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Greenpeace-Aktivisten beschädigen Nazca-Linien in Peru – Dresdner Wissenschaftler entsetzt

Greenpeace-Aktivisten beschädigen Nazca-Linien in Peru – Dresdner Wissenschaftler entsetzt

Aktivisten der Umweltschutz-Organisation Greenpeace haben am Montag die zum Unesco-Welterbe gehörenden Nazca-Linien beschädigt, als sie eine Klimaschutz-Botschaft auf den Wüstenboden aufbrachten.

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Quelle: MariaReicheVerein Dresden

Dresdner Forscher äußern sich empört über diese Aktion, deren Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Die Scharrbilder in der peruanischen Nazca-Ebene sind für Dresden gleich in zweifacher Hinsicht bedeutsam: Zum einen forschen Wissenschaftler der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) regelmäßig dort, zum anderen gehörte die Dresdnerin Maria Reiche (1903-1998) zu den Pionieren der Nazca-Forschung.

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Die mehr als 2000 Jahre alten Nazca-Linien wurden 1994 zum Weltkulturerbe erklärt.

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In der Dunkelheit der Montagnacht waren etwa 20 Greenpeace-Aktivisten über die Nazca-Ebene zu dem Linienbild „Kolibri“ gelaufen und hatten neben dem Bild riesige gelbe Stoffbuchstaben zu dem Slogan „Time for change! The future is renewable“ (Zeit zur Veränderung! Die Zukunft ist erneuerbar) gelegt. Die Forderung richtete sich an die Teilnehmer der UN-Weltklimakonferenz, die derzeit in Lima (Peru) stattfindet.

Mit der Aktion wollte Greenpeace daran erinnern, dass die Nazca-Kultur aufgrund des regionalen Klimawandels ausgestorben sei, wie die Umweltschützer auf ihrer Homepage mitteilen. „Heute bedroht der von Menschen gemachte Klimawandel nicht nur einzelne Regionen, sondern unser aller Zukunft“, sagte Martin Kaiser, Leiter der internationalen Klimapolitik Greenpeace und zur Zeit bei der Klimakonferenz. Nachdem sie die Buchstaben ausgelegt hatten, ließen die Aktivisten eine Drohne fliegen, um Aufnahmen des Kolibris und ihres Spruches zu machen.

„Die Figuren sind definitiv verloren“

Christiane Richter, Präsidentin des Dresdner Vereins „Dr. Maria Reiche – Linien und Figuren der Nazca-Kultur in Peru“ e.V. und Laboringenieurin an der Fakultät Geoinformatik der HTW, reagierte mit Entsetzen und Empörung auf die Aktion. „Erstens darf man das Gebiet gar nicht betreten, darauf stehen fünf Jahre Gefängnis. Man hinterlässt nämlich deutliche Spuren auf dem Boden, die nicht wieder zu beseitigen sind.“

Die Nazca-Wüste besteht aus feinem Sand, der mit einer dünnen Schicht Steinchen überzogen ist. Läuft man darüber, sinken die kleinen Steine im Sand ein – zurück bleibt ein heller Fußabdruck in der sonst graubraunen Wüstenoberfläche. „Zweitens weiß man gar nicht, was man zerstört, wenn man darüber läuft. Vieles ist vom Boden aus nicht sichtbar. Rings um den Kolibri sind weitere Figuren, die nachgedunkelt und nicht mehr so gut erkennbar sind. Diese Figuren sind nun definitiv verloren.“ Laut der peruanischen Regierung seien Schäden auf dem angrenzenden Gebiet zum Kolibri-Bild auf einer Fläche von 1600 Quadratmetern festgestellt worden.

Die sogenannten Scharrbilder sind schätzungsweise um 200 bis 800 Jahre vor Christus entstanden und gehören zum UN-Weltkulturerbe. Die kilometerlangen Geoglyphen stellen Tier- und geometrische Figuren dar, die vor allem aus der Luft zu erkennen sind.

Richter vermutet zudem, dass man die Stellen, an denen die Stoffbuchstaben lagen, noch erkennen kann, wenn die Tücher längst wieder entfernt sind. „Es ist auch verboten, dort Drohnen fliegen zu lassen, weil dort sehr schwierige Windverhältnisse herrschen.“

Wahrscheinliche Folge: strengere Auflagen für Forscher

Welche Auswirkungen die Greenpeace-Aktion hat, konnte Richter noch nicht abschätzen. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass die Schutz- und Kontrollmaßnahmen verschärft werden und Wissenschaftler noch strengere Auflagen erfüllen müssten, wenn sie die Pampa betreten wollen. Der seit 1994 bestehende Dresdner Maria-Reiche-Verein bemüht sich nun, den schädigenden Effekt der Greenpeace-Aktion öffentlich zu machen. „Als Verein ist es laut Satzung unsere Aufgabe, dass wir die Linien erhalten, und deshalb müssen wir uns jetzt engagieren“, sagte Richter. Ihr Partnerverein in Peru, dem die Adoptivtochter Maria Reiches vorsteht, werde sich wahrscheinlich an die Unesco und an die peruanischen Behörden wenden. „Die logische Konsequenz ist, die Beschädigungen zu ahnden“, meinte die Vereinspräsidentin.

Das peruanische Kulturministerium verurteilte die „illegale“ Aktion scharf und kündigte Konsequenzen an. Peru respektiere die Meinungsfreiheit, wenn dabei das nationale Kulturerbe des Landes beachtet werde, erklärte das Kulturministerium, das bei der Staatsanwaltschaft eine Ausreisesperre gegen die betroffenen Greenpeace-Aktivisten beantragte. Greenpeace schrieb in einer E-Mail, man habe sich „bedingungslos und ernsthaft“ entschuldigt und werde bei einer Untersuchung kooperieren. Staatsanwältin Velia Patricia Begazo Villanueva teilte mit, dass gegen zwölf Personen ermittelt werde.

Tanja Tröger (mit dpa)

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