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Gründerschmieden helfen Studenten - Sorge um unklare Finanzierung

Gründerschmieden helfen Studenten - Sorge um unklare Finanzierung

Vom Hörsaal in die eigene Firma: In Sachsen unterstützen Gründerschmieden zwar an zahlreichen Hochschulen die Studenten auf diesem Karriereweg.

Allerdings entscheiden sich wenige für den Schritt in die Selbstständigkeit. „Die Zahl der Gründungen ist rückläufig, das Interesse aber nach wie vor groß“, sagt Frauke Posselt von der Dresdner Gründerinitiative „dresden exists“.

Seit 15 Jahren gibt die Initiative Studenten, Absolventen oder Wissenschaftlern eine Starthilfe. Pro Jahr werden bis zu 70 Gründungsprojekte beraten. Entstanden daraus bis 2012 noch 30 bis 35 Unternehmen pro Jahr, waren es 2013 nur noch rund 20. „Auf diesem Niveau bewegen wir uns wohl auch dieses Jahr.“ Dass die Zahl der neugegründeten Firmen insgesamt zurückgeht, zeigen auch Zahlen des Statistischen Landesamtes: Gab es sachsenweit 2012 noch gut 27 000 Neugründungen, sank deren Zahl im Vorjahr um knapp fünf Prozent auf 25 700. Im ersten Halbjahr 2014 wurden bislang etwa 12 700 Unternehmen gegründet.

Posselt führt die Entwicklung vor allem auf den Arbeitsmarkt zurück: „Die Chancen, einen guten Job zu finden, stehen derzeit gut für Studenten.“ Zudem seien die Gründungszuschüsse zurückgegangen. Viele Wissenschaftler seien daher nicht bereit, das Risiko einer Unternehmensgründung auf sich zu nehmen. Und „dresden exists“ beobachtet das mit Sorge: Die Gründung von jungen, innovativen Unternehmen stärke die regionale Wirtschaft und schaffe Arbeitsplätze. Rund 1000 Arbeitsplätze sind in der Region in den vergangenen 15 Jahren durch die Gründungen aus dem Umfeld von Universitäten entstanden, schätzt Posselt. Die meisten Neugründungen gibt es im Bereich Software und IT, aber auch Produktdesigner, Messtechniker und Maschinenbauer lassen sich beraten: „Eigene Ideen umzusetzen und Gestaltungsspielraum, das ist der wichtigste Antrieb für Gründer.“

An den Hochschulen in Freiberg, Mittweida, Zwickau und Chemnitz wirbt das Gründernetzwerk „Saxeed“ für die Idee, sich selbstständig zu machen. „Wir möchten die Studenten auf das Thema überhaupt erst einmal aufmerksam zu machen“, sagt Sprecherin Susanne Schübel. Dafür organisiert „Saxeed“ Vorlesungen, Ideenwettbewerbe und Workshops, hilft beim Business-Plan und der Finanzierung. Seit der Gründung 2006 hat „Saxeed“ an den vier Standorten mehr als 200 erfolgreiche Gründungen aus dem Umfeld der Universitäten betreut. Darunter vor allem Firmen aus den Bereichen Informatik, Handel und technologieorientierte Dienstleistungen.

Prinzipiell gilt: Je besser die Jobchancen für Absolventen, desto weniger Gründungen, so Schübel. Dennoch habe es im Förderzeitraum 2011 bis 2014 insgesamt mehr Gründungen als in den Jahren zuvor gegeben. In Leipzig berät „Smile“, das Gründernetzwerk der Hochschulen, Studenten, Absolventen und Wissenschaftler an acht Standorten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Im Wintersemester 2013/2014 und in diesem Sommersemester verbuchte „Smile“ jeweils knapp 1000 Teilnahmen bei Beratungen und Veranstaltungen. 42 Firmengründungen sind daraus hervorgegangen. Zunächst berät das Netzwerk noch bis Ende des Jahres. Wie es weitergeht, ist noch unklar. „Wir sind mit der Landesregierung im Gespräch, um eine Fortführung unserer Arbeit zu ermöglichen“, sagte ein Sprecher. Auch die anderen Initiativen bangen um ihre Zukunft.

Die Gründerschmieden werden vor allem mit EU- und Landesmitteln finanziert. Laut Wirtschaftsministerium waren das von 2011 bis 2014 rund 5,5 Millionen Euro. Noch steht nicht fest, wie viel Geld im neuen Förderzeitraum ab 2015 zur Verfügung steht. Die sächsischen Gründungsinitiativen hatten der Regierung vorgeschlagen, drei Prozent der freiwerdenden Bafög-Mittel für eine dauerhafte Finanzierung der Gründungsinitiativen einzusetzen. „Leider ohne Erfolg“, sagte der Geschäftsführer von „dresden exists“, Frank Pankotsch. Nun hoffe man auf die neue Regierung - und eine rasche Entscheidung. „Wenn wir wegen fehlender Mittel Angebote abgebaut und Mitarbeiter verloren haben, kann man das nicht ohne weiteres wieder aufholen.“

Erst in diesem Jahr hat der Ländercheck des Stifterverbandes zur Gründungsförderung an deutschen Hochschulen dem Freistaat Sachsen ein gutes Gründungsklima attestiert. Studenten würden beim Schritt in die Selbstständigkeit gut unterstützt, hieß es. Im Schnitt kommen bundesweit rund zwei Unternehmensgründungen auf 1000 Studierende. In Sachsen sind es doppelt so viele. Der Freistaat investiert laut Wissenschaftsministerium im Schnitt etwa 160 Euro pro Student. Dafür gebe es Beratungen, Räume oder Veranstaltungen mit Investoren.

Christiane Raatz, dpa

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