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Glück im Spiel, Pech fürs Geld - 1,6 Millionen Euro Einnahmen für Dresden

Glück im Spiel, Pech fürs Geld - 1,6 Millionen Euro Einnahmen für Dresden

Schrill, bunt und mit Aussicht auf den großen Gewinn - wenn an Spielautomaten die Münzen klimpern, klingeln nicht nur bei den Betreibern die Kassen.

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Die bunten Spielautomaten locken mit schnellen Gewinnen. Für manchen werden sie zur Sucht.

Von Benjamin Winkler

Auch die Stadt verdient kräftig mit. Nach ersten Schätzungen will Dresden rund 1,6 Millionen Euro an Vergnügungsteuer dieses Jahr einnehmen, 400 000 Euro mehr im Vergleich zu 2002. Gab es vor zehn Jahren noch 636 Apparate mit Gewinnmöglichkeit in der Landeshauptstadt, so ist ihre Zahl auf 905 gestiegen. Im gleichen Zeitraum hat sich jedoch auch die Zahl der pathologischen Glücksspielsüchtigen in Sachsen mehr als vervierfacht. Ein neues Gesetz soll nun den Spielerschutz stärken, private Spielhallenunternehmer fürchten hingegen um ihre Existenz.

Die Gesamtzahl der Spielautomaten in Dresden ist im Vergleich zu 2002 aber leicht zurückgegangen. 928 dieser verlockenden Apparate sind derzeit in der Landeshauptstadt zu finden - das sind 59 weniger als noch vor zehn Jahren, informiert Stadtsprecherin Anke Hoffmann. Etwa zwei Drittel des Bestandes steht in Spielhallen, der Rest in Kneipen und Gaststätten. Aktuell schütten nur noch 23 Geräte - das können Flipper- oder Videospielautomaten sein - kein Geld aus, 2002 gab es dagegen noch 351 Automaten ohne Gewinnmöglichkeit.

Die steigende Tendenz der beliebten Automaten mit Gewinnchance gehe vor allem auf eine Änderung der Spielverordnung im Jahr 2006 zurück. "In Spielhallen konnten pro Konzession nunmehr maximal zwölf statt zehn Geräte aufgestellt werden", erklärt Hoffmann. Gaststätten dürfen anstelle von zwei seitdem insgesamt drei Automaten mit Gewinnmöglichkeit anbringen.

Neben den gewerblich betriebenen Spielhallen bestehen noch die staatlich lizenzierten Spielbanken. Davon gibt es derzeit nur eine in Dresden, ein reines Automatencasino an der Prager Straße, ausgestattet mit 98 Daddel-Automaten. Doch immer weniger Menschen wollen hier ihr Glück versuchen, gegenüber den Zahlen von 2002 sind die Erträge um fast 70 Prozent zurückgegangen. Nach Angaben des sächsischen Finanzministeriums hat das Dresdner Casino 2002 noch 2,56 Millionen Euro Spielbankabgabe weitergereicht. 2012 werde man voraussichtlich nur 825 000 Euro einnehmen, sagt Pressereferent Alwin-Rainer Zipfl. Die Abgabe fließt in den Landeshaushalt und wird für gemeinnützige Zwecke verwendet. Einen Teil der Gelder erhalten Suchthilfe-Vereine.

"Der Rückgang ist im Wesentlichen auf die Beschränkungen durch den Glücksspielstaatsvertrag zurückzuführen", erklärt Zipfl. Seit 2008 müssten Spielbanken ihre Werbung einschränken und beim Einlass die Ausweise von Automatenspielern kontrollieren, um zu erkennen, ob ein Spieler gesperrt wurde. "Da für Spielhallen keine vergleichbaren Auflagen gelten, dürften Besucher auch den höheren Aufwand bei den Spielbanken gescheut haben", so Zipfl.

Spielhallen stärker reglementiert

Nun will der Freistaat auch den Spielotheken einen Riegel vorschieben. Mit dem neuen "Ausführungsgesetz zum Glücksspielstaatsvertrag" soll die "Spielhallenflut" und Spielsucht eingedämmt werden. 2002 zählte Dresden noch 40 Spielotheken, heute gibt es rund 60 Standorte. Das neue Landesgesetz trat am 1. Juli dieses Jahres in Kraft. Es sieht vor, dass zwischen zwei Spielhallen und zu Schulen künftig ein Mindestabstand von 250 Metern eingehalten werden muss. Unter einem Dach dürfen künftig nur noch maximal zwölf Automaten aufstellt werden, Mehrfachkonzessionen seien nicht mehr erlaubt. Bis 2017 müssten die Auflagen umgesetzt werden.

Kritik kommt von den gewerblichen Spielhallenbetreibern: "Das Gesetz ist eine verlogene Sache", findet Wolfgang "Wolle" Förster harte Worte. Der Dresdner Unternehmer unterhält drei Spielhallen mit rund 100 Automaten und zahlt über die Vergnügungssteuer jährlich eine sechsstellige Summe ins Stadtsäckel ein. "Das sind Pläne, um uns in den Ruin zu treiben. Viele Spielhallen werden schließen müssen", prophezeit er. Nach seiner Ansicht dient dieses Gesetz nur dazu, das staatliche Spielbankenmonopol gegenüber den privaten Anbietern zu stärken. "Bereits jetzt gibt es Regelungen zum Jugend- und Spielerschutz, die bei uns strikt eingehalten werden", sagt Förster. Das heißt: Zutritt erst ab 18 Jahren, Alkoholverbot, Sperrzeit ab 23 Uhr und ein begrenzter Höchstverlust an einem Automaten auf 80 Euro pro Stunde. "In Spielbanken kann man dagegen innerhalb einer Stunde auch locker mal 30 000 Euro verlieren", sagt Förster.

2000 Dresdner sind spielsüchtig

"Wir sehen indes einen Anstieg der Personen, die aufgrund einer Glücksspielsucht sächsische Suchtberatungsstellen aufsuchen bzw. eine Suchttherapie absolvieren", sagt Olaf Rilke, der Leiter der Sächsischen Landesstelle gegen Suchtgefahren. "Die Anzahl der Betroffenen wird in Sachsen auf bis zu 15 000 geschätzt", so Rilke. Damit haben sich die Zahlen gegenüber 2002 mehr als vervierfacht. In Dresden sei mit rund 2000 Glücksspielsüchtigen zu rechnen.

Aus diesem Grund begrüßt Rilke das neue Gesetz, nachdem im Glücksspielstaatsvertrag 2008 zunächst keine Einschränkungen für Spielhallen gemacht wurden. "Aktuell berichten 70 Prozent der Personen in den Beratungsstellen von Problemen im Zusammenhang mit Glücksspielautomaten." Es würden aber noch zu wenig Betroffene professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, sagt Rilke. Dabei hätten suchtgefährdete Personen oftmals mit drastischen Folgen zu kämpfen: Sie sind hoch verschuldet, haben familiäre und berufliche Krisen und gelten mitunter auch als selbstmordgefährdet.

Glücksspielsucht-Beratungstellen in Dresden: GESOP Integrative Suchtberatungsstelle, Gasanstaltstr. 10, Tel.: 21 53 08 30; Caritasverband Dresden, Görlitzer Str. 18, Tel.: 8 04 38 04; Jugend- und Drogenberatung Gesundheitsamt Dresden, Wiener Str. 41, Tel.: 42 77 30; Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Horizont, Kesselsdorfer Str. 2, Tel.: 4 20 77 38; DW Stadtmission Dresden, Fetscherstr. 10, Tel.: 4 46 89 77

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.09.2012

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