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Geschickte Hände und eiserner Wille

Geschickte Hände und eiserner Wille

Kersten Kandzia liebt antike Möbel. Der 48-jährige Stuhlbauer- und Tischlermeister restauriert sie in seiner eigenen Werkstatt. Noch viel lieber stellt er aber selbst neue Stücke nach historischem Vorbild her.

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Reparatur und Bau antiker Möbel sind das Spezialgebiet von Kersten Kandzia.

Dabei arbeitet er nach Kundenauftrag oder aber aus eigenem Antrieb. Die Vorlagen für seine Möbelstücke zeichnet er selbst und lässt sich dabei von alten Stilbüchern inspirieren. Zurzeit entsteht in seiner Werkstatt ein Barockschrank. An ihm arbeitet er immer dann, wenn andere Arbeiten erledigt sind. "Wer Interesse hat, kann ihn kaufen", formuliert Kersten Kandzia gestenreich. Auch wenn er in solch ein schönes Möbelstück viel Zeit und Herzblut investiert, fällt es ihm am Ende nicht schwer loszulassen. Schließlich gibt es noch so viele andere Möbel, die nur darauf warten, von ihm gebaut zu werden.

Diese positive Lebenseinstellung, dass es immer wieder weitergeht, treibt ihn an. Dabei waren seine Startbedingungen alles andere als optimal. Von Geburt an gehörlos besuchte der gebürtige Freiberger die Gehörlosenschule in Dresden und absolvierte im Anschluss eine Lehre als Facharbeiter für Holztechnik in Leipzig. Bald schon zog es den Gesellen in die sächsische Hochburg des Stuhlbaus. Er qualifiziert sich zum Stuhlbauer und arbeitete ab 1983 bis zur Auflösung im VEB Stil- und Polstermöbelkombinat Oelsa. Damals rettete er Vorlagen, Fachbücher und alte Werkzeuge, die auf dem Müll landen sollten.

In der Folge wechselten häufig die Anstellungen, weil die Betriebe geschlossen wurden. "Ich wurde immer wieder arbeitslos und dachte so geht es nicht weiter", schreibt er auf einen Zettel. Neben viel Gestik und einigen Worten seine dritte Möglichkeit der Verständigung. "Schon vor der Wende hatte ich den Traum, mich selbständig zu machen. Aber zu DDR-Zeiten war das nicht möglich. Auch danach war es schwierig, denn es hieß, Gehörlose können das nicht machen." Doch wo ein Wille ist, ist bekanntlich auch ein Weg. Und so unterzog sich Kersten Kandzia im Frühjahr 1993 einer Sachkundeprüfung durch die Handwerkskammer. Einige Monate später war es so weit: er wurde mit einer Ausnahmebewilligung in die Handwerksrolle eingetragen Im Jahr darauf machte er sich in Rabenau mit einer eigenen Werkstatt selbständig und begann parallel mit dem Meisterstudium, unterstützt von einem Gebärdendolmetscher. Seit 1998 kann er sich Stuhlbauer- und Tischlermeister nennen. Mit dem eigenen Betrieb lief es dagegen nicht so gut, weil zwei Großkunden ihre Rechnungen nicht beglichen. Der Betriebsaufgabe folgte Arbeitslosigkeit. Doch einem Stehaufmännchen gleich versuchte es Kersten Kandzia erneut mit der Selbständigkeit, diesmal in Dresden. So betreibt er seit Ende 2000 - mit wechselndem Erfolg - seine Werkstatt in einer ehemaligen Industriehalle an der Mohorner Straße.

Nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe ist er wieder allein auf sich gestellt, muss alle sozialen Angelegenheiten selbst regeln. In der Freizeit fährt er Rad, geht schwimmen, betreibt Krafttraining und bringt sich selbst die englische Sprache bei. Sein wichtigstes Hobby ist jedoch sein Beruf: Stilmöbel bauen. "Eine Arbeit, die sauber ausgeführt wird, pünktlich erledigte Aufträge - das bringt einen guten Ruf. Dann kann man es auch schaffen", so macht sich Kersten Kandzia selbst immer wieder Mut. Hannelore Schuster

Tischlerei Kersten Kandzia, Reisewitzer/Ecke Mohorner Str., Fax 0351/4 13 43 43, E-Mail: Tischlerei-Kandzia@web.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.01.2012

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