Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° heiter

Navigation:
Google+
„Grunz-Mobil“ auf Prager Straße in Dresden

Gegen Massentierhaltung „Grunz-Mobil“ auf Prager Straße in Dresden

Mit dem „Grunz-Mobil“ versucht die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt seit 2011, auf die Haltebedingungen von Schweinen in der Fleischproduktion aufmerksam zu machen. Am Montag hielt das Fahrzeug in Form eines überdimensionierten Schweins auf der Prager Straße in Dresden.

Die Albert-Schweitzer-Stiftung sieht noch erhebliche Mängel in der Umsetzung der EU-Schweinehaltungsrichtlinie.

Quelle: Philipp Burkhardt

Dresden. Am Montag demonstrierte die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt mit ihrem „Grunz-Mobil“ auf der Prager Straße in der Dresdner Innenstadt. Die Tierschützer wollen auf die Haltebedingungen von Schweinen in der Fleischproduktion aufmerksam machen und fordern ein Ende der Massentierhaltung.

„Massentierhaltung bedeutet für uns, dass das Tier an das System angepasst wird. Die Grundbedürfnisse des Tieres werden oft missachtet“, sagte Carsten Halmanseder, der für die Stiftung vor Ort war. Die Aktion verfolge grundsätzlich zwei Ziele: Zum einen müssten die Haltungsbedingungen von Schweinen in der Fleischproduktion verbessert werden. Vor allem die Haltung auf Vollspaltenböden muss laut Mitteilung der Schweitzer-Stiftung überdacht werden. In Deutschland ist es gängige Praxis, dass Schweine auf Betonböden mit Spalten gehalten werden, damit Urin und Fäkalien abfließen können. „Schweine benötigen jedoch Einstreu, um artgerecht leben zu können“, so Halmanseder weiter. Außerdem würde durch Haltung auf hartem Boden das Risiko für Gelenkverletzungen der Tiere erhöht, heißt es in weiter.

8e4f588c-5271-11e6-b445-842aaadb21fb

Am Montag demonstrierte die Albert-Schweitzer-Stiftung mit ihrem „Grunz-Mobil“ gegen Massentierhaltung.

Zur Bildergalerie

Einen weiteren Streitpunkt stellt die EU-Schweinehaltungsrichtlinie dar. Im Original schreibt sie vor, dass der Liegebereich für Schweine „comfortable“ sein müsse. Übersetzt wurde dies jedoch bis zum Februar dieses Jahres mit „angemessen“ statt „angenehm“. Die Schweitzer-Stiftung konnte erreichen, dass die Europäische Kommission die Übersetzung der Richtlinie korrigiert.

Auf der anderen Seite wollen die Initiatoren mit der Stiftung auf alternative Ernährungsformen hinweisen. „Ein großer Teil der Bevölkerung verurteilt Massentierhaltung, kauft aber gleichzeitig die billigsten Fleischprodukte. Wir wollen niemandem die Bratwurst verbieten. Allerdings sollten die Menschen keine Produkte aus Massentierhaltung kaufen“, erklärt Halmanseder. So will die Stiftung auf pflanzliche Alternativen aufmerksam machen.

Zu diesem Zweck konnten sich die Passanten zur „Vegan Taste Week“ anmelden. Per Email erhalten die Eingetragenen dann eine Woche lang vegane Rezeptvorschläge. Zudem können sich die Bürger mit Filmen aus dem Mastbetrieb, die auf einer Leinwand am „Grunz-Mobil“ gezeigt werden, selbst ein Bild machen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten werden.

Für die Fleischproduzenten überwiegen jedoch die Vorteile der Vollspaltenböden. „Einstreu in Schweineställen ist sehr arbeitsintensiv. Zudem fördert Stroh in Ställen die Übertragung von Krankheitserregern und schädlichen Pilzen“, erklärte Jana Püttker von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN). Vollspaltenböden würden zudem eine angenehme Abkühlung im Sommer bieten, den notwendigen Klauenabrieb fördern und vor allen Dingen trocken bleiben, was aus hygienischen Gründen wichtig sei. Zudem betonte Püttker den Entwicklungsprozess, den es in der Viehwirtschaft gegeben habe. Die Haltung habe sich absichtlich nach Abwägung der Vor- und Nachteile von der Stroheinstreu zum Vollspaltenboden entwickelt. Die aktuellen Haltungsbedingungen seien aus Sicht der ISN „angenehm“ und erfüllen somit die EU-Richtlinie.

Außerdem seien Produzenten in der Schweinewirtschaft einer Fülle von ökonomischen Zwängen ausgesetzt. „Die Schweinewirtschaft hatte es in den letzten zwei Jahren schwer. Momentan verdient der Landwirt abzüglich aller Produktionskosten lediglich drei Euro pro Schwein“, erklärte Püttker weiter. Dementsprechend schwierig sei es für die Produzenten im Moment, hohe Investitionskosten zur Verbesserung der Haltebedingungen auf sich zu nehmen.

Carsten Halmanseder und sein Team haben in diesem Jahr bereits 50 Städte mit dem „Grunz-Mobil“ besucht und planen bereits eine zweite Tour für 2016. Ihrer Ansicht nach gibt es noch erhebliche Vollzugsdefizite zur Herstellung „angenehmer“ Haltungsbedingungen. Im Endeffekt wird es künftig wohl um die Auslegung der Vokabel „angenehm“ und die Beantwortung der Frage gehen, was man einem Tier zumuten kann und was nicht.

Von Philipp Burkhardt

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
Anzeige
  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.