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German Lessons for Refugees: Dana Housch organisiert in Dresden Deutschkurse für Flüchtlinge

German Lessons for Refugees: Dana Housch organisiert in Dresden Deutschkurse für Flüchtlinge

Wüste Schreie dringen aus den Räumen eines Dresdner Asylbewerberheims. Ein Hausmeister und ein Flüchtling haben sich in der Wolle. "Die haben sich gegenseitig angeschrien und der Hausmeister war drauf und dran die Polizei zu rufen", sagt Dana Housch.

Die 36-jährige Englischlehrerin aus den USA, die seit sieben Jahren in Dresden lebt, besucht regelmäßig Flüchtlingsheime, um den Menschen bei der Eingewöhnung zu helfen.

In der brenzligen Situation stellt sie sich kurz entschlossen zwischen die Streithähne und ruft laut: "Schluss!!!" Erst dann ist endlich Ruhe. Wenig später bekommt sie mit, dass die Männer streng genommen gar keinen Grund zum Streiten hatten. "Die haben sich einfach nicht verstanden. Der junge Flüchtling aus Somalia wollte eigentlich nur sagen, dass er keinen Schlüssel für das Gebäude hat. Weil er aber kein Deutsch sprach und der Hausmeister kein Englisch, hat ein Missverständnis das nächste befeuert, bis die Atmosphäre immer aggressiver wurde", berichtet Housch. Der Lehrerin aus dem US-Bundesstaat Alabama gab es zu denken, wie schnell die Dinge aus dem Ruder laufen können, wenn sich Menschen nicht verstehen.

Für sie stand deshalb fest: Die Flüchtlinge brauchen Deutschkurse. Dass das Interesse dafür da ist, hat sie immer wieder bemerkt, seitdem sie im Januar zum ersten Mal in einem Heim in der Leipziger Straße in Pieschen war. "Die Leute haben gesagt, dass sie die Sprache gern lernen würden, aber keinen Unterricht bekommen, wenn sie über 27 Jahre alt sind", erklärt Housch. Weil sie das nicht akzeptieren wollte, startete sie über die Facebook-Seite "International Friends Dresden" einen Aufruf.

"Ich habe geschrieben, dass ich freiwillige Helfer für den Deutschunterricht benötige", so Housch. Auf die ersten Reaktionen musste die Lehrerin nicht lange warten. Sie sei positiv überrascht gewesen, wie viele sich gemeldet hätten, sagt die 36-Jährige. Ähnlich unkompliziert lief die Suche nach einem Veranstaltungsort ab. "Wir haben die Bibliothek Neustadt angefragt und gleich grünes Licht bekommen." Von der ersten Suche nach freiwilligen Lehrkräften bis zum Beginn des Unterrichts verging so nur ein Monat.

Bereits Anfang März fiel der Startschuss. Mit zwölf Schülern, die unter anderem aus Syrien, Eritrea oder Russland kamen, startete der Kurs. "Wir haben jeweils montags und mittwochs einen Kurs angeboten", sagt Housch. Einige Wochen nach Unterrichtsbeginn wurden auch andere Einrichtungen wie das von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) betriebene Jugendhaus und Kulturzentrum Spike in Leubnitz-Neuostra auf das Angebot aufmerksam. Auch sie waren an Sprachkursen für Flüchtlinge interessiert. Und das nicht nur zwei Mal die Woche, sondern täglich. Also wandten auch sie sich an Dana Housch.

"Ich wusste zunächst nicht, ob das klappt, aber als ich wieder über verschiedene Facebook-Gruppen Freiwillige gesucht habe, haben sich tatsächlich erneut eine ganze Menge Leute gemeldet", freut sich die 36-Jährige.

Einer von ihnen ist der Theologe Albrecht von der Liedt (36), der jeden Montag im Spike unterrichtet. Er sagt: "Die Pegida-Demonstrationen waren für mich der Anlass, mich zu engagieren." Gerade jetzt, wo die Flüchtlinge Hilfe benötigten, möchte er etwas tun, so von der Liedt.

Ganz einfach ist das jedoch nicht, weil der Bildungsgrad seiner Schüler sehr unterschiedlich ist. "Ich bin immer wieder erstaunt, wenn ich erfahre, wen ich da vor mir habe. Da sitzt zum Beispiel ein Maurer neben einem Rechtsanwalt, der außerdem noch Geograph ist." Er müsse sich dann immer ein wenig bremsen, damit auch jeder mitkommt, sagt von der Liedt und fügt an: "Ich merke, dass ich alles besonders gründlich erklären muss. Wichtig ist das auch, weil die Lehrbücher, die wir zur Verfügung haben, nicht dafür konzipiert sind, dass man keine gemeinsame Ausgangssprache hat", erklärt der 36-Jährige die Probleme. Dennoch geht es Stück für Stück voran. "Man merkt richtig, wie die Menschen die Scheu verlieren, in einer fremden Sprache zu sprechen", so von der Liedt.

Auch die 34-jährige Helen Solomon aus Eritrea hat diese Erfahrung gemacht. Seit zwei Monaten besucht sie den Kurs. Einfache Redewendungen wie zum Beispiel "Ich heiße" oder "Ich komme aus" beherrscht sie schon. Aber natürlich möchte die Afrikanerin, die vor acht Monaten nach Deutschland kam, noch mehr lernen. Sie weiß, dass sie nur so die Chance auf eine Arbeit hat. "Ich bin ursprünglich Friseurin und würde hier auch gern in dem Beruf arbeiten", so Solomon.

Bis Dezember sollen die unter dem Namen "German Lessons for Refugees" firmierenden Kurse weitergehen. Was danach wird, steht noch nicht fest. "Weil die Teilnehmer ein unterschiedliches Leistungsniveau haben, können wir den Unterricht nicht in der bestehenden Form fortführen", sagt Dana Housch und ergänzt: "Wir möchten deshalb die Zusammenarbeit mit anderen Initiativen wie Deutschkurse Asyl, Migration, Flucht (DAMF) intensivieren, um neue Angebote zu ermöglichen."

https://www.facebook.com/GermanLessonsforRefugees

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.08.2015

Stephan Hönigschmid

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