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Giftköderradar: Leipzig ist Sachsens Hochburg der Hundehasser - Fünf Fälle in Dresden

Giftköderradar: Leipzig ist Sachsens Hochburg der Hundehasser - Fünf Fälle in Dresden

Umstritten sind Hunde in so ziemlich jeder Stadt - doch nirgendwo anders in Sachsen werden sie so brutal bekämpft wie in Leipzig. In Parks und Auwäldern der Pleißemetropole legen militante Hundehasser gefährliche Köder aus, die mit Rattengift, Nägeln, Haken und anderen lebensbedrohlichen Zutaten versehen sind.

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Frauchen und Vierbeiner bei einem unbeschwerten Spaziergang.

Quelle: Bernd Weißbrod, dpa

Mindestens 23 Mal wurden die vermeintlichen Leckerbissen allein im vorigen Jahr ausgelegt, wie die Betreiber der App Giftköderradar gestern warnten. Zum Vergleich: In Dresden waren es übers Jahr insgesamt acht Köder, in Chemnitz wurden lediglich drei gefunden. In diesem Jahr wurden in Leipzig bereits wieder vier Köder gefunden. Mindestens ein Hund soll an den Folgen seiner Verletzungen gestorben sein.

Meist sind es Fleisch- oder Wurststücke, in denen Gift, Nägel, Angelhaken oder Rasierklingen versteckt werden. Das mobile Warnsystem Giftköderradar soll Hundebesitzer via Smartphone oder Tablet darüber informieren, wie sicher oder gefährlich ihre Gassirunde momentan ist. Jeder angemeldete Nutzer kann andere vor verdächtigen Happen am Wegesrand warnen. "Die Leute sind viel sensibler als früher - und das ist gut so", sagt Sascha Schoppengerd, der Giftköderradar seit drei Jahren von Tirol aus betreibt. Rund zwei Drittel der Giftköder-Fälle könnten damit aufgedeckt werden, so der 37-jährige Programmierer. "Es ist schockierend, zu welch brutalen und infamen Mitteln Hundehasser immer wieder greifen."

Das sieht Jens Achterberg genauso: "Den Tieren werden mit solchen Angriffen erhebliche Schmerzen und großes Leid zugefügt", weiß der Vizepräsident der sächsischen Landestierärztekammer. Im Verdachtsfall rät der Dresdner, "schnell einen Veterinärmediziner aufzusuchen und möglichst einen Rest des Köders mitzubringen, um ihn untersuchen zu können."

Die hohe Zahl der Giftköderfunde wird von der Polizei bezweifelt: "Prüfungen vor Ort führen häufig nicht zum Auffinden von derartigen Ködern", sagt Andreas Loepki, "und die vermeintlichen Hinweisgeber scheuen den Kontakt zur Polizei." Vollmundig angekündigte Anzeigen unterblieben. Gleichwohl räumt der Leipziger Polizeisprecher Giftköder oder mit Angelhaken und Nadeln versetzte Würste ein, durch die sich Tiere schwer verletzten. Obwohl Bürgerpolizisten und die Fahrradstaffel regelmäßig auch in Parkanlagen unterwegs seien, "konnten die Taten bisher keinem Beschuldigten zugeordnet werden". Katrin Thiemicke von der Tiernothilfe rät in jedem Falle zu einer Anzeige bei der Polizei. "Nur dann kann ermittelt werden." Sonst wird die Hemmschwelle bei kriminellen Trittbrettfahrern weiter sinken, befürchtet sie. Hunde, die nicht vom Naschen abzubringen sind, sollten vorsichtshalber Maulkörbe tragen, rät die Tierschützerin. "Das ist allemal verträglicher als lebensgefährliche Verletzungen und Notoperation." Erst vor wenigen Tagen wurden Pfannkuchen mit verdächtigen blauen Pillen in Büschen nahe eines Leipziger Spielplatzes gefunden. Weil die auffällig drapierten Backwaren auch für Kinder und Obdachlose zum lebensbedrohlichen Risiko werden könnten, fordern Nutzer sozialer Netzwerke inzwischen, die Ermittlungen gegen Unbekannt auf versuchten Mord auszuweiten.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.02.2015

Winfried Mahr

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