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Gründerfieber in Dresden erlahmt - Mikrokredite sollen Trend wieder umkehren

Gründerfieber in Dresden erlahmt - Mikrokredite sollen Trend wieder umkehren

Immer weniger Dresdner wollen sich selbstständig machen: Vor allem, seitdem der Arbeitsmarkt wieder brummt, gibt es weniger Gründer, das Saldo aus Gründungen und Aufgaben hat sich in ein Minus gedreht.

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Azim Bibic hat mit Hilfe von Mikrokrediten einen Hausmeister- und Reinigungsdienst gründen können. Inzwischen hat seine Firma sieben Mitarbeiter.

Quelle: D. Flechtner

Die Zahl der neuen Kleingewerbe ist sogar um über ein Drittel eingebrochen. Damit der Schritt in die Selbstständigkeit nicht an Kreditklemmen scheitert, gibt es inzwischen speziell auf Kleingründer zugeschnittene Mini-Kredite - doch diese Instrumente haben sich erst wenig herumgesprochen.

Azim Bibic ging es wie so vielen in der Branche: Kunden bezahlten die Rechnungen nicht, seine Baufirma ging pleite, er erhielt einen Schufa-Eintrag und damit waren alle Kreditwege bei Privatbanken für einen Neuanfang versperrt. "Zum Glück hat uns dann aber Matthias Untisz mit Mikrokrediten von der KfW über insgesamt 9000 Euro geholfen", erzählt Ingrid Franz, die sich für Bibic um den Bürokram kümmert. "Dadurch konnten wir uns Industriestaubsauger, Wischgeräte und Reinigungsmittel anschaffen und einen Reinigungs- und Hausmeisterdienst hier in Dresden gründen. Das hat uns wieder auf die Beine geholfen - und jetzt hat die neue Firma wieder sieben Mitarbeiter."

Solche kleinen Erfolgsgeschichten wurden auch möglich, weil Bund, Land und EU eine Kreditlücke im freien Bankenmarkt geschlossen haben: Die "Mikrokredite" vom Bund zum Beispiel sollen jenen helfen, die den Sprung in die Selbstständigkeit wagen, kleine Darlehen zum Start brauchen. Für die großen Banken sind diese Kunden eher uninteressant, weil die Gründungswilligen oft kaum eigenes Kapital und wenig Sicherheiten vorweisen können, man wegen der niedrigen Summen wenig an den Krediten verdienen kann.

"Mindestens 80 Prozent meiner Kunden sind Ein-Mann- oder Ein-Frau-Unternehmen", erzählt Untisz, der mit dem "Mikrofinanzinstitut Sachsen" eine Verteilfirma für die Bundes-Mikrokredite in Dresden leitet. "Das sind zum Beispiel Leute, die einen kleinen Handwerksbetrieb aufgemacht haben oder - wie Herr Bibic - einen Hausmeisterservice, sogar Künstlerinnen waren dabei."

Banker ließen mich wegtreten

"Mich haben die Banker einfach wegtreten lassen, als ich um einen kleinen Kredit für eine Polierschleifmaschine bat", erzählt Kunstschmied Martin Nöring, der kleine Metallarbeiten erledigt und als Schauschmied über Mittelaltermärkte tingelt. "Ich habe aber dann einen Mikrokredit über etwa 4000 Euro bekommen, das hat sehr geholfen."

Nöhring und Bibic sind typische Beispiele: Die meisten Darlehen, die Untisz vergibt, bewegen sich um die 6000 Euro, maximal sind 20000 Euro möglich. Die Mikrokredite sind mit derzeit 8,9 Prozent Zins zwar teurer als normale Unternehmensdarlehen, dafür kommen aber auch jene zum Zuge, die beim Punkt Null anfangen: "Die meisten meiner Kreditnehmer können keine echten Sicherheiten hinterlegen", sagt Untisz. "Wir machen das dann meist über Bürgschaften von Bekannten oder Verwandten. Ich musste aber noch nie einen Bürgen zur Kasse bitten - bis jetzt gab es keinen einzigen Kreditausfall."

