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Gisbert Schroeder spielt seit 40 Jahren mit Überzeugung den Weihnachtsmann für Kinder

Gisbert Schroeder spielt seit 40 Jahren mit Überzeugung den Weihnachtsmann für Kinder

Im Herbst hört Gisbert Schroeder auf, sich zu rasieren - mit Einverständnis seiner Frau Donka. Bis zum Heiligen Abend ist dem 64-Jährigen dann ein ansehnlicher, weißer Rauschebart gewachsen.

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Gisbert Schroeder bereitet sich zu Hause akribisch auf seine Einsätze vor.

Quelle: Anja Schneider

Und den braucht der Dresdner auch, denn bis Silvester ist er fast jeden Tag unterwegs, um als Weihnachtsmann Kinderaugen zum Leuchten zu bringen. "Weihnachten ist auch heute noch ein Mysterium. Die Heimlichkeit, die Vorfreude - es ist ein Fest mit hohem Stellenwert", sagt der überzeugte Knecht Ruprecht.

Seine eigenen Weihnachtsvorbereitungen haben mit Besinnlichkeit wenig zu tun. Jede Bescherung wird vorher mit den Eltern genau geplant. Der promovierte Lebensmittelchemiker lässt sich positive Eigenschaften und Schwächen des Kindes nennen, um jeden Besuch zu einer ganz persönlichen Angele- genheit zu machen. Auf Wunsch trägt Schroeder Gedichte vor, kommt mit roten oder schwarzen Stiefeln, mit oder ohne Rute. Seine Frau fährt ihn zu den Familien. "In den Stiefeln kann ich nicht fahren", sagt Schroeder. Die Route schauen sie sich gemeinsam vorher an. Das Wetter ist ein Unsicherheitsfaktor. Schroeder besucht auch Betriebsweihnachtsfeiern, Kindertagesstätten oder Familienbrunchs. Der Dresdner ist zudem ein internationaler Weihnachtsmann, spricht neben deutsch auch englisch, französisch und russisch. Auch Bulgarisch versteht der 64-Jährige, stammt seine Frau doch von dort.

In der Vorweihnachtszeit ist er für den privaten Weihnachtsmarkt an Münzgasse und Frauenkirche engagiert und verteilt dort kleine Geschenke. Die Bedingung: das Kind muss ein Gedicht oder ein Lied vortragen. "Es gibt natürlich auch Eltern, die erzählen ihren Kindern, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Sogar wenn ich in Verkleidung direkt daneben stehe", berichtet Schroeder. Ein Kind habe er mal zu sich gerufen, es durfte ihm in den Bart fassen - und war furchtbar überrascht über die Echtheit. Da liegen Freude und Tränen ganz nah beieinander. "Ich vertrete eine Tradition und auch einen gewissen Glauben. Aber ich möchte nicht in die Erziehungsgewohnheiten der Eltern eingreifen", sagt Schroeder. Er trägt zwar eine Rute, würde aber niemals damit drohen. Denn die Weihnachtsfeiertage sollen friedliche und gesegnete Zeiten sein.

1974 begann er gemeinsam mit einem Kollegen, wechselseitig in den Familien aufzutreten. Als die eigenen drei Kinder zu alt waren, kamen Anfragen von anderen Familien hinzu. Über die Jahre kann Schroeder natürlich auch Veränderungen feststellen. "Die Familien waren früher größer. Heute sind es meist nur Eltern und Kindern, wenn es hoch kommt, noch die Großeltern." Seit ein paar Jahren buchen verstärkt unverheiratete Paare Weihnachtsmänner, seltener auch Alleinstehende mit Kindern. Manchmal werden auch Babys beschenkt oder sogar Hunde.

In Rente zu gehen kommt für den 64-Jährigen bisher nicht in Frage. "Mein Grundprinzip ist das Wissen. Ich habe einen inneren Antrieb, immer Neues machen zu wollen." Und die weih-nachtlichen Erlebnisse seien mitunter wirklich toll, manchmal kurios. Dabei braucht ein Weihnachtsmann vor allem Offenheit und ein gutes Ohr. Schroe- der muss ergründen, was sich die Familie unter einer Bescherung vor-stellt, was sie sich wünscht und wie er dabei helfen kann. Dann ist ein Weihnachtsmann auch ein Arbeiter für die Zukunft. "Kinder mit einer glücklichen Kindheit werden später zu den Menschen, auf die wir bauen können. Unsere Zukunft fängt mit der Weihnachtsgeschichte an."

Wenn am Heiligen Abend gegen 22 Uhr die letzten Geschenke ausgeteilt sind, beginnt auch für die Schroeders das Fest. Der Baum ist geschmückt, bulgarisches Essen oder erzgebirgisches Neunerlei ist vorbereitet. Gisbert Schroeder zündet Kerzen an und liest die Weihnachtsgeschichte vor. Seine Saison dauert bis Silvester, denn dann werden die Kinder russischer Eltern traditionell beschenkt. Am 2. Januar dann werden Bart und Haare wieder gestutzt. Praktischerweise hat Donka Schroeder in Bulgarien in ihrer Berufsausbildung mit Abitur Friseuse gelernt.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.11.2014

Franziska Schmieder

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