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Geringe Säuglingssterblichkeit in der Geburtenhochburg Dresden

Geringe Säuglingssterblichkeit in der Geburtenhochburg Dresden

Wissenschaftler führen die niedrige Sterblichkeit vor allem auf die gute Versorgung von Frühgeborenen zurück, die im Osten zentralisierter in großen Spezialeinrichtungen betrieben wird.

In Dresden gibt es zwei so genannte Perinatalzentren für Früh- und Neugeborene - im Städtischen Krankenhaus Dresden-Neustadt und im Universitätsklinikum. Pro Jahr werden hier über tausend Babys aus ganz Ostsachsen versorgt.

"Etwa die Hälfte der Säuglingssterblichkeit ist durch die Frühsterblichkeit bedingt, dem Tod nach weniger als sieben Tagen", erklärt der Neugeborenenmediziner Dr. Norbert Lorenz vom Neustädter Krankenhaus. Das hat zwei Gründe: Entweder handelt es sich um extreme Frühchen mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm oder einem Entwicklungsstadium unter der 32. Schwangerschaftswoche oder es sind Kinder mit angeborenen Fehlbildungen. "Das höchste Risiko besteht bei den Frühgeburten in der 24. bis 26. Schwangerschaftswoche", betont sein Kollege von der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am Uniklinikum, Prof. Mario Rüdiger. Fünf Prozent dieser Babys schafften es nicht. Jungen seien wegen ihrer biologischen Verletzlichkeit besonders gefährdet, so Lorenz. Trotzdem haben Frühgeborene heute wesentlich bessere Überlebenschancen als noch vor 20 Jahren, betont Rüdiger. Vor allem in den 90ern sei viel bei der Versorgung und der Medikation verbessert worden, so dass die Sterblichkeit seither um mehr als die Hälfte gesunken ist.

18 Ärzte, darunter fünf Neonatologen - sprich Neugeborenenmediziner - versorgen im Neustädter Krankenhaus jährlich 500 Babys. Das Herzstück des Perinatalzentrums ist der moderne Kreißsaal, der sich Tür an Tür zur Intensivstation für Neu- und Frühgeborene befindet. "Wir versorgen Frühgeborene ab der 29. Schwangerschaftswoche bzw. ab einem Geburtsgewicht von 1000 Gramm, kranke Neugeborene von Müttern mit Schwangerschaftskomplikationen und Neugeborene mit angeborenen Fehlbildungen", berichtet Lorenz. Besondere Fachkenntnis habe man - in enger Kooperation mit dem Herzzentrum Leipzig - mit angeborenen Herzfehlbildungen und allen Arten von Herzrhythmusstörungen.

In der Kinderklinik im Uniklinikum kümmern sich 25 Ärzte und 80 Schwestern im Jahr um rund 800 Babys, darunter etwa 500 Frühchen. Für die Kleinsten stehen 24 Wärmebetten und Inkubatoren (Brutkästen) auf der Intensivstation, 24 halbintensive Betten ohne künstliche Beatmung sowie zehn Rooming-In-Betten, wo Mütter mit ihren Kindern zusammensein können, zur Verfügung. Das Uniklinikum gehört zudem zu den fünf größten Spezialeinrichtungen Deutschlands, die extrem unreife Kinder unter 1500 Gramm Körpergewicht versorgen können. Das betrifft etwa 120 Babys im Jahr, die auf der intensivmedizinischen Säuglingsstation in der Kinderklinik liegen, einige wiegen gar nur 500 Gramm - und haben eine Chance zu überleben.

Obwohl das Risiko von Frühgeburten stetig steigt - durch spätgebärende Mütter sowie die höhere Zahl an künstlichen Befruchtungen, die oft zu Mehrlingsgeburten führen - befinde sich laut Rüdiger die Säuglingssterblichkeit auf einem stabilen niedrigen Niveau. "Jetzt muss man sich darum kümmern, dass sich die Frühgeborenen gut entwickeln", betont der Neonatologe. Hier hat die Kinderklinik des Uniklinikums mit "FamilieNetz" eine Vorreiterrolle eingenommen. Ein Team aus Psychologen, Sozialpädagogen, Pflegern und Krankenschwestern betreut Eltern mit zu früh geborenen Kindern, hilft ihnen, eine Bindung zum Nachwuchs aufzubauen. Eine Frühgeburt sei für die Eltern oft ein Schock, wenn sie das kleine Würmchen sehen, so Rüdiger. Die Zeit des Kindes auf der Intensivstation, in einigen Fällen bis zu einem halben Jahr im Inkubator mit Atemunterstützung und Magensonde, sei für Mutter und Vater eine beängstigende Situation. Zudem haben die Frühchen noch nicht die Fähigkeit zur natürlichen Interaktion wie Lächeln oder Schreien. "FamilieNetz" leitet die Eltern der Frühchen in Trainingskursen an. Ein in Deutschland einzigartiges Konzept, dass man demnächst auch in Köln und Berlin etablieren wolle, sagt Rüdiger.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.10.2013

Madeleine Arndt

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