Als Alternative zu den Bundes-Mikrokrediten bietet die Sächsische Aufbaubank (SAB) "Mikrodarlehen". Waren diese Landeskredite zunächst sehr beliebt, gibt es nun einen Abschwung: Vergab die SAB im Jahr 2006 insgesamt 288 Mikrodarlehen mit einem Gesamtvolumen von 4,2 Millionen Euro, waren es im Spitzenjahr 2010 genau 598 Darlehen mit 9,1 Millionen Euro - um dann bis 2012 auf 224 Kredite mit 3,5 Millionen Euro Vergabevolumen abzusacken. SAB-Sprecherin Beate Bartsch führt dies auf die verbesserte Arbeitsmarktlage zurück: Erscheinen die Jobs sicher, ist der Druck, sich selbstständig zu machen, geringer - anders als noch im Krisenjahr 2009.

Ein Drittel weniger Kleingewerbe

Das deckt sich mit Beobachtungen der Industrie- und Handelskammer (IHK): "In Dresden gab es im vergangenen Jahr 24 Prozent weniger Existenzgründungen, bei den Kleingewerbe-Anmeldungen war der Rückgang noch deutlicher", sagte IHK-Wirtschaftsförderin Manuela Gogsch. Wurden 2011 noch 1482 Kleingewerbe in Dresden angemeldet, waren es im Folgejahr nur noch 966 - das entspricht einem Rückgang um 35 Prozent.

Indes hat Dresden im Vergleich zu anderen sächsischen Regionen ein paar Sonderfaktoren: Durch die hohe Forschungsdichte gibt es hier viele Instituts-Ausgründungen im Hightech-Sektor. Sie machen über die Hälfte der Existenzgründungen oberhalb des Kleingewerbes aus - sind allerdings meist auch mit Startinvestitionen verbunden, die jeden Mikrokredit oder ähnliche Darlehensinstrumente sprengen würden. Von der Hightech-Gründerplattform "dresden exists" war zu erfahren, dass in diesem Sektor kaum ein Rückgang des Gründungsfiebers zu beobachten sei.

Immer mehr Nebenbeiunternehmer

Allerdings betätigen sich inzwischen mehr und mehr Dresdner "nebenbei" als Unternehmer, hier war ein leichter Anstieg auf 2395 Nebenerwerbs-Gründungen zu verzeichnen. Ein Grund dürften die neuen Absatz-Möglichkeiten sein, die das Internet selbst für ausgefallene Geschäftsideen mit wenig Kapitaleinsatz bietet: Für Comic-Sammler zum Beispiel, Hobby-Bäckerinnen, die sich auf seltene Kuchen spezialisiert haben, und andere exotische Angebote eröffnet der Online-Absatz die gesamte Welt als potenziellen Markt, den diese Hobby-Unternehmer neben ihrer regulären Tätigkeit in einer Festanstellung zum Beispiel schnell und einfach bedienen können.

Zudem kann eine Nebenbei-Selbstständigkeit auch eine Vorstufe sein, um risikoarm und mit einem Gehalt im Rücken ein späteres "echtes" Unternehmertum vorzubereiten. Denn manche Versüßungspille, mit denen früher öffentliche Institutionen den Weg in die Selbstständigkeit ebneten, ist inzwischen weggefallen.

"Die Streichung des Zuschusses aus dem Europäischen Sozialfonds für Existenzgründungen und der spätere Wegfall des Rechtsanspruches auf Gründerzuschuss der Bundesagentur für Arbeit trugen aus unserer Sicht maßgeblich zum Rückgang der Gründungen bei", schätzt Torsten Rex ein, der persönliche Referent von Wirtschaftsbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). "Somit fehlt Gründern häufig die Sicherung des Lebensunterhaltes und auch die Sicherheit für die Familien."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2013

Weckbrodt, Heiko

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