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Hannover Messe: Dresden zeigt sich als Leichtbauhauptstadt

Hannover Messe: Dresden zeigt sich als Leichtbauhauptstadt

Eigentlich wollte Oliver Reinhardt am Donnerstag mit einem Leichtflugzeug zur Pressekonferenz einschweben, auf der die Stadt eine Vorschau auf ihren Auftritt zur Hannover Messe gab.

Doch der Geschäftsführer der Kamenzer Flight Design GmbH wurde durch die Sturmböen ausgebremst. Vertreter von Wirtschaft und Medien, die extra ins Flughafenterminal eingeladen worden waren, sahen hinter der großen Glaswand nichts. Dieses kleine Missgeschick hatte schon fast Symbolkraft für ein Problem, an dem der Industriestandort Dresden seit Jahren zu kauen hat - Sichtbarkeit.

Um die als Kulturstadt und exzellenter Forschungsstandort bekannte Landeshauptstadt stärker ins Bewusstsein von Entscheidern in der Wirtschaft zu rücken, hatten Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) und Bettina Bunge, die Chefin der Dresden Marketing GmbH (DMG), Ende 2013 je 100 000 Euro aus ihren Bereichen in eine Imagekampagne investiert, die bis 2016 läuft. Teil der Aktion, die durch die Werbeagentur WeichertMehner organisiert wird, ist auch der Auftritt der Stadt auf der diesjährigen Hannover Messe (13. bis 17. April). Dresden sei "deutsche Material- und Leichtbauhauptstadt", sagte Hilbert. Auf diesen Bereichen liege der Schwerpunkt des Messeauftritts, von dem sich der Bürgermeister verspricht, dass die Stadt von internationalem Fachpublikum als europäisches Kompetenzzentrum für Automation, Energie und Material wahrgenommen wird.

Neue Verbundwerkstoffe aus Faserkeramik oder hoch temperaturbeständige Materialien, wie sie zum Beispiel am Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik der TU Dresden (ILK) entwickelt werden, sollen Flugzeuge und Autos sparsamer und sicherer machen, innovative Prothesen in der Medizin oder funktionale Sportbekleidung ermöglichen. Nicht der Preis, sondern die Qualität der eingesetzten Materialien entscheide über den Erfolg eines Produktes, der Industrie und letztendlich den Wohlstand einer Gesellschaft, sagte ILK-Chef und TU-Professor Hubert Jäger. Deutschland, und speziell Dresden, sei in der Forschung auf diesen Gebieten Weltmeister, aber die industrielle Umsetzung sei lausig. Und das, obwohl das ILK in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern vor Ort die gesamte Wertschöpfungskette bis zur Kleinserienfertigung realisieren könne. Wie in anderen Bereichen mangele es an der Überführung in die Massenproduktion.

DMG-Chefin Bunge verfolgt deshalb eine Doppelstrategie. Neben überregionaler Werbung für die Dresdner Wirtschaft will sie verstärkt Kongresse in die Stadt holen. Im September 2015 hat die "Werkstoffwoche" Premiere, die künftig alle zwei Jahre hier stattfinden und bis zu 1200 Fachleute anlocken soll. Die hätten es aber nicht leicht, in die Stadt zu kommen, sagte Frank Fischer, Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Materialkunde mit Verweis auf die spärliche Anbindung des Dresdner Flughafens.

Größtes Problem für die überregionale Sichtbarkeit ist die Kleinteiligkeit der Industrie. Viele Firmen aus der Region sind Weltspitze. Flight Design hat bislang 1800 Leichtflugzeuge in 42 Länder ausgeliefert und ist in der Klasse Light-Sport Aircraft Marktführer in den USA. Die Wahrnehmung Dresdens als Wirtschaftsstandort und die damit verbundene Chance auf viele neue Jobs würden aber vor allem durch die Ansiedlung eines großen Industriekonzerns in der Region erleichtert, sagt PR-Profi Ulf Mehner. Gegen die Semperoper und August den Starken mit Hunderten Jahren Vorsprung habe es die neue Dresden-Kampagne nicht leicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.04.2015

Holger Grigutsch

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