeinsam mit den "großen" Kolleginnen und Kollegen sehen können.

Die Härten der klassischen Ausbildung mussten sein, da gibt es auch kein Nachlassen. Aber moderne Stile müssen dazukommen, eine Tänzerpersönlichkeit muss beides vereinen, dabei bringt die Beherrschung klassischer Techniken und daraus resultierendes Körperbewusstsein die Voraussetzungen für zeitgenössische Formen. Andererseits hilft es der Interpretation klassischer Stücke, mit gegenwärtigen Strömungen vertraut zu sein. Daher fühlt sich Johannes Schmidt in der Dresdner Kompanie von Aaron S. Watkin gut aufgehoben, hier stimmt das Maß, hier kann man gerne die harten Forderungen als Förderung verstehen, außerdem kommt der Humor nicht zu kurz. Ja, hier kann man sich als junger Tänzer willkommen fühlen.

Es war natürlich so etwas wie unverschämtes Glück, nach Studienabschluss in die Gruppe der Eleven aufgenommen und mit kleinen solistischen Aufgaben betreut zu werden. Das Glück war noch größer, als die Übernahme in das Corps de ballet folgte. Und mit dieser Spielzeit, wenn sich der Vorhang hebt zur ersten Premiere, gehört Johannes Schmidt zu den Coryphées, früher "Gruppe mit Soloverpflichtung". Die Neugier bleibt, die Lust, Neues zu entdecken.

Es ist ein Privileg, mit den erfahrenen Tänzern der Kompanie zu arbeiten, zum anderen aber darf der Blick nicht versperrt werden auf den Tanz mit seinen Facetten außerhalb der Stadt- und Staatstheater. So kann man Johannes Schmidt antreffen, wenn seine ehemaligen Studienkollegen ihre freien Produktionen herausbringen. Wenn es die Zeit erlaubt, könnte er sich schon vorstellen, sich auch auf freie Experimente einzulassen. Im Rahmen der Reihe "Junge Choreografen" hat er sich bereits vorgestellt, für die Fortsetzung im Januar arbeitet er an einer neuen Choreografie.

Und der Blick in die Zukunft? Vorerst öffnet sich da für ihn ein weiter Raum in Dresden, etwa wenn Stijn Celis "Romeo und Julia" choreografieren wird. Gerade im zeitgenössischen Tanz auf klassischer Grundlage, da könnte er seine Zukunft sehen, es muss nicht unbedingt ein Schwanensee-Prinz sein. Herausforderungen warten in den Stücken von Jirí Kylián, Johann Inger, Mats Ek, oder eben jetzt ganz aktuell zur Premiere "Bella Figura" in "MINUS 16" von Ohad Naharin.

Premiere am Sonnabend, 19 Uhr, Semperoper

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.10.2012

Boris Michael Gruhl

